Lebenshilfe für Bienen

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Die große Bestäuberin am überlebenswichtigen Werk: Heimische Naturschützer sorgen sich um die Biene.

Eppertshausen - Die summenden Winzlinge haben eine große Aufgabe: Wild- und Honigbienen sichern mit ihrer Bestäubungsarbeit das Überleben von 80 Prozent unserer heimischen Nutz- und Wildpflanzen. Von Ursula Friedrich

Etwa ein Drittel unserer Lebensmittel hängen unmittelbar von der Leistung des emsigen Insekts ab. So war es nicht verwunderlich, dass sich bei der Fachtagung des Odenwaldclubs im Haus der Vereine in Eppertshausen Naturschutzwarte neben Obstbauern Platz nahmen.

Rund 100 Gäste waren gekommen, um mehr über Wild- und Honigbienen zu erfahren. Und mit geeigneten Maßnahmen das Überleben der Bienen zu sichern. „Unsere Bienen sind vom Aussterben bedroht“, erklärte Manfred Hechler, Hauptnaturschutzwart des Odenwaldklubs (OWK), wegen alarmierender Nachrichten globalen Massensterbens wurde die Biene von den Naturschützern zum Thema des Jahres gewählt.

Welche Bedürfnisse haben Bienen?

„Als der Arbeitskreis Naturschutz des Odenwaldklubs 2005 seinen Ortsgruppen den Bau von Nisthilfen für Wildbienen vorgeschlagen hatte, erwartete er, dass die Mitglieder neue Ideen im praktischen Naturschutz entwickeln. Innerhalb von zwei Jahren kamen Rückmeldungen von über 30 Gruppen, die ein Insektenhotel gebaut hatten“, so Hechler, „Grund für den Arbeitskreis Naturschutz sich mit den Wildbienen intensiver zu beschäftigen.“

Auch in Eppertshausen wurde eine Insektenwand hergestellt, die derzeit jedoch nicht sehr glücklich auf dem Schulhof der Mira-Lobe-Schule platziert ist, und daher umziehen soll, um für Insekten attraktiver zu werden.

Welche Bedürfnisse haben Bienen? Wie leben sie? Welche Bedrohung lauert im Rhein-Main Gebiet? Zwei Referenten, der Biologe Stefan Tischendorf sowie der Lehrbeauftragte des Landesverbands Hessischer Imker, Tobias Stever, gaben Auskunft. 560 Wildbienenarten sind in Deutschland bekannt, dazu zählen 30 Hummelarten. In Hessen sind aktuell 380 Arten nachgewiesen – ein Rückgang um gut 50 Arten allein in den letzten beiden Jahrzehnten.

„Seit 1960 sind vier Hummelarten ausgestorben und fünf weitere stark bedroht“, sagte Stefan Tischendorf. „Ich habe Angst, dass unsere Obstbäume, Kirschen, Äpfel und Birnen nicht mehr bestäubt werden“, sagte eine Teilnehmerin der Fachtagung.

„In Hessen ist die Situation nicht ganz so kritisch“

Das weltweite Aussterben der Honigbiene (eine Ausname bildet Australien) geht rasant von statten. Der Einsatz von Pestiziden, industrialisierte Landwirtschaft mit riesigen Monokulturflächen, Schädlinge (Pilze, Milben) und das Züchten genveränderter Pflanzen, kurzum der Ertrag unserer modernen Zivilisation, hat zu einem Massensterben geführt – in manchen Regionen um bis zu 85 Prozent.

Dieser Umstand treibt mancherorts widernatürliche Blüten. So werden in China Obstbäume per Menschenhand mit dem Pinsel bestäubt. In den USA ist Honigbienenzucht ein florierendes Geschäft. Wegen fehlender Lebensbedingungen transportieren mobile Imker per Lastkraftwagen ihre Völker von Monokultur zu Monokultur.

Die am stärksten bedrohten Arten in der Tierwelt

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

„In Hessen ist die Situation nicht ganz so kritisch“, sagte Tobias Stever. Grund sei die kleingliedrige Landwirtschaft. „Je industrieller die Landwirtschaft, desto größer die Gefahr für Bienen“, meinte der Experte. „Eine Honigbiene hat einen Flugradius von drei Kilometern“, erklärte Stever, „wenn kilometerweite Maisfelder für Biogasanlagen angebaut werden, hat die Biene keine Chance.“

Zur Fachtagung gehörte daher ein praxisbezogener Exkurs, wie Hilfe zum Überleben für die Insekten geleistet werden kann.

Veranstaltungen und Aktionen finden sich auf den Webseiten von Naturschützern und Imkervereinen – neun an der Zahl sind im Kreis unter dem Dach des Kreisimkervereins organisiert.

Kontakt:

Odenwaldclub

Imkerverein Groß-Umstadt

Imkerverein Frankenstein

Quelle: op-online.de

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