Mehr Homöopathie und Farbe im Fenster

Eppertshausen - Die Valentin-Apotheke ist an diesem 1. April brechend voll. Das liegt zum einen an den Schnittchen, zum anderen daran, dass zahlreiche Kunden der neuen Apotheken-Filialleiterin Annekathrein Greve ihre Glückwünsche aussprechen wollen Von Kathrin Rosendorff

„Wir freuen uns, dass Sie hier sind“,sagt eine Dame, eine andere diskutiert darüber, ob es denn von einem Radiosender nicht ein überzogener Aprilscherz sei, dass Kanzlerin Merkel ein Kind erwartete.

Die brünette Filialleiterin eilt umher, tauscht Rezepte gegen Tabletten, verliert aber dabei nie ihr Lächeln. Als sie sich um 12.30 Uhr im Büro im hinteren Teil des Hauses zur Mittagspause auf der Couch niederlässt, ist die 44-Jährige schon etwas blass. „Ich hatte noch keinen Schluck Kaffee, ich frag mich, wo die alle herkommen“,sagt Greve und lacht. Neben ihr sitzt Marcus Arndt, der neue Pächter der Valentin-Apotheke und Greves Schwager. In Groß-Bieberau hat der 41-Jährige seine Hauptapotheke, die Odenwald-Apotheke. „Die Valentin-Apotheke ist meine erste Filiale“, sagt Arndt. „Ich bin froh, dass meine Schwägerin die Leiterin ist, ihr kann ich zu 100 Prozent vertrauen“,betont er und blickt zu ihr rüber und lächelt. Die beiden kennen sich vom gemeinsamen Pharmaziestudium in Frankfurt. Geheiratet hat er eine Schwester von Greve. „Meine Studienkollegin und Schwägerin hat mir meine Frau vorgestellt.“

Etwas wehmütig nippt Inge Ende-Seidel, die Besitzerin und bisherige Betreiberin der Valentin-Apotheke, an ihrem Glas Sekt. Am Dienstag war ihr letzter Arbeitstag. „19 Jahre lang habe ich hier gearbeitet, neun Jahre als Angestellte, zehn als Selbstständige“,erzählt sie. „Da kriegt man schon einige Familiengeschichten mit. Ich werde den Kontakt zu meinen Kunden schon sehr vermissen“,sagt Ende-Seidel.

Sie selbst habe nie in Eppertshausen gelebt, sondern in Rödermark, um den Abstand zwischen Beruf und Privatem zu schaffen. Dann zeigt sie auf ein Foto an der Wand. Darauf zu sehen ist eine Dame mit weißem Haar und fröhlichem Lächeln, die auf einer Parkbank sitzt. „Das ist Else Schäfer. Sie hat die Valentin-Apotheke im Jahr 1963 gegründet. Mit 60 ist sie in Rente gegangen“, erzählt Ende-Seidel. Sie selbst sei gerade 60 geworden und fühle sich dem Druck der Konkurrenz im Umkreis, von Pick-Up- Apotheken und Internetapotheken nicht mehr gewachsen.

Von all den Bewerbern hatte Ende-Seidel sich mit Marcus Arndt am besten verstanden. Die beiden haben erstmal einen Pachtvertrag über zehn Jahre abgeschlossen. Aber das tägliche „Gesicht“ der Apotheke wird seine Schwägerin Annekathrein Greve sein, die eigens jeden Tag von der Frankfurter Galluswarte mit dem Auto anreist. „Hier darf ich zeigen, was ich kann“, sagt die sympathische Frankfurterin.

Bekannt ist sie vielen Eppertshäusern schon länger, bereits seit November hat sie sich in der Friedhofstraße eingearbeitet. Das eine oder andere will sie in der Apotheke verändern: Mehr homöopathische Mittel sollen in den Regalen stehen, sagt sie. „Auch das Schaufenster will ich eher farbenfroh dekorieren, aber ich hatte noch keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Zu Ostern gibt es auf jeden Fall die erste nette Deko“,verspricht sie.

Vor ihrem Engagement in Südhessen hat Annekathrein Greve in einer Frankfurter Apotheke gearbeitet. „Ich bin wirklich froh, dass ich hier bin. Ich mag die Eppertshäuser sehr, sie sind alle sehr lieb und viel offener und ehrlicher als die anonymen Großstadt-Menschen.“ Heute hat sie auch gleich der Notdienst erwischt. „Als ich das heute morgen erfuhr, dachte ich erst, es sei ein Aprilscherz.“ Da klingelt auch schon das Telefon.

Quelle: op-online.de

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