Ändert Nachwuchsmangel den Ton?

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Delegierte aus zehn Landkreisen besuchten die Tagung des Bezirksfeuerwehrverbandes Hessen-Darmstadt in Eppertshausens neuer Bürgerhalle.

Eppertshausen (ej) - Großer Bahnhof zum Bezirksfeuerwehrverband Hessen-Darmstadt in Eppertshausens neuer Guter Stube: Die Bürgerhalle war gefüllt von Delegierten der Feuerwehren aus immerhin zehn Landkreisen Hessens, von Vogelsberg und Gießen bis ganz in den Süden des Landes hinab.

Die stetigen Veränderungen unserer Umwelt sowie der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ordnen auch die Anforderungen an die Feuerwehren neu. Dies war das übergreifende Thema.

Die Eröffnung oblag dem Spielmannszug der Messeler Wehr. Wolfgang Müller, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbands Hessen-Darmstadt, bedankte sich bei Bürgermeister Carsten Helfmann für die freundliche Aufnahme und hieß die Vertreter der Landkreise willkommen, bevor Ralf Ackermann, Präsident der Landesfeuerwehrvereinigung, auf eine generelle, wehrübergreifende Problematik hinwies, den Nachwuchsmangel: „Es ist eine Aufgabe der Kreisjugendfeuerwehr, aber auch der Politiker, das aktiver anzugehen. Wir brauchen die jungen Menschen.“

Einsatzzahlen: 4700 Brandeinsätze und 14.133 technische Hilfeleistungen wurden im Bezirksfeuerwehrverband Hessen-Darmstadt 2011 bewältigt. Dazu kommen noch rund 2500 blinde, böswillige und andere Alarme dazu. Es wurden 957 Menschen unverletzt, 1195 verletzt gerettet sowie unzählige Sachwerte geschützt. Für 248 Menschen kam jede Hilfe zu spät. Dies ist die nüchterne Bilanz der Gegenwart des Feuerwehrwesens im Verbandsgebiet. Sie zeigt beachtliches ehrenamtliches Engagement von Freiwilligen Feuerwehren. „Werden die 638 Jugendfeuerwehren mit 8235 Mitgliedern mit in den Blick genommen, so scheint es, dass das ehrenamtliche Engagement im Feuerwehrbereich eine hinreichende Basis für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr bildet“, sagte Wolfgang Müller, Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbands Hessen-Darmstadt, abschließend.

Danach stellte Müller den Jahresbericht 2011 vor. Die Gesamtzahl der Angehörigen ländlicher Feuerwehren werde in den nächsten Jahren trotz Bemühungen zur Umkehr der Negativtrends weiter absinken. „Was leider vielen Führungskräften nicht bewusst ist: Dazu umgekehrt proportional wird der Stellenwert des vorhandenen Personals weiter ansteigen. Das bedeutet wiederum für viele Feuerwehren, dass ein anderer Umgangston Einzug halten muss, damit die Mitglieder gehalten werden können“, sagte Müller.

Er hatte Fakten im Gepäck: Die Zahl der Aktiven betrug Ende 2007 noch 25 000 Wehrleute, Ende 2011 waren es noch 23 700 Aktive im Verbandsbereich. Doch nicht genug mit dem Rückgang von 1 300 Mitgliedern: „Rechnet man die Übernahmen aus den Jugendfeuerwehren mit durchschnittlich 700 dazu, dann sind es fast 2 000 Aktive, die uns seit dem letzten Jahr fehlen.“

Besonderheiten der Männerdomäne

Unter den Teilnehmern der Delegierten war auch Martina Berger, seit Februar Leiterin der Berufsfeuerwehr Gießen: Sie ist die erste Frau deutschlandweit in einer Position wie dieser. Vorher hat sie bereits fünf Jahre als Führungskraft bei der Berufsfeuerwehr Berlin gearbeitet. Berger erklärte: „Ich habe kein Problem, mich durchzusetzen. Man muss mit den Besonderheiten der Männerdomäne umgehen können.“ Und auch für ihre Kollegen sei es nichts Besonderes, dass ihnen eine Frau sagt, wo es lang geht: „Wir sind doch alle moderne Menschen.“

Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann stellte die gastgebende Gemeinde kurz vor. In den vergangenen drei Jahren sei die Bevölkerung in Eppershausen um drei Prozent gewachsen. Und freilich präsentierte der Politiker und Feuerwehrmann auch den Park 45: Vier große Hallen seien in Kürze dort gebaut worden, damit steige das Gefahrenpotenzial. Auch dafür sei es sehr gut, eine eigene, schlagkräftige Wehr zu haben. Immerhin könne die Freiwillige Feuerwehr im Ort auf 42 Männer und drei Frauen zählen.

Thema demografischer Wandel

Auch zum angesprochenen Thema demografischer Wandel hatte der Ortschef was zu berichten: Erst kürzlich habe man die Kinderfeuerwehr in Eppertshausen gegründet, um den Nachwuchs bereits im Grundschulalter an die Wehr zu binden, bevor er sich nach anderen Hobbies umsieht.

Die Großveranstaltung wurde erstmals in Eppertshausen ausgerichtet. Den Anstoß dazu gab Herbert Müller, Gemeindebrandinspektor Eppertshausen, im vergangenen Sommer. Helfmann hatte damals versprochen, dass bis dahin die neue Bürgerhalle fertig werden würde. Und sein Versprechen gehalten.

Quelle: op-online.de

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