Landrat schnürt Tornister

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Die Schulwegbegehung überquert die Brücke nach Münster (von links): Helga Longen von der Elterninitiative, Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt, Bürgermeister Carsten Helfmann, Pfarrer Harald Christian Röper, Landrat Schellhaas und rechts vorn Sabine Schaub.

Eppertshausen ‐ Aus Engagement resultiert Erfolg: Diese Erfahrung konnte die Elterninitiative Mobi-Tick in Eppertshausen gestern machen. Von Jasmin Frank

Denn ihrer Einladung zur Schulwegbegehung am frühen Morgen entsprachen nicht nur unzählige Eltern und Kinder, sondern auch die Eppertshäuser Pfarrer Harald Christian Röper und Johannes Opfermann, Bürgermeister Carsten Helfmann, Aue-Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt und Schulelternbeiratsvorsitzende Sabine Schaub. Wichtig war für dieses Treffen aber vor allem ein Mann: Landrat Klaus-Peter Schellhaas. Er hatte es sich doch nicht nehmen lassen, diesen bürgernahen Termin persönlich wahrzunehmen: „Ich finde es super, dass die hiesigen Eltern sich so engagieren. Da ist es von unserer Seite her wichtig zu zeigen, dass wir auf die besondere Situation der Schüler in Eppertshausen eingehen wollen.“ Obwohl er seinen Vorschlag zur Lösung des Problems rund um das Mobi-Tick (wir berichteten) bereits bei der Begrüßung unterbreitete, absolvierte er den kompletten Weg mit voll gepacktem Schulrucksack gemeinsam mit den Eltern und Kindern.

„Für mich als leidenschaftlichen Wanderer ist diese Strecke und das Gewicht auf dem Rücken natürlich kein Problem. Aber ich kann mich gut in die Kinder hineinversetzen, schließlich hatte meine Tochter auch immer einen voll gepackten Schulranzen zu tragen“, so der Landrat. Sein Kompromiss sieht vor, für die Kinder, die kein Moby-Tick mehr bekommen können, über die Wintermonate hinweg die Kosten für die Schulwegbeförderung zu übernehmen. „Wir wollen keine Zweiklassengesellschaft in Eppertshausen. Doch wegen der knappen Kassen ist eben einfach nicht mehr zu machen. Wir werden uns an der Zeitumstellung orientieren, so dass von Ende Oktober bis etwa Mitte März kein Kind mehr den Feldweg nach Münster zu Fuß zurücklegen muss“, so Schellhaas.

Eine Einschränkung zum Vorschlag wurde am Nachmittag in die Redaktion nachgeliefert: Die Grundidee stehe zwar, müsse aber noch für den Kreisausschuss ausformuliert und nachgebessert werden. Eigentlich sollten gestern im Kreisausschuss Nägel mit Beförderungsköpfen gemacht werden. Doch Schellhaas zog den Tagesordnungspunkt zurück. Erst zur kommenden Sitzung wird darüber beratschlagt.

Mit des Landrats Vorschlag könnten sich wohl die meisten der Anwesenden zufrieden geben. „Ich finde es gut so, denn viele Jugendliche, die ich kenne, fahren mit ihrem Ticket sowieso nur zur Schule und nicht weiter weg“, meinte Lena aus der siebten Klasse. Auch Sabine Behling-Schmidt fand, dass es wichtig sei, auf die Ängste der Eltern um ihre Kinder einzugehen und freute sich über das große Engagement der Eppertshäuser.

Dem stimmte auch Bürgermeister Carsten Helfmann zu: „Auch wenn so die Frage der Gerechtigkeit nicht umfassend gelöst werden kann, tut der Landkreis doch damit mehr, als er vom Gesetz her verpflichtet ist. Für mich als Feuerwehrmann steht ohnehin die Sicherheit der Kinder im Vordergrund und diese ist ja nun gewährleistet.“ Denn wie die Eltern herausgefunden hatten, kam es auf dem Feldweg schon zu mehreren Übergriffen, von sexuellen Belästigungen bis hin zu einem Überfall auf einen Jungen. „Wir können somit auf jeden Fall zufrieden sein. Natürlich müssen wir uns jetzt erst einmal zusammensetzen und den Vorschlag des Landrats genau überdenken. Wichtig ist uns aber, dass ein Schritt auf uns zu gemacht wurde und wir etwas für unsere Kinder erreicht haben“, meinte Schulelternbeiratsvorsitzende Sabine Schaub.

Und während die morgendlichen Wanderer noch das Für und Wider der Situation abwogen, näherte sich der lange Zug, der sich durch die Felder geschlängelt hatte, schon der Schule, wo Landrat Klaus-Peter Schellhaas den Eltern noch für Fragen zur Verfügung stand.

Hierzu auch „Angemerkt“

Quelle: op-online.de

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