Wandel von Müllhalde zum Biotop

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Von 1998 bis 2003 wurde das Biotop umgesetzt.

Eppertshausen - In diesem Jahr ist die Freude bei den Mitgliedern der Naturschutzsparte des Odenwaldklubs besonders groß: Nach fast zehnjährigem Warten haben sich endlich Störche im Biotop In den Stöcken niedergelassen und drei Jungen ausgebrütet. Von Michael Just

In einer zweiteiligen Serie beleuchtet unsere Zeitung, wie es dazu kam. Heute: die Errichtung des Biotops. „Ein Schutzgebiet für gefährdete Tier- und Pflanzenarten“, oder genauer gesagt, „Ein Feuchtbiotop mit Flachwasserzonen, dazu eine Magerwiese mit Streuobstbestand“ – das hatten die Naturschützer des OWK Ende der 1980er Jahre vor Augen. Dafür bot sich damals das nur rund 10 000 Quadratmeter große Areal In den Stöcken, das von Eppertshausen kommend auf der linken Seite des Radweges nach Münster liegt, an. „Als Brachfläche war es kaum genutzt, dazu verfügte es über Sperrschichten aus Lehm, die die Feuchtigkeit halten“, erzählt Jürgen Reinecke, einer der Aktivposten bei den Naturschützern.

Lediglich ein Problem galt es zu bewältigen: Die „handtuchgroßen“ Parzellen, wie es Reinecke schmunzelnd formuliert, gehörten verschiedenen Eigentümern. In einer Flurbereinigung kaufte die Gemeinde diese auf und verpachtete das Gelände an den OWK. Von 1988 bis 1993 wurde das Biotop umgesetzt. Der fünfjährige Zeitraum von der Planung bis zur Fertigstellung zeigt die Arbeit, die reingesteckt wurde.

Für die Entwicklung wurde ein Flächenplan erstellt, der das Sumpfgebiet, den geplanten Erdwall, den neu zu setzenden Streuobstbestand sowie die Feldholzinseln genau auswies. Um eine größere Wasserfläche zu schaffen, musste einen Meter tief ausgehoben werden. Das erledigte ein Bagger. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir auf jede Menge Bauschutt, Altmetall und Plastikmüll stießen“, so Reinecke. „Wer macht sowas?“, fragte er sich damals, als man die Müllhalde in ein Biotop verwandelte.

Die Feinarbeiten wurden von den OWK-Mitgliedern per Hand erledigt. Dazu gehörte auch das Setzen von 350 Sträuchern, die von 25 Hochstämmen ergänzt wurden. Die Flachwasserzonen füllten sich schnell mit Wasser. In kurzer Zeit waren die ersten Pflegearbeiten angesagt, die nun großangelegt in jedem Herbst stattfinden. Hinzu kommt das jährliche Stutzen der Streuobstwiese. Beim Wachsen des Schutzgebiets konnten die Naturfreunde gut beobachten, wie Feuchtbiotop und Magerwiese ihre eigene Flora ausbildeten und sich Gras-, Teich- und Laubfrosch sowie Fasan und Rebhuhn einstellten.

Im Jahre 2003 wurde es erneut spannend: Der OWK ging seine Storchenhilfe an. Schließlich sollte das Tier nicht nur im Wappen der Gemeinde zu sehen sein, sondern auch in der Gemarkung. Als Grundlage diente ein ehemaliger Strommast. An ihm wurden zuerst diverse Umbauten vorgenommen und nicht benötigte Elemente weggeflechst. Sieben Meter misst das gute Stück. Auf die Spitze kam eine extra gefertigte Plattform mit einem Holzboden. „Die muss eine gute Belüftung gewährleisten“, weiß Reinecke. Der nächste Schritt: Mit Weidenstöcken wurde ein Nest geflochten und mit Stroh ausgekleidet. Das reichte für den Anfang. Zum Aufstellen des Mastes rückte ein Kranwagen an. Er nahm die Konstruktion an den Haken und setzte sie in die eigens ausgegrabene Grube. Ein Betonmischfahrzeug füllte das Fundament mit Beton aus. Dann war alles vorbereitet und die Störche konnten kommen.

Quelle: op-online.de

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