Kraxeln mit Steigeisen und Karabinerhaken

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Schwindelfreiheit und gute Kondition waren Voraussetzungen, um bei der Gebirgs-Tour des OWK dabei zu sein.

Eppertshausen - (ale) Es war noch tiefe Nacht, als sich die Hochgebirgswandergruppe des Odenwaldklubs Eppertshausen zu ihrer elften Tour aufmachte. Das Ziel waren die Dolomiten, das Bergmassiv der Brenta.

Die Kletterer erwartete eine bizarre Welt aus schroffen Felstürmen, unnahbaren Dreitausendern und einmaligen Klettersteigen – und gleichzeitig ein Wanderparadies der Extraklasse.

In Madonna di Campiglio ließ man nach langer Anfahrt die Autos stehen und überwand die ersten Höhenmeter mit der Seilbahn. Dann wurden die Rucksäcke geschultert, um das 750 Quadratkilometer große Gebiet mit seiner höchsten Erhebung, dem 3179 Meter hohen Cima Tosa, zu durchsteigen. Nach rund zwei Stunden anstrengendem steilen Anstieg erreichte die Gruppe die erste Berghütte.

In der Hütte ging es sehr spartanisch zu, kalt und eng war es, man rückte zusammen, um 22 Uhr war Nachtruhe. Beeindruckend und bekannt sind die Sonnenaufgänge, nur langsam kroch die Temperatur über zehn Grad. Dick vermummt, mit Steigeisen und Pickel bezwangen die Wanderer das Gletscherfeld zum ersten Klettersteig. Hier wurde das Klettergeschirr angelegt, mit Karabinern bestückt, die Helme gegen den ständigen Steinschlag festgezurrt und dann begann der Einstieg in die Felswände.

Tag bei grandiosem Alpenglühen beendet

Der Via delle Bochette, ein zauberhafter Höhenweg, führte die Gruppe durch die wild zerklüfteten und über 200 Millionen Jahre alten Berge. Die Wanderführer Bernd Kraus und Ludwig Scharf hatten ein wachsames Auge, damit jeder gut gesichert die teils überhängenden Leitern und Steige anging. Edelweiß- und Enzianwiesen erfreuten die Wanderer, Gemsen, Bergfinken waren stete Wegbegleiter. In der Alimontahütte wurde der Tag bei grandiosem Alpenglühen beendet.

Die Gruppe kraxelte immer in Höhenregionen um die 3 000 Meter, nur selten verwehrte der berühmte Brentanebel die traumhaften Fernblicke, mal ins Etschtal und die Dolomiten mit ihren über 300 Meter hohen Felstürmen, dann in das Eisrevier des nahen Adamello oder zu den Ortlerbergen. Auf dem Rundweg übernachtete man in der Pedrotti-, der Apostelli- und der Brentei-Hütte. Mit jedem Tag gewannen die Wanderer mehr an Trittsicherheit, Schwindelfreiheit ist ohnehin Voraussetzung für diese Wanderung, gute Kondition wurde von allen Teilnehmern mitgebracht.

Mit der Tuketthütte schloss sich nach einer Woche der Kreis des Rundwanderweges. Das Wetter schlug am letzten Tag um, dunkle Wolkenfetzen durchzogen die steilen Wände und auf den letzten Metern fielen erste Regentropfen. Einen Ruhetag gönnten sich die Gruppe in Pezzolo – dort deckte sie sich außerdem reichlich mit Südtiroler Spezialitäten ein.

Quelle: op-online.de

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