Mehrzweckhalle für einen Euro

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Noch befindet sich die neue Eppertshäuser Mehrzweckhalle im Rohbauzustand. Wenn sie fertig ist, soll sie laut Doppik die werthaltigste Immobilie der Gemeinde werden. Die alte Mehrzweckhalle ist nur noch einen symbolischen Euro wert.

Eppertshausen ‐ Einen Euro Wert hat sie noch, die gute alte Mehrzweckhalle, die so vielen Einwohnern ans Herz gewachsen ist. Doch dieser Betrag ist nur symbolisch zu verstehen, denn das Gebäude musste in der Eröffnungsbilanz, die zum Stichtag 1.1.2008 erstellt wurde, verbucht werden, obgleich klar war, dass sie ihrer vielen Mängel wegen abgerissen werden muss. Von Jasmin Frank

Dieses Prozedere ist sicher ein Vorteil davon, dass die Bilanz rückwirkend erstellt wurde, so dass aus der Perspektive von 2008 sozusagen in die Zukunft gesehen werden konnte. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstagabend ging es jedoch weniger um die Vorstellung des wichtigen Novums „Eröffnungsbilanz“, da diese den Mitgliedern des Ausschusses schon bekannt war (wir berichteten) und sie auch in der öffentlichen Gemeindevertretersitzung am kommenden Mittwoch, 2. Februar, noch einmal detailliert erörtert werden wird.

Vielmehr waren gleich vier Prüfer des Revisionsamtes des Landkreises Darmstadt-Dieburg geladen, dessen Leiter Thomas Fiedler die Vorgehensweise seines Teams erläuterte.

Eröffnungsbilanz wurde ordnungsgemäß verfasst

Schon vorweg konnte er klarstellen, dass die Eröffnungsbilanz von der Eppertshäuser Gemeinde ordnungsgemäß verfasst worden war und dass keine Einwendungen durch die Prüfung entstanden seien. In Augenschein genommen worden war unter anderem, ob alle notwendigen Posten eingebracht worden waren und zwar ihrem tatsächlichen Wert entsprechend, zudem wurde die Zuordnung zu den Rechnungslegungsperioden überprüft.

Für Laien gut verständlich erläuterte Fachmann Fiedler anhand lebensnaher Beispiele, um was es sich bei einem solchen Dokument überhaupt handele: „Eine Eröffnungsbilanz ist eine nach den maßgeblichen Vorschriften vorgenommene Stichtagsbetrachtung des Vermögens und der Schulden, was in einem Privathaushalt bedeuten würde, dass ein Zeitungsabonnement, dass im Oktober 2008 für zwölf Monate bezahlt wurde, auch im Jahr 2009 berücksichtigt werden müsste, nämlich als Forderungen dem entsprechenden Verlag gegenüber.“

Jahresabschlüsse bald in die Doppik überführt

Letztlich führe die Bilanz damit nicht direkt zu einem finanziellen Nutzen, sondern zunächst einmal schlicht zu einem Informations- und Erkenntnisgewinn. Dieser habe aber auf Dauer spürbare Vorteile für die Gemeinde, da sie nun alle Posten durch die so genannte Doppik deutlicher und besser gegliedert vorliegen habe. Dadurch könne sie in Zukunft, in der dann ja alle Jahresabschlüsse doppisch erfolgen sollen, einzelne Wirtschaftsjahre, Veränderungen in der Bilanzstruktur und andere hessische Kommunen besser miteinander vergleichen. „Ziel dabei ist es jedoch, diese Effekte nicht im Nachhinein zu beschreiben, sondern bereits bei der Entscheidung die Bilanzauswirkungen zu berücksichtigen. Nicht die Geschäftsvorfälle sollen also die Bilanz gestalten, sondern Sie die Geschäftsvorfälle!“, appellierte Fiedler an die Zuständigen.

Die Ausschussmitglieder folgten den Ausführungen des Revisionsamtsleiters mit großem Interesse und hatten nur wenige fachspezifische Fragen an diesen, so dass am späten Abend einstimmig über die Eröffnungsbilanz beschlossen werden konnte. In frühestens drei, spätestens aber fünf Jahren soll es dann soweit sein, dass alle Jahresabschlüsse in die Doppik überführt worden sind.

Quelle: op-online.de

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