Lied an Liebe seines Lebens

Ciro Visone bewältigt Corona-Frust in Eppertshausen mit Fastnachts-Blues

Mit Brunnebutzer-Mundschutz präsentiert Ciro Visone sein Fastnachts-Liebeslied im Corona-Jahr.
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Mit Brunnebutzer-Mundschutz präsentiert Ciro Visone sein Fastnachts-Liebeslied im Corona-Jahr.

Wie bewältigt ein Vollblutfastnachter wie Ciro Visone, Eppertshausens weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannter „Singender Pizzabäcker“ die stimmungsdrückende Corona-Pandemie? Er sucht für sich und seine Fans Trost in einem Lied.

Eppertshausen – Nun ist es heraus: „Fasse-nacht – Liebe meines Lebens“ heißt das Gemeinschaftswerk des 59-Jährigen Spaßmachers, der sich der Mitarbeit zweier Seelenverwandter versicherte: Burkhard Becker aus Dieburg komponierte die Schunkelmelodie, das Gereimte nach seinen Vorstellungen steuerte Texterin, Sängerin und Sitzungspräsidentin der „Dragoner“ aus Mainz, Kerstin Beickler, bei. Ab sofort steht der Faschingshit in abgesagter Narreteienzeit per Download im Netz parat und ab heute will Visone ihn auch auf CD unter die Leute bringen.

Die Idee kam dem Neapolitaner „schon gleich zu Beginn des Lockdowns“, berichtet Visone, also im März zu einem Zeitpunkt, zu dem noch überhaupt nicht fest stand, wie sehr sich die Pandemie als Spaßbremse auswirken wird. Dunkle Vorahnungen umtrieben ihn, „ich wurde richtig melancholisch“, sagt er heute. Und in dem Moment wusste er, wie er Gleichgestimmten Mut machen könnte: „Ich wollte allen zeigen, was mich stets im Leben wieder aufrichtete, wenn ich mal niedergedrückt war.“

Der auch als Comedian allein und mit Harry Borgner durch die Lande ziehende Eppertshäuser erinnerte sich schnell an den Dieburger Burkhard Becker, der ihm bereits einmal zu einem Hit verholfen hatte mit „Ich trag die Pizza“. Ende März rief er ihn an, ob er ihm nicht eine Melodie zum Mitschunkeln – „so in etwa wie ,Griechischer Wein’“ – komponieren könne. „Es sollte etwas sein, worin schon mitschwingt, wie ich zur Fastnacht stehe“, erklärte ihm der Betrübte. Und wie der Äla-Experte dies konnte.

Kaum hatte Visone die Melodie, ging er mit ihr zu Kerstin Beickler, „einer Dreifach-Vollblutfastnachterin“. Ihr gab er nicht nur die Noten, sondern auch gleich seinen gar nicht immer so närrischen Lebenslauf mit an die Hand, sollte der sich im Gesamtwerk doch niederschlagen.

Nur zwei Tage später hatte sich die Dragonerin ihren Reim darauf gemacht, und Ciro Visone war glücklich: „Genau das ist es. Genau das, was ich mir kaum zu erhoffen gewagt hatte.“ Und so war auch mit Jürgen Baumgart in Mainz der Produzent gefunden. Doch bis zum abgemischten Gesamtwerk sollte es in von Pandemie geplagter Zeit noch dauern. „Sein Studio war gerade im Umbau. Alles sollte ja wegen Corona sicher gemacht werden. Der Chor für den Refrain, ich als Sänger, die Musiker – alles musste jeweils einzeln aufgenommen werden. Das war viel Arbeit und Aufwand“, erinnert sich der Pizzamann, der im realen Leben als Zerspanungsmechaniker in Gräfenhausen seine Brötchen verdient – derzeit in Kurzarbeit.

Visone konnte es kaum abwarten, stand doch der Termin zur Premiere seines Fastnachtsschlagers mit Coronahintergrund mittlerweile fest: Am Samstag, 19. September, zum internen Comedy-Abend der Brunnebutzer Mainz-Marienborn, dessen Mitglied der Eppertshäuser seit Jahren ist, sollte Uraufführung sein. Vor einer Messehalle im Freien trug Visone seine „Fassenacht – Liebe meines Lebens“ vor. „Und etliche unter den vielen Zuhörern haben geweint, die meisten hatten Tränen in den Augen“, berichtet der Sänger des etwas anderen Fastnachtsschlagers.

Der Italiener sang von seiner Ankunft im fremden Land, in dem niemand er hat gekannt. Alles neu, was er so sah, keine Freunde waren mehr da. Doch Trübsal blasen, das wäre nicht Visone mit Visionen: „Doch dann kam die Fassenacht, wo alles singt und alles lacht. Ich war plötzlich mittendrin, mein neues Leben machte Sinn“, heißt es im Lied. Klar, dass es mitten in die Herzen der mitschunkelnden Narrenschar traf. Und vor allem der Refrain setzt noch einen drauf: „Denn was hat die Fassenacht Schönes mit mir gemacht. Wir steh´n zusammen in Freud und auch in Leid. Ja ohne die Fassenacht hätt´s für mich keinen Sinn gemacht.“ Ins „Viva Gott Jokus, ich danke Dir“ stimmten schnell alle ein.

Dieser Erfolg ist Balsam auf die virusgeschundene Fastnachtsseele Visones, dem in diesem Jahr rund 40 bis 50 Bühnenauftritte wegbrachen und -brechen. Schlimmer noch: Ein Onkel starb in Italien am Virus. „Wenn das alles mal herum ist mit dem Covid 19, dann gebe ich ein Benefizkonzert“, kündigt Visone an.

Bis dahin gibt es sein Lied bei Spotify und Amazon zum Herunterladen und via Facebook oder per E-Mail ciro.visone@t-online.de beim Singenden Pizzabäcker direkt. (Von Thomas Meier)

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