Malen ohne zu denken

+
Die eigenen vier Wände als kleine Kunstgalerie: Das Eppertshäuser „Urgestein“ Carlo Blickhan präsentiert hier eines seiner vielen Gemälde, die überall in der Wohnung zu begutachten sind.

Eppertshausen - Wenn man das Haus des kreativen Eppertshäusers betritt, wird sofort klar: Hier ist ein Platz für die Kunst. In allen Zimmern hat Carlo Blickhan seine Bilder hängen, sogar im Bügelraum sind Gemälde platziert. Von Jasmin Frank

Das hängt sicher auch mit der Devise des rüstigen 76-Jährigen zusammen: „Machen, einfach machen!“

Und das tut er auch, schon im Kindesalter malte er unheimlich gerne. „Während andere Jungs, wenn ihnen im Unterricht langweilig war, heimlich unter der Bank Karl May lasen, zeichnete ich, vor allem die Lehrer.“ Und auch die Pädagogen selbst fanden Zeichnen damals ebenso wichtig wie rechnen oder lesen, schließlich musste man in den 50-er Jahren einen Schrank noch beim Schreiner bestellen und da war es am besten, seine Wunschanfertigung einfach vorzeichnen zu können.

Sein ganzes Leben lang hat der engagierte Eppertshäuser also gemalt und nun ist in seinem Haus kaum noch Platz für die vielen Kunstwerke, zum Teil lagert er sie deshalb auf dem Speicher oder unter Tischen. Bei der Arbeit nutzt er die verschiedensten Techniken, von Kohle über Sepia bis hin zu Öl und Aquarellen. Zudem fertigt er auch Skulpturen an, aus Speckstein, Alabaster oder er schnitzt sie aus Holz.

Ebenso reichhaltig ist seine stilistische Bandbreite: Die frühen Werke sind eher realistisch, häufig finden sich Landschaften oder Gebäude darunter. „Aber heute bezeichne ich mich als spätexpressionistisch, oder anders gesagt, meine Gemälde bewegen sich im Bereich des expressionistischen Realismus.“

Trotz seiner außergewöhnlichen Begabung, zu der noch weitere hinzu kommen, beispielsweise das Klavierspiel, bleibt Carlo Blickhan ganz bescheiden. „Ich male einfach ohne zu denken, das geht von ganz alleine. Ein Aquarell gebe ich dann in ein Passepartout, dann wirkt es besser und schon ist es fertig.“

Die zweite Leidenschaft ist der Dialekt

So kurz und knapp berichtet er auch von seiner zweiten Leidenschaft, dem Eppertshäuser Dialekt. Die Mundart sei vom Aussterben bedroht und werde kaum noch in seiner reinen Form gesprochen. Diese Erkenntnis kam ihm gemeinsam mit seinem Bruder, Claus Bernhard Blickhan, und so brachten sie, unterstützt von ihrem Freund und Wanderkollegen aus dem örtlichen Odenwaldklub, Norbert Anton, ein „Kleines Eppertshäuser Wörterbuch“ heraus, das nun schon in seiner zweiten Auflage erschienen ist.

Darin kann man Begriffe wie Embern = Himbeeren, Beemsche = Bäumchen oder Moore = Mode finden. Ein echter, nur in dieser Gemeinde vorkommender Ausdruck ist der Ebbeshaiser Watz, wobei mit Watz an sich ein Eber gemeint ist, der hier aber im übertragenen Sinn genutzt wird.

Den Hang zum Schreiben, um Erinnerungen zu bewahren, hat er von seiner Mutter Maria Blickhan in die Wiege gelegt bekommen. Denn neben zahlreichen Skizzenbüchern, die unter anderem von Carlo Blickhan in seinem favorisierten Reiseziel Afrika angefertigt wurden, lagern auch Fotos und Aufzeichnungen der mittlerweile verstorbenen Geschäftsfrau.

Nach dem Tod ihres Mannes Carl Peter im Jahr 1983 begann sie Begebenheiten aus ihrem Leben zu dokumentieren, unter anderem beschreibt sie detailliert den Alltag und die veränderten Lebensbedingungen in der kleinen Ortschaft während des Nationalsozialismus. Zudem waren Mutter und Sohn in den Jahren 1946 bis 1949 für das Dichten der pfiffigen Kerbsprüche zuständig, eine Tradition, die neuerdings im Ort wieder aufgenommen wurde.

So bleibt Carlo Blickhan aufgrund seines dokumentarischen Fundus und seiner Gemälde Ansprechpartner, wenn es um Ausstellungen vor Ort oder Fragen zur Geschichte Eppertshausens geht.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare