Volksbank-Azubi mit Messer bedroht

Spielsüchtiger beraubt Bank

Eppertshausen/Darmstadt - Ähnlich wie Drogenabhängigkeit ist die medizinisch anerkannte, aber weniger geläufige Spielsucht immer wieder Antriebsmotor zur Beschaffungskriminalität. Seit gestern muss sich deswegen der 24-jährige Stefan V. vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Der Angeklagte hatte am 10. August 2012 die Volksbank-Filiale in der Eppertshausener Bahnhofstraße überfallen und 35 950 Euro erbeutet (wir berichteten).

Mit Kapuzenpulli und Schal vor dem Gesicht sucht er den Weg zu den Beratungsplätzen, hält dem seit einer Woche beschäftigten Auszubildenden J. R. ein Messer an den Hals und droht: „Ich will dich nicht verletzen, ich will nur Geld haben!“ Andere Bankmitarbeiter händigen ihm einen Haufen „Security Packs“ aus, die er in seine Kängurutaschen stopft. Danach flüchtet der Räuber. Ab einer gewissen Entfernung zur Bank platzen die Farbpatronen dieser Packs automatisch, Stefan V. schafft es aber zu Hause, einen Teil davon sauber zu waschen.

Der Geldsegen ist allerdings nur von kurzer Dauer. Bereits zwei Tage später kann die Polizei den arbeitslosen Münsterer an seinem Wohnort festnehmen. Ausschlaggebend für den schnellen Fahndungserfolg ist das Fluchtfahrzeug, das der Angeklagte weniger klug in Tatortnähe geparkt hat und dessen Kennzeichen von Zeugen notiert wird. Es führt die Beamten zunächst zu Stefans gleichaltrigem Freund D. R., der ihm das Auto laut eigener Aussage für ein angebliches Vorstellungsgespräch geliehen hatte und die Ermittler auf diesen Umstand hinweist.

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Das der Freund einen Banküberfall plante, hatte dieser zwar im Vorfeld angekündigt. Doch niemand hatte ihn ernst genommen. „Ich hab noch zum Spaß gesagt: Nimm lieber ein Auto anstatt das Fahrrad!“ so D. R.. Stefan V. ist sofort voll umfänglich geständig, beschuldigt jedoch den Freund sehr massiv der Beihilfe: „Er hat mir einen Haufen Tipps gegeben, wie ich mich kleiden, wo ich parken soll und so weiter. Für den Autoverleih und seine Hilfe sollte ich ihm zehn Prozent der Beute ins Handschuhfach legen.“

Ein Ermittlungsverfahren gegen D. R. wurde inzwischen mangels Beweisen wieder eingestellt. D. R. im Zeugenstand: „Ich kann mir seine Anschuldigungen nur so erklären, dass er sich von mir bei der Polizei verpfiffen fühlte. Ich hätte ja auch sagen können, mein Auto sei gestohlen worden.“

Seit der gelernte Industriemechaniker von seinem Ausbildungsbetrieb 2010 nicht übernommen wurde, übernahm die Spielsucht mehr und mehr Herrschaft über sein Leben. Trotz eines im Elternhaus angelegten dicken Geldpolsters, von dem er jahrelang ohne Arbeit hätte großzügig leben können, war er nach zwei Jahren pleite, konnte weder Miete, Krankenversicherung oder Strom bezahlen. Seinen geliebten getunten Opel Astra musste er in einem Pfandhaus zwischen parken, die Lage war trotz wiederholter Unterstützung von Freunden und Familie aussichtslos. Hatte er etwas Geld in der Hand, führte ihn sein erster Weg in die Spielothek, oft hatte er noch nicht einmal etwas Essbares im Haus.

Das Urteil wird am 11. Februar erwartet.

Quelle: op-online.de

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