Vom Klötzchen-Spiel bis zum Matt

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Hier trainiert und spielt was zusammen passt: Die Schachspielgesellschaft Rödermark/Eppertshausen stieg dieses Jahr in die Landesklasse Süd auf.

Eppertshausen- Der Aufstieg ist in jeder Sportart ein Erfolg. In diesem Jahr freuen sich die Eppertshäuser Schachspieler, denn ab Herbst spielen sie eine Klasse höher: Von denStarkenburg Liga geht es für sie in die Landesklasse Süd. Von Michael Just

Errungen wurde der Erfolg gemeinsam mit den Schachspielern aus Rödermark, denn vor etwas mehr als zwei Jahren, genauer gesagt am 6. Mai 2010, schlossen sich der SC Eppertshausen und der SC Rödermark zur Schachspielgesellschaft (SSG) Rödermark/Eppertshausen zusammen. Mit rund 40 Aktiven und sechs Mannschaften ist der Dachverein derzeit einer der größten – und erfolgreichsten – im Schachbezirk.

Vor der Vereinigung hatten es die Eppertshäuser Schachspieler nicht leicht. Umzüge und ein altersbedingter Schwund setzten dem Verein zu. Verfügte er in den besten Zeiten über fünf Mannschaften, war zum Schluss nur noch eine übrig. „Wir hatten gerade einmal die acht nötigen Personen. Da durfte keiner krank werden oder ausfallen“, erinnert sich Manfred Schösser.

Suche nach einem starken Partner

Da dies nicht immer zu bewerkstelligen war, machte man sich auf die Suche nach einem starken Partner und wurde in Rödermark fündig. Der Verlust der Selbstständigkeit des 1950 gegründeten Vereins war zwar schmerzlich, die Synergieeffekte haben im Angesicht des Erfolges aber vieles wett gemacht.

Ganz paritätisch bewerkstelligten den Aufstieg vier Eppertshäuser und vier Rödermärker. Dass sich die Verstärkung aus Eppertshausen nicht zu verstecken braucht, beweisen noch zwei weitere Tatsachen: Die einzige Frau im Club kommt aus „Epp“, und mit Nils Penzel einer der besten Spieler, der einen U25-Hessenmeister-Titel vorweisen kann.

Manfred Schösser

Nur im Jugendbereich ist Nachholbedarf: Hier lassen sich unter den 15 SSGlern lediglich zwei junge Eppertshäuser finden. Aus diesem Grund findet das Training ausschließlich im Bürgertreff Waldacker statt. Bei den Erwachsenen wird abwechselnd auch in Eppertshausen im Haus der Vereine gespielt.

Für Schösser, jahrelang Jugendleiter in Eppertshausen und auch jetzt bei der SSG, liegt der Reiz beim Schach an der Taktik und dem Willen zu gewinnen. Er schätzt zudem die Ruhe und die Konzentration. Die sind dem 70-Jährigen zufolge vielleicht der Grund, warum derzeit die Sportvereine beim Rekrutieren des Nachwuchses meist die Oberhand gegenüber den Schachclubs haben.

Schach: Konzentrationsübungen für Kinder ideal

In Zeiten von Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und medialer Reizüberflutung falle vielen Kindern ja schon das Sitzen schwer. „Dabei sind beim Schach die Konzentrationsübungen ideal für die Schule und das Leben. Wo lernt man denn sonst noch, nicht nervös zu werden, die Übersicht zu behalten und eine gute Planung anzulegen?“, fragt Schösser. Im Vorteil seien natürlich die, denen logisches Denken leicht fällt. Vor allem Mathematiker hätten es dabei einfacher.

Mit sechs Jahren fing Schösser bereits an, den gegnerischen König matt zu setzen. „Das war aber mehr Klötzchen rücken. Von der Theorie mit Eröffnungen, Tricks und den Spielverläufen hatte ich damals noch keine Ahnung“, sagt er. Das kam erst mit 15 oder 16 Jahren im Verein.

Mit dem Lauf der Zeit entwickelte sich das Blitzschach bei ihm zur Leidenschaft. Ging dies vorher über zehn Minuten, sind es jetzt nur noch fünf. Eine weitere Leidenschaft ist das Fernschach, das früher ganz anders war: „Für jeden Zug wurde eine Postkarte geschickt. Da lief man jeden morgen mit Spannung zum Briefkasten“, erinnert sich der Eppertshäuser, der jetzt in Neu-Isenburg wohnt. Heute gehe das per E-Mail schneller und vor allem billiger.

Wer zu Schösser als Jugendspieler kommt, kann sich sicher sein, von dem ehemaligen Bezirksmeister in idealer Weise auf das Schachspiel, dessen Urform in Indien einst ein Abbild des Krieges darstellte, eingeschworen zu werden. Dafür spricht der Erfolg, den bei der SSG nicht nur die Erwachsenen haben: Verlustpunktfrei gewannen die Schüler den Bezirkstitel für die Saison 2011/12.

Quelle: op-online.de

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