Kreuzigung auf Altem Friedhof

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Passionsgeschichte in Eppertshausen: Rathaus und Alter Friedhof wichtigste Lokationen

Eppertshausen - Als Gisela Belzer den Kaffee zum Gespräch mit der Offenbach- Post bringt, spricht aus ihrem Gesichtsausdruck neben Freundlichkeit vor allem Gelassenheit und eine innere Ruhe. Von Michael Just

Doch wie die Initiatorin undRegisseurin der Eppertshäuser Passionsspiele verrät, sieht es in ihrem Inneren ganz anders aus: „Die Aufführung ist immer Stress. Eine Routine gibt es nicht, noch dazu ist man drei Jahre älter geworden“, sagt die 65-Jährige.

An diesem Freitag ist es wieder soweit: Nach 2006 und 2009 stehen die dritten Eppertshäuser Passionsspiele an. 70 Darsteller, 120 Sänger verschiedener lokaler Chöre und mehr als 2 500 erwarteter Zuschauer werden die 5 900 Köpfe zählende Gemeinde in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.

Belzer erfüllt sich einen Lebenstraum

Mit der Passionsgeschichte hat sich Belzer einen Lebenstraum erfüllt. Als sie den Leidensweg Christi vor ein paar Jahren im Urlaub in einem kleinen sizilianischen Dorf erlebte, wollte sie Ähnliches auch in ihrer Heimatgemeinde umsetzen. Die Herausforderung: Wie in Italien sollten möglichst alle Bewohner als Haupt- und Nebendarsteller eingebunden werden und die Aufführung sollte sich durch den ganzen Ort bewegen.

Kommenden Freitag wird sich Eppertshausen in eine große Freilichtbühne verwandeln. Der alte Festplatz, auf dem jetzt die neue Bürgerhalle steht, existiert zwar nicht mehr, dafür präsentieren sich der Rathausplatz und der Alte Friedhof für die Kreuzigungsszene als die beiden wichtigsten Lokationen. „Das macht die Beschallung einfacher“, erklärt Belzer.

Neuer Darsteller für die Jesus-Rolle

Neben geänderten Textpassagen wartet diesmal auch ein Erzähler, der die wichtigsten Szenen der Leidensgeschichte in mehreren Prologen näher erläutert. Spannung dürfte der „neue“ Jesus versprechen: Nachdem Wolfgang Lüddicke schon bei der letzten Aufführung mal einen anderen Darsteller ran lassen wollte, musste für die diesjährige Ausgabe der Passionsspiele ein Nachfolger gefunden werden. Den hat Belzer in dem 39 Jahre alten Alexander Neiß gefunden. „Wir haben eine Weile gesucht. Dann hat er sich als Einziger angeboten“, verrät die Organisatorin.

Passionsgeschichte in Eppertshausen: Rathaus und Alter Friedhof sind die wichtigste Lokationen

Die Besucher dürfen sich auf eine Veranstaltung freuen, bei der das Sehen und Hören nach der Premiere vor sechs Jahren entscheidend verbessert wurde. Für den Ton ist beispielsweise die gleiche Firma verantwortlich, die sich auch beim Darmstädter Schlossgrabenfest um den Hörgenuss kümmert. „Das ist nicht billig, aber es ist uns die Sache wert“, so Belzer. Den gewählten Dreijahresrhythmus für die Spiele bezeichnet sie, wie das Gros ihrer Laienschauspieler als „perfekt“, auch weil die Zahl Drei in der christlichen Glaubenswelt eine heilige Zahl darstellt. Dennoch hätten einige Gemeindebewohner gerne einen größeren Abstand und auch sonst ist die Zahl der Ratschläge, die an Belzer herangetragen wird, nicht gering. So dreht sich ihr größter Wunsch für die Zukunft der Passionsspiele weniger um die Aufführung selbst als darum, die Verantwortlichen einmal in Ruhe arbeiten zu lassen.

Seit Aschermittwoch läuft die heiße Phase der Proben

80 Prozent der Schauspieler waren auch schon in den Jahren 2006 und 2009 dabei. Der bereits vorliegende Kostümfundus mit zum Teil liebevoll gefertigten historischen Gewändern, erleichtert die Neuauflage. Seit dem Aschermittwoch läuft die heiße Phase der Proben. Zu Beginn traf man sich in kleinen Gruppen, um intensiver arbeiten und proben zu können. Die Anwesenheitsliste offenbarte hier aber regelmäßig Lücken. „Das kostet Nerven“, blickt Belzer zurück und unterstreicht mit einem Lächeln die Erkenntnis zu Beginn ihres Interviews: „Routine wird es wohl nie geben.“

Die Generalprobe am Samstag fiel dann aber doch überaus positiv aus: „Ich war erstaunt, wie gut das gelaufen ist“, lautet ihr Resumee. Und noch eine freudige Meldung kam hinzu: Von einem Erdbeerhof gibt es einen Esel für den Einritt von Jesus nach Jerusalem. Der vorherige Vierbeiner „Harry“ stand aus Altersgründen und dem damit verbundenen Verkauf seines Besitzers für diese Spiele leider nicht mehr zur Verfügung.

Quelle: op-online.de

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