Mulch gegen Plagegeister

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Revierförster Lothar Seipp erklärt den interessieren Bürgern seinen Arbeitsbereich und hatte zahlreiche Fragen zum Wald zu beantworten. Vor allem die Zecken beunruhigten einige Teilnehmer, die per Velo zum Rundgang angereist waren.

Eppertshausen ‐ Was ist los im heimischen Forst? Das wollten am Samstag über 20 interessierte Bürger wissen und machten sich deshalb mit Revierförster Lothar Seipp auf den Weg durch den Wald. Mit dabei waren auch Bürgermeister Carsten Helfmann, Gemeindevorstand Rainer Eder und verschiedene Mitglieder der Gemeindevertretung. Von Jasmin Frank

Schon vorab kamen die ersten Fragen auf, die sich mit dem Thema der Zeckenplage beschäftigten. „Warum werden nicht alle Wege so abgemäht, dass man beim Spazierengehen nicht mit dem hohen Gras in Berührung kommt?“, wollte ein Teilnehmer wissen, der darauf verwies, dass Eppertshausen im Zeckenrisikogebiet liegt und es vor Ort schon einige Fälle von Borrelioseerkrankungen gegeben habe. „Die Gemeindevertretung hat sich entschieden, bestimmte Wege, die in Ortsrandnähe liegen oder stark frequentiert werden, zu mulchen. Das bedeutet, dass nicht nur gemäht wird, sondern das Gras dann auch gleich zerkleinert wird“, erläuterte Carsten Helfmann. Dazu zählen beispielsweise die Strecken zum Abteispielplatz oder zum Sportzentrum. „Im Wald selbst wird aber nicht gemulcht“, so die Verantwortlichen. Der SPD-Vorsitzende Manfred Hechler wies ebenso wie Förster Seipp darauf hin, dass der Schutz vor den Plagegeistern nicht allumfassend gewährleistet werden könne, seien diese doch auch im heimischen Garten ebenfalls zahlreich vorhanden.

Nachfrage nach Holz steigt stetig

Nachdem dieser Themenkomplex abgehandelt war, konnte es losgehen und der Wald selbst wurde in Augenschein genommen. Wie jedes Jahr hatte sich der Revierförster genau überlegt, welche Sachverhalte für Laien besonders interessant sein könnten. „Ich verweise gerne auf Dinge, die ich in den Vorjahren als Planung dargestellt habe und die mittlerweile umgesetzt wurden“, so Seipp. Er wurde bei der Exkursion von Thomas Schmalenberg unterstützt, der im Forstamt Dieburg als Bereichsleiter Produktion tätig ist. Er kennt die aktuell dringlichsten Probleme genau: „Wir leben ja Zeiten des Klimawandels und erwarten in den nächsten Jahrzehnten einen Temperaturanstieg. Deswegen kommt es schon jetzt immer wieder zu extremen Wetterlagen. Den sehr heißen Sommer im Jahr 2003 haben viele Buchen nicht überstanden. Deshalb müssen wir uns bei der Anpflanzung von neuen Bäumen nicht nur am Standort orientieren, sondern auch an die Zukunft denken.“

Insgesamt stellt sich die Forstbehörde nun breiter auf und setzt verstärkt auf eine Vielfalt der Baumsorten. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Holz stetig steigt. „Wir können uns aber nicht danach richten, welche Baumarten derzeit besonders gefragt sind. Schließlich haben wir einen Produktionszeitraum von 150 bis 200 Jahren, da hat Schnelllebigkeit keinen Platz. Unser Motto heißt Nachhaltigkeit“, informiert Seipp.

Schon am ersten Standort der Tour ließ sich das gut feststellen. An einer feuchten Stelle im Wald wurden vorwiegend Eichen gepflanzt, hingegen werden Birken und Aspen, die sich selbst ausgesät haben, nach und nach entnommen. „Das Ganze wird von uns sehr schonend und umsichtig gemacht. Das ist sehr intensiv, wird aber von der EU bezuschusst“, weiß Seipp, der die gesamte Strecke über fachkundig Auskunft gab.

Wer von dem vielen Radeln und den Informationen hungrig geworden war, konnte sich im Anschluss an den kurzweiligen und lehrreichen Ausflug noch im Feuerwehrhaus stärken.

Quelle: op-online.de

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