Der Ministerpräsident fehlt noch

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Stolz zeigt der Bürgermeister das Goldene Buch.

Eppertshausen ‐ Besondere Momente werden in Bildern festgehalten, Ehrengäste der Gemeinde verewigen sich hingegen handschriftlich im Goldenen Buch. Die Schriften weisen von Charakteren. Von Christina Schäfer

Viele Seiten stark, in Leder gebunden und schwer liegt das Buch auf dem Schreibtisch vor Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann. Gemeinsam mit Verwaltungsmitarbeiter Dieter Hüllmandel blättert er durch das Buch und lässt die Zeit Revue passieren.

Viele Eintragungen liegen allerdings vor Helfmanns Amtszeit als Rathauschef. Auf den 17. Juni 1988 ist die erste Eintragung datiert. Damals war eine Delegation aus dem türkischen Bursa zu Gast in der Gemeinde. Besuch aus der Ferne hat das Mandolinenorchester im Laufe der Jahre zu genüge und auch Musiker aus dem japanischen Kobe haben ein paar Zeilen im gemeindeeigenen Ehrenbuch hinterlassen.

Sportler, Politiker und Freunde aus den Patengemeinden

Acht Einträge zwischen 1988 und 2002 sind auf den Seiten zu finden, das Goldene Buch kam nur selten zum Einsatz, weitere 38 Vermerke seit 2003. Von Texanern stammt ein Eintrag im Jahr 2002. Die Verfasser hätten nach ihren Vorfahren jüdischer Abstammung geforscht, verrät Dieter Hüllmandel. Das sei gar nicht so selten – so wie auch die Familie Rothschild aus New York. Immer wieder sind auf den Seiten des Goldenen Buches auch Eintragungen von Besuchern aus dem französischen Chaource oder dem italienischen Codigoro zu finden. Sportler, Politiker und Freunde aus den Patengemeinden kommen oft ins befreundete Eppertshausen.

Auch politische Ehrengäste aus Deutschland haben ihre Unterschrift und Wünsche für die Gemeinde in schriftlicher Form hinterlassen: Ehemaliges Mitglied des Bundestags und jetziger Oberbürgermeister von Darmstadt, Walter Hoffmann, genauso wie der CDU-Europa-Abgeordnete Michael Gahler oder Minister Jürgen Banzer. Ob förmlich oder locker, im Gästebuch der besonderen Art finden sich vielfältige Eintragungen: „Eppertshausen, ich liebe Dich“ steht neben Neujahrswünschen und „Lieber Herr Bürgermeister“ geschrieben. Auch italienische Schüler, die im Rahmen eines EU-Projekts an der Stephan-Gruber-Schule zu Besuch waren, haben sich im Goldenen Buch im März 2004 verewigt.

Zum Neujahrsempfang holt Helfmann das Buch hervor

Jedoch: Nur wenige Eppertshäuser haben es ins Goldene Buch geschafft, ist es doch eigentlich den Gästen aus nah und fern vorbehalten. Einige durften trotzdem ihre Unterschrift aufs Papier setzen. So zum Beispiel die Turner vom TAV Eppertshausen, als sie den Hessentitel in die Gemeinde brachten. „Damals haben wir einen Empfang gemacht und sie durften sich eintragen“, erinnert sich Helfmann. Verwahrt wird die Schrift voller Erinnerungen in der handgeschnitzten Schatulle. Diese ist das Ergebnis von Peter Euler, der unter anderem auch für das Wappen im Sitzungssaal Hand angelegt hatte.

Auch zum Neujahrsempfang holt Bürgermeister Carsten Helfmann das Buch hervor. 2008 verewigte sich Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup auf den edlen Seiten. „Das Reinkommen in ein neues Jahr ist in aller Regel sehr viel einfacher als das Herauskommen“, schrieb Rürup und dachte dabei zu Beginn des Jahres auch schon wieder an das Ende. Ein „wirklich spannendes Jahr“ wünschte Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Darmstadt. Und auch Bundesverteidigungsminister Dr. Franz-Josef Jung kam 2009 in die Gemeinde im Kreis Darmstadt-Dieburg.

Platz ist im Goldenen Buch noch genügend

Eppertshäuser und auswärtige Gäste gleichermaßen setzten ihre Unterschrift ins Ehrenbuch: Mit dem Rad unterwegs auf der „Kleinen Tour der Hoffnung“ legten die Radler einen Zwischenstopp ein. Neben der ehemaligen Biathletin Petra Behle waren auch die Eppertshäuser Wolfgang Dotterweich, Peter Bohl und Hans-Dieter Müller für die gute Sache mit dabei. „Die mitfahrenden Eppertshäuser waren stolz und haben gesagt ,Jetzt dürfen wir uns auch mal ins Goldene Buch eintragen’“, berichtet Helfmann. Ein weiterer Eppertshäuser der im Buch steht, ist Pfarrer Röper. Er gehörte zu den Ehrengästen des zwölften Kreiswandertags.

Mit viel Humor warf zum diesjährigen Neujahrsempfang Prof. Hans Helmut Schetter ein Blick auf die Eintragungen der Vorseite: Dort hatten sich die Kerbborschen und –mädchen niedergelassen. „Da fühl ich mich gleich jünger“, ließ Schetter im Januar im Rathaus verlauten.

Platz ist im Goldenen Buch der Gemeinde noch genügend. „Da können noch ganz viel Ehrengäste kommen“, sagt Carsten Helfmann und überlegt - die Unterschrift des Ministerpräsidenten, die hätte der Rathauschef auch noch gern im Buch.

Quelle: op-online.de

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