Krise geht an Volksbank nicht vorbei

Eppertshausen ‐ Ob die stattliche Zahl der anwesenden Gäste und Mitglieder - 330 nach 300 im Jahr 2008 und 250 im Jahr 2007 – mit der Wirtschafts- und Finanzkrise und Ängsten der Volksbank-Kunden zusammenhing, soll dahingestellt bleiben. Von Jens Dörr

Groß war jedenfalls das Interesse an der Generalversammlung der Volksbank Eppertshausen in der Mehrzweckhalle. Die Besucher wollten sich informieren, welche Auswirkungen die Entwicklungen in der Branche seit Herbst letzten Jahres auf das Eppertshäuser Finanzgeschehen hatten.

Die Finanzmarktkrise hat uns getroffen und die Ertragslage erheblich belastet“, beschönigte Vorstand Klaus Spinnler nichts. Als „unzureichend“ bezeichnete er die Ertragslage und sprach davon, die Volksbank habe ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. Man werde aber alle Kraft daran setzen, die Verluste in den kommenden Jahren wieder aufzuholen und die Rücklagen wieder zu stärken. Grund zum Optimismus biete die geordnete Liquiditäts- und Finanzlage, die „weiterhin ausreichende“ Eigenkapitalausstattung und die günstige Kostenstruktur. Und nicht zuletzt die Mitarbeiter, denen Spinnler dankte und ihnen einen entscheidenden Anteil am lokalen Erfolg zuschrieb – einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent in Eppertshausen darf man wohl stattlich nennen. Auch mit dem Aufsichtsrat, in den die Stimmberechtigten erneut Annette Koch und Philipp Schlosser wählten, arbeite man „vertrauensvoll“ zusammen, so Spinnler.

Brennende Frage: Wieso investiert die Volksbank bei einer isländischen Bank?

Vorstand Klaus Spinnler erläutert den 330 Gästen und Mitgliedern in der Eppertshäuser Mehrzweckhalle den Geschäftsbericht.

Unterdessen vermied es der Vorstand nicht, eine Frage zu stellen, die sicher auch einige der Gäste mitgebracht hatten: „Wieso investiert die Volksbank Eppertshausen Anlagegelder bei einer isländischen Bank?“, formulierte es Spinnler. Eine der Anleihen vom Inselstaat – bereits seit fünf Jahren im Portfolio der Eppertshäuser – wurde in der Krise vom „unerwarteten Zusammenbruch der isländischen Banken betroffen.“ Wieso die Volksbank in diese Anleihe investiert hatte? „Die in unserem Portfolio gehaltene Anleihe der Landsbanki Island hatte eine Bonitätseinstufung, die eine Ausfallwahrscheinlichkeit nahe null Prozent implizierte“, so Spinnler. Dass nahe Null nicht gleich Null ist, obwohl die Anleihe besser als die deutscher Banken eingestuft war, müssen einige Kunden nun verkraften – die Rückzahlungsquote werde wohl lediglich „um die 30 Prozent“ betragen.

Um Risiken künftig noch besser einzuschätzen, hat sich die Volksbank Eppertshausen derweil einiges vorgenommen: Die „in der Finanzbranche akzeptierten Ratings“ (Spinnler) müssten zukünftig einer noch genaueren Überprüfung standhalten. Nichtsdestotrotz hätte sich der Verlust auch „bei einer frühzeitigeren Anpassung an diese Maßnahmen nur bedingt vermeiden lassen“, verschwieg der Vorstand das gewisse, niemals auszuschließende Risiko bei Finanzmarktgeschäften nicht.

Das Vertrauen in die Bank ist ungebrochen

Das Vertrauen in die Volksbank Eppertshausen scheinen diese – auf die gesamte Bank betrachtet geringen - Verluste indes nicht zu erschüttern: 100 Mitglieder beteiligten sich erstmals direkt an der Bank und zeichneten 1 795 Anteile, 4 155 Kunden sind an der Bank nun mit 3,49 Millionen Euro Geschäftsguthaben beteiligt.

Das bilanzielle Eigenkapital beträgt damit 10,6 Millionen Euro, addiert man die Rücklagen und den Fonds für allgemeine Bankrisiken. Die Bilanzsumme des Instituts sank im Geschäftsjahr 2008 um zwei Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr und betrug 141 Millionen Euro.

Quelle: op-online.de

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