Leerstand bereitet Sorgenfalten

+
Zwei Geschäfte unter einem Dach: Claudia Keil und Rüdiger Rettig haben ihre Läden am Franz-Gruber-Platz. Allen Gerüchten zum Trotz: Sie schließen nicht und wollen auch weiter im Ortszentrum ansässig bleiben.

Eppertshausen ‐ Der Schlecker-Markt verlässt den Franz-Gruber-Platz, kürzlich zog es auch „EDV Systeme“ aus dem Geschäft zurück ins Büro in den eigenen vier Wände. Leerstand macht sich breit und damit die Sorge um die Zukunft der Ortsmitte. Von Christina Schäfer

Gegen Gerüchten müssen Claudia Keil und Rüdiger Rettig ankämpfen. Zwei Geschäfte in einem führen die beiden Selbstständigen: Post, Zeitschriften, Schreibwaren, Geschenkartikel, Glückwunschkarten, Lotto, Tabak, Bäckerei, Wurst und Käse. Seitdem bekannt ist, dass der Schlecker aus der Nachbarschaft seine Pforten dicht macht, bleiben auch bei Keil und Rettig die Kunden aus. „Ich werde öfters mal gefragt, ob es denn schon Prozente gibt, weil ich doch zumachen würde“, erzählt Claudia Keil traurig. Und auch Mieter Rüdiger Rettig berichtet Ähnliches. Auch hält sich das Gerücht tapfer, dass Keil zum 1. März den Laden wechseln würde. „Ich bleibe am Franz-Gruber-Platz und habe nicht vor mit meinem Laden umzuziehen“, sagt Claudia Keil mit Nachdruck.

„Ich hoffe sehr, dass ins Geschäft vom Schlecker wieder was reinkommt und nicht so lange leer steht.“ Kurzwaren oder ein Textilgeschäft würde sich die Geschäftsfrau wünschen. Schließlich hätten alle Geschäfte am ständigen Wechsel und Leerstand zu knabbern, so Keil und Rettig.

Unterstützung gibt es auch aus dem Rathaus: „Wir haben dem Eigentümer schon verschiedene Optionen im Lebensmittelbereich genannt“, erklärt Bürgermeister Carsten Helfmann. Sicher sei der Gemeinde Eppertshausen daran gelegen, den Franz-Gruber-Platz nicht aussterben zu lassen und die Geschäfte im Ortskern zu halten. Auch wenn sich der Rathauschef bewusst ist, dass das nicht so einfach ist: „Jeder möchte im Ortskern ein Lebensmittelgeschäft haben, aber die können langfristig nicht überleben, wenn dort immer nur der Einkauf für zehn bis 15 Euro getätigt wird.“

Wenn sich die Geschäfte in zentraler Lage rund ums Rathaus halten sollen, dann gibt es nur ein Rezept: Die Ortsansässigen müssen dort einkaufen gehen, auch wenn Discounter im Park 45 locken. Nachteil: Wer kein Auto hat und zudem nicht gut zu Fuß ist, hat das Nachsehen. „Wir bestehen doch nicht nur aus jungen Leuten. Die Versorgung ist nur am anderen Ende vom Ort“, argumentiert Claudia Keil.

Allerdings sei es eben einfach der „Gang der Zeit, dass die Geschäfte auf die grüne Wiese ziehen“, weiß Helfmann. So würde der Park 45 ausreichend Parkplätze bieten und ein breites Sortiment an Produkten auf größeren Verkaufsflächen. Das wird zum Problem der Geschäfte in der Ortsmitte. „Wir werden trotzdem versuchen, als Vermittler zwischen Filialisten, Einzelhändlern und Vermieter tätig zu sein“, kündigt der Verwaltungschef seine Unterstützung an. Das Angebot am Franz-Gruber-Platz sei mit Unternehmen wie Post, Blumengeschäft, Friseuren, Reisebüro, Gaststätten, Weltladen, Versicherungsbüro oder dem Ambulanten Pflegedienst schon groß.

Noch gibt es keinen Nachmieter für den wegziehenden Schlecker-Markt am Platz. Bisher habe man nur „lose Gespräche“ geführt, heißt es auf Anfrage beim Vermieter des Geschäfts.

Quelle: op-online.de

Kommentare