Wo es natürlich fließt

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Auf den natürlichen Wasserspuren unterwegs am Langwiesenbach.

Eppertshausen - „Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss.“ Dieser Auszug aus der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die im Dezember 2000 in Kraft getreten ist, zeigt, dass die Richtlinie ökologisch ausgerichtet ist und für einen ganzheitlichen Gewässerschutz eintritt. Von Ellen Jöckel

Für die Naturschutzbände weckte diese Ausrichtung Hoffnungen für den Natur- und Artenschutz in Europa. Im Rahmen einer Fachtagung lud Manfred Hechler, Hauptschutzwart des Odenwaldklubs (OWK) die Naturschutzwarte der OWK-Ortsgruppen aus Hessen, Baden-Württemberg und Bayern ein, um zum Thema Wasser zwei Schwerpunkte näher zu beleuchten: die Wassergüte im Bereich des Grundwassers und die ökologische Wasserwirtschaft bei Oberflächengewässern. Rund 70 interessierte Naturschützer hatten zum Teil weite Strecken auf sich genommen, um am Samstagvormittag ins Haus der Vereine nach Eppertshausen zu kommen. Beginnend mit den Zielen der WRRL referierte Dr. Hans Georg Fritz vom ökologischen Planungsbüro in Darmstadt schließlich darüber, wie die Richtlinie bei Fließgewässer-Renaturierungen praktisch umgesetzt werden kann. Im Anschluss erklärte Ralf Picolin vom Wasserwerk Hergershausen den Weg des Grundwassers aus dem Brunnen bis zum Wasserhahn.

Nach dem umfangreichen theoretischen Teil ging es an diesem ersten milden Frühlingstag raus in die Natur zum Langwiesenbach, zu dem die Teilnehmer an der Bahnstrecke der Dreicheichbahn gelangten. Von hier an verlief der Weg immer am Bach entlang. Nach Überquerung der Dieburger Straße konnten die Naturinteressierten den Teil des Baches begutachten, der 1996 bis 1998 renaturiert wurde.

Hierzu konnte Hans Georg Fritz detailreiche Informationen geben. Für die Planung der Maßnahme am Langwiesenbach war er nämlich damals zuständig gewesen. Unter anderem wurden an beiden Uferseiten Weiden oder Erlen wechselseitig eingepflanzt. „Wenn das geregelt und vermehrt gemacht wird, dann kann das die Eigendynamik von einem Fließgewässer steigern“, erklärte Fritz. Die natürliche Biegung, die durch den Wurzelstock der Pflanze entsteht, lässt das Wasser strudeln. Dies kommt auch kleinen Wasserbewohnern zugute. Der Bachflohkrebs ernährt sich von den Blättern, die in den Bach gefallen sind. Wo viele Blätter und wenig Wasserbewegung vorhanden sind, ist auch wenig Sauerstoff. Daher braucht der kleine Krebs die Strudel-Stellen, um dort wieder richtig „durchatmen“ zu können.

„Für Kleinlebewesen in Fließgewässern sind solche Wechsel von Strömungsverhältnissen lebensnotwendig“,betonte der Biologe Dirk Diehl aus Langstadt an dem Teil des Baches auf Eppertshäuser Gebiet, wo keine Renaturierung stattgefunden hat: Ab Kläranlage bis in den angrenzenden Wald hinein verläuft das Flüsschen schnurgerade weiter. Den Langwiesenbach hier wieder natürlich zu gestalten, würde einen größeren Aufwand bedeuten, als es beim Verlauf durch Wiesen und Feld der Fall war. „Dem Regierungspräsidium, das für die Umsetzung der WRRL zuständig ist, sind die Defizite über eine Kartierung bekannt. Eine Renaturierung braucht aber viel Raum“,ergänzte Diehl.

Die positiven Auswirkungen auf das Ökosystem beim renaturierten Bereich des Baches lassen sich derzeit noch nicht erfassen. „Hierzu wäre die Durchführung eines Monitorings notwendig, bei der man die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme regelmäßig überprüft“,sagte Ökoplaner Fritz. Die Mitglieder des Odenwaldklubs jedenfalls haben ganz im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie gehandelt, die eine umfassende Information und Anhörung der Öffentlichkeit vorsieht. „Im kommenden Jahr steht das Thema Wald auf dem Plan“,so OWK-Chef Manfred Hechler.

Quelle: op-online.de

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