Brandschutznachwuchs erprobt sich

„Krokodil im Rückhaltebecken“

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Sogar Atemschutz kam zum Einsatz - wenn auch nur in Form einer mit viel Liebe gebastelten Attrappe.

Eppertshausen - „Ein Krokodil ist im Regenrückhaltebecken!“ Dieser außergewöhnliche Notruf ging am Samstag bei der Feuerwehr ein. Unvorsichtige Exotenfreunde gibt es scheinbar auch in Eppertshausen. Von Michael Just

Am Becken dann die Überraschung: Das etwa ein Meter lange Reptil ist aus Stoff, die angerückten Feuerwehrmänner ziemlich kurze Kerle.

Am Werk war die Jugendwehr beim Ableisten ihres Berufsfeuerwehrtages. Einen solchen Tag kann jede Feuerwehr in Deutschland selbst für ihren Nachwuchs organisieren. In einem Zeitraum von 24 Stunden sollen die Teilnehmer erleben, wie es sein kann, bei der Berufsfeuerwehr zu sein.

„Wir haben Wachbereitschaft, dazu werden 15 verschiedene Einsätze gefahren“, erzählt Marius Murmann, stellvertretender Jugendfeuerwehrwart der Gemeinde. Er hatte den Tag geplant, der die Kenntnisse vertiefen, das Sozialverhalten fördern und jede Menge Spaß bringen soll. Murmann konnte sich auf die Hilfe von einem Dutzend Kollegen verlassen, darunter viele aus der Einsatzabteilung.

Gausaustritt, auslaufender Diesel, Küchenbrand

Am Samstag um 12 Uhr ging’s los. Der erste Einsatz, ein Gasaustritt, ließ nicht lange auf sich warten. Als weitere Szenarien folgten unter anderem eine eingeklemmte Person, ein umzustürzen drohender Baum, verlorene Ladung, auslaufender Diesel, oder ein Küchen-, Garagen- und Containerbrand.

Sowohl am Samstag als auch am Sonntag gab es jeweils eine Hauptübung, die gemeinsam mit der Jugendwehr Urberach absolviert wurden. Mit den Kollegen wurde zudem zu Abend gegessen. Die Gulaschkanone füllte Udo Murmann, ein eifriger Helfer im Vergnügungsausschuss der Eppertshäuser Wehr. Die Hauptübungen bestanden aus einer brennenden Lagerhalle sowie einem Feuer in Gallus-Kindergarten in Urberach. Dabei schauspielerten sogar geschminkte Statisten von der Johanniter-Jugend Nieder-Roden die Opfer. Die Lagerhalle wurde eingenebelt, auf dem Feld dahinter sogar ein echtes Feuer entzündet.

Henne im Korb

Übernachtet wurde auf Feldbetten im Feuerwehrhaus, worauf sich viele Kinder besonders freuten. Bevor es dazu kam, wurde nach dem Essen noch ein Film geschaut und kurz vor Mitternacht eine vermisste Person im Wald gesucht. Danach ging es ziemlich ermattet in die Kojen.

Von den beteiligten Kindern können sich die meisten vorstellen, später einmal Berufsfeuerwehrmann zu werden. „Ich habe Spaß am Helfen“, sagt Julius (11). „Das ist kein Traumberuf, aber ein guter Beruf“, meint Tom (12), der sich auch für die Polizei interessiert. Nicht ganz sicher sind sich Hendrik (11) und Celin (11), das einzige Mädchen am Wochenende. Hendrik will mit Freuden später ein Restaurant aufzumachen, Celin erst einmal abwarten.

Den Berufsfeuerwehrtag gab es in Eppertshausen nach 2009 und 2011 zum dritten Mal. Die Betreuer taten alles, um Kurzweil zu garantieren. Drei Monate Planung und reichlich Auf- und Abbau wurden investiert. Welche Passion dabei vorlag, zeigte der Atemschutz: Da richtiges Atemschutzgerät viel zu schwer und komplex ist, bastelten die Betreuer Attrappen mit Taucherbrille, einer Mundvorrichtung sowie einem Plastikschlauch, der zu einer Styroporflasche auf dem Rücken führte.

Feuerwehr und Co. üben Ernstfall

Rauch, Feuer und Opfer: Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes hatten im Altbau der Schumann-Schule in Babenhausen jede Menge zu tun. Wir waren bei der Übung mit der Kamera dabei.

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Auch eine elektronische Anzeigetafel wurde gebaut: sie zeigte an, welche Autos rausfahren. Zuvor wurden die Kinder auf die einzelnen Auto verteilt. Bei Alarmierung mussten sie sich so schnell wie möglich umziehen.

Das Krokodil fingen die jungen Retter übrigens mit einem Netz. Vorfälle mit exotischen Tieren sind nicht so selten: Vor wenigen Wochen war im Ort ein Streifenhörnchen aus seinem Käfig ausgebüchst und durch die Revisionsklappe unter der Badewanne geschlüpft. Hier konnte die Feuerwehr aber wenig tun. „Sie müssen warten, bis es wieder rauskommt“, sagte die Wehr nach Sondierung der Lage dem Besitzer. Das dauerte seine Zeit, da das Tier sich erst vollgefressen hatte.

Quelle: op-online.de

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