Richterin bewertet Überfall als minderschweren Fall

Milde Strafe für Bankräuber

Eppertshausen/Darmstadt - Vier Jahre Gefängnis – das ist die Strafe für den Angeklagten V. wegen eines Raubüberfalls am 10. August 2012 auf die Eppertshäuser Volksbank. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Damit hat der spielsüchtige Verurteilte noch richtig Glück gehabt, denn für solch Verbrechen verlässt ein Bankräuber normalerweise nicht unter fünf Jahren den Gerichtssaal.

Die Staatsanwaltschaft indes hatte in einem sehr kurzen Plädoyer fünf Jahre und drei Monate für Tat und Schuld angemessen befunden. Die Vorsitzende Richterin der vierten Darmstädter Strafkammer, Cornelia Hartmann-Grimm, sah die Sache jedoch differenzierter. Sie beurteilte die besonders schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub des 24-jährigen Münsterers als minderschweren Fall und begründete dies sorgfältig.

„Behütete Sorgenkind“

Hartmann-Grimm: „V. war das behütete Sorgenkind der Familie, litt unter dem wortgewaltigen und allmächtigen Vater. Erst mit 18 Jahren konnte er sich in Folge eines Rauswurfs vom Elternhaus lösen.“ Ab Oktober 2011 habe dann mit der Arbeitslosigkeit der soziale Abstieg begonnen: „Die Spielothek wurde seine Heimat. Er verlor nicht nur sein stattliches Vermögen aus dem Elternhaus, sondern musste Wertgegenstände versetzen, die Wohnung stand auf der Kippe, es gab kaum noch etwas zu essen.“

In dieser Notlage sei bei dem jungen Mann die Idee des Banküberfalls gereift. „Ursprünglich wollte er die Volksbank in Langstadt überfallen. Die hatte aber schon geöffnet und so war sein lose gefasster Plan, die Mitarbeiterin beim Aufschließen zu überraschen, vereitelt“, sagte die Richterin.

Laut seiner eigenen Aussage ist V. dann mit dem geliehenen Auto seines Freundes auf der Suche nach einer neuen Möglichkeit ziellos durch die Gegend gefahren, der Sprit wurde knapp und er musste handeln.

„Schwierigste Frage: juristische Einordnung“

Also wählte er auf dem Rückweg nach Münster die Volksbank Eppertshausen, die zwar auch schon geöffnet hatte, was ihn diesmal aber nicht störte. Der weitere Ablauf ist durch Zeugenaussagen untermauert: V. ging maskiert in die Bank, hielt einem 17-jährigen Auszubildenden ein Messer an den Hals, packte ihn und ging mit ihm zur Kasse. Dort erzwang er von weiteren Mitarbeitern die Herausgabe von 35.950 Euro. Damit flüchtete er zunächst nach Hause, säuberte 9000 Euro von der unterwegs explodierten Security-Pack-Farbe und tauchte für zwei Tage in Mainz unter.

Hartmann-Grimm: „Die schwierigste Frage dieses Falles war die der juristischen Einordnung. Das Bild des naiven, unreifen Jungen passt einfach nicht ins Bild des kriminellen Profis. Täter wie V. findet man normalerweise vor dem Jugendgericht.“

Als strafmildernd wertet sie deshalb auch die völlig dilettantische Tatausführung, seine von Anfang an umfängliche Geständigkeit, keine gravierenden Vorstrafen und eine Entschuldigung beim Auszubildenden.

Die Negativseite fällt kürzer aus: Eine nicht geringe Beute - die allerdings bis auf 800 Euro sichergestellt werden konnte - die Arbeitsunfähigkeit infolge Traumatisierung bei einer Bankmitarbeiterin und die Tateinheit des erpresserischen Menschenraubs.

Fazit aus der Zeugenaussage des Auszubildenen: „Als ich seinen Entschuldigungsbrief gelesen habe, da habe ich gemerkt: Im Grunde genommen ist er ein ganz normaler Kerl. Ich weiß nicht, was bei ihm damals im Kopf durchgebrannt ist.“

Quelle: op-online.de

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