Was kostet Eppertshausen?

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Eppertshausens Fachbereichsleiter für Finanzen, Friedhelm Saal, und Bürgermeister Carsten Helfmann sind mit dem Ergebnis der Eröffnungsbilanz sehr zufrieden.

Eppertshausen ‐ Was kost’ die Welt? Ein Taschengeld! Und Eppertshausen? Von Thomas Meier

Was sich im Volksmund so leicht tut (und mit der Realität so gar nichts am Hut hat), bescherte der kleinen Kommune fünf Jahre harte Arbeit: zu ermitteln, welchen finanziellen Wert der Ort darstellt. Kommenden Dienstag wird die Eröffnungsbilanz, erstellt für den Stichtag 1. Januar 2008, im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt. Wichtigste der Gesamtaussagen aus dem Werk: „Die Bilanz der Gemeinde Eppertshausen spiegelt die Vermögens-, Schulden- und Eigenkapitalstruktur einer kleinen und bilanziell gesunden Gemeinde wieder.“

Bilanzsumme betrug rund 47 Millionen Euro

Die Eckdaten: Die Bilanzsumme Eppertshausens betrug zum Stichtag rund 47 Millionen Euro, wobei das Anlagevermögen auf 43,6 Millionen errechnet wurde. Kommt ein Umlaufvermögen von 3,2 Millionen Euro hinzu. Das Eigenkapital wird mit 38,5 Millionen beziffert. Dem stehen Verbindlichkeiten von 1,6 Millionen Euro gegenüber. Die Rückstellungen für Pensionen (inklusive einer geringen Summe für die Rekultivierung der Münsterer Mülldeponie) betragen 2,1 Millionen Euro. Vergleicht man so das Eigenkapital mit den Verpflichtungen, kommt die Kommune auf eine stattliche Eigenkapitalquote von 75,24 Prozent. Bürgermeister Carsten Helfmann ist wie Eppertshausens Fachbereichsleiter für Finanzen und Controlling, Friedhelm Saal, damit sehr zufrieden.

Früher zeigte ein Haushalt nach der „kameralistischen Buchführung“ auf, wie das Geld in der Stadt fließen soll und tatsächlich geflossen ist. So rechneten bereits die Finanzkammern an den Fürstenhöfen. Mit dem, was ein rechtschaffener Kaufmann verbuchen muss, hatte dies wenig zu tun. Seit einigen Jahren sind die Gemeinden gehalten, es den Kaufleuten gleich zu tun und sich der doppelten Buchführung (Doppik) zu befleißigen. Diese berücksichtigt auch Erträge, Aufwendungen und Vermögenswerte. Übertragen aufs Private: Genügte früher ein Haushaltsbuch, das Einnahmen und Ausgaben gegenüber stellte, so muss jetzt auch noch einberechnet werden, was das Häuschen oder Auto noch wert sind.

Ein Riesenunterfangen für die kleine Verwaltung

Das gesamte Vermögen Eppertshausens musste also für den Eröffnungsbericht erfasst und bewertet werden, sowohl Gebäude und Technik wie auch Straßen, Kanäle und alles andere einschließlich deren Abschreibung. Man erhält so einen Überblick über das Vermögen und die Art, wie es finanziert ist.

Ein Riesenunterfangen für die kleine Verwaltung. Von 36 Gemeindebediensteten sind 14 in der Verwaltung tätig, darunter Auszubildende und die Jugendhilfe. Möglichst alle von ihnen sollten mitgenommen werden auf dem steinigen Weg von der Kameralistik zur Doppik. „Und soweit es ging, beschritten wir diesen Weg auch eigenständig", ist Helfmann stolz. Für die Gebäudebestandsaufnahme wurde eine studentische Aushilfskraft beschäftigt, den Gemeindewald taxierte Hessenforst. Beteiligt waren ferner die Gemeinschaftskasse des Kreises sowie das Kreisrevisionsamt; von 2006 bis heute. Externe Kosten schlugen „nur“ mit rund 100 000 Euro zu Buche, „Plus hunderte Stunden harter Arbeit unserer Mitarbeiter, von denen ja etliche Teilzeitkräfte sind“, unterstreicht Saal die Mammutanstrengung für alle Beteiligten. Erhebliche Urlaubs- und Überstundenansprüche entstanden, für die jedoch in weiser Voraussicht auch Rückstellungen einberechnet worden sind.

Seniorenhaus gilt als werthaltigste Liegenschaft

Nicht nur, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann, es ist auch die Voraussetzung dafür, dass die Verwaltung nun betriebswirtschaftlich handeln kann, auf Grundlage eines sauber ermittelten Vermögensstatus.

Dass die Gemeinde sehr viele Eigenwerte äußerst effektiv ermitteln und exakt bewerten konnte, ist dem vorzüglich geführten Archiv zu verdanken, in dem über viele Jahrzehnte alle Rechnungsunterlagen zu den einzelnen Aktivposten der Gemeinde aufbewahrt werden. Anschaffungs- oder Wiederherstellungskosten - alles ist feinsäuberlich abgeheftet worden über die Jahre. Einzig für ganz alte Immobilien, wie etwa das Alte Schulhaus, lange schon ein Mietshaus, mussten andere Verfahren angewandt werden, den aktuellen Verkehrswert zu ermitteln.

Als werthaltigste Liegenschaft Eppertshausens gilt heute das Seniorenhaus, das mit 2,5 Millionen in der Positivbilanz steht. Bauhof und Kläranlage schlagen mit 3,1 Millionen Euro zu Buche, die Sporthalle mit 1,6 Millionen und das Rathaus wird auf immerhin 875.000 Euro taxiert. Sind dies noch Liegenschaften, für die man eventuell Käufer fände (wären sie denn wirklich zu veräußern), so stehen die ermittelten Werte beispielsweise für Abwasserkanäle oder Waldwege zwar in der Liste, doch sind diese Werte eher unverkäuflich. Was sollte man auch mit hundert Meter Kanal in der Nieder-Röder-Straße anfangen?

Am Dienstag, 25. Januar, um 20 Uhr stellen der Leiter des Revisionsamtes beim Kreis, Thomas Fiedler, und die Prüfer die Eröffnungsbilanz im Finanzausschuss vor. Zur Gemeindevertretersitzung am 2. Februar soll sie beschlossen werden. Beide Sitzungen sind öffentlich.

Quelle: op-online.de

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