Naturschutzgebiet In den Stöcken, Teil II

Die Rückkehr der Wappenvögel

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Drei Jungstörche hat das Nest in Eppertshausen hervorgebracht. Sie überlebten das nasskalte Frühjahr unbeschadet.

Eppertshausen - In diesem Jahr ist die Freude bei den Mitgliedern der Naturschutzsparte des Odenwaldklubs (OWK) groß: Nach fast zehnjährigem Warten haben sich endlich Störche im Biotop „In den Stöcken“ niedergelassen und drei Jungen ausgebrütet. Von Michael Just

In einer zweiteiligen Folge beleuchtet die Offenbach Post den Erfolg. Im ersten Teil ging es um die Errichtung des Biotops. Heute steht die Rückkehr der Störche im Mittelpunkt. Als der OWK 2003 eine Storchenhilfe baute, waren die Erwartungen groß. „Wann Meister Adebar wohl kommt?“, fragten sich alle. Zu diesem Zeitpunkt hätte keiner gedacht, dass es geschlagene zehn Jahre dauern würde, bis sich endlich Nachwuchs mit langen Beinen und einem roten Schnabel einstellt. „Stattdessen haben wir jedes Jahr immer wieder Nilgänse im Nest beobachtet“, erzählt Jürgen Reinecke, einer der Aktivposten in Sachen Naturschutz beim OWK.

Nestbauer am Werk: Der OWK, im Bild Norbert Anton, tat reichlich, dass Störche nach Eppertshausen kommen. Trotzdem ließen die sich zehn Jahre Zeit.

Das Dilemma zwischen Wunschtraum und Realität nahmen die Naturschützer aber mit Humor. 2008 fing das alte Nest bereits an zu verrotten. Mit Hilfe der Münsterer Feuerwehr und deren Leiterwagen stand dessen Erneuerung an. 2010 keimte große Hoffnung auf: Ein Storchenpaar siedelte sich zwei Monate an, brütete jedoch nicht. 2011 wurde das Nest zum zweiten Mal mit einem frischen Weidengeflecht ausgetauscht. Ein Dieburger Kran-Service hob OWK-Vorsitzenden Norbert Anton dazu in die luftige Höhe. Zusätzlich wurde eine Anflug-stange unter dem Nest angebracht. Zwei Jahre später ist es jetzt endlich soweit: Nach kurzer Auseinandersetzung mit den Nilgänsen besetzt ein Storchenpaar das Nest und baut. Ein dritter Storch, der als Eindringling kommt, wird mit lautem Geklapper vertrieben. Bis zur ehemaligen Münsterer Mülldeponie wird dieser verfolgt.

Keine Probleme bei der Beringung

Da es keine Kamera am Horst (wie in Münster an der Kläranlage) gibt, lässt sich nur vermuten, was dort darauf passierte. „Der Storch gehört zur Gattung der Stelzvögel, die durch ihre langen Beine und Hälse gerne stehen. Da im Nest aber schnell viel gesessen wurde, war das ein Anzeichen, dass auch gebrütet wird“, blickt Reinecke zurück. Die Brutzeit beträgt bei Meister Adebar 30 bis 32 Tage. An Pfingsten (um den 20. Mai) schlüpften drei Jungen. Während in Deutschland etlicher Storchennachwuchs das kalte Frühjahr mit Wind und Dauerregen nicht überlebte, kommen in Eppertshausen alle Jungtiere durch. „2013 war eines der schlimmsten Jahre für freibrütende Vögel“, bilanziert der OWK. Anfang Juni haben sich das Wetter und die Nahrungsversorgung der Störche deutlich verbessert. Am 24. Juni stand der Tag der Beringung an: Die Elternstörche entfernten sich beim Anrücken des Groß-Umstädter Vogelexperten Klaus Hillerich vom Nest und beobachten die Sache aus der Luft. Da sich Jungstörche innerhalb der ersten sechs Wochen nach Geburt bei Gefahr tot stellen, kann die Beringung gefahrlos und ohne Bissversuche erfolgen. Nach der Aktion dauerte es etwa eine halbe Stunde, bis der erste Eltern-Vogel zum Nest zurückkehrte.

Vor zehn Tagen setzten die Jungstörche zu ihren ersten Flugversuchen an. Ab dem Schlüpfen sagt man, dauere es noch zwei Monate bis zum Fliegen. Das kommt „In den Stöcken“ fast genau hin. Mit Beginn des August haben die Naturschützer des OWK also nur noch wenige Tage, die Jungstörche zu genießen: Bereits Mitte bis Ende des Monats versammeln sie sich mit anderen Jungstörchen, um sich separat von den Alten gen Süden aufzumachen. „Das geht jetzt flott bis zur ersten Reise. Vermutlich fliegen sie nach Südspanien“, sagt Reinecke. Mit seinen Kollegen würde er nur zu gerne erfahren, wo genau die Eppertshäuser Störche überwintern werden und welche Route sie wählen. Dieses Wissen ist nur mit einem GPS-Sender möglich, doch der kostet Geld. Dazu muss man bei der Ortung am Ball bleiben. „Das ist eher was für Ornithologen und die großen Vogelwarten“, sagt Reinecke.

Endlich hat es mit dem Nachwuchs geklappt

Vielleicht hat der OWK Glück und die Beringung bringt irgendwann Informationen von anderen europäischen Naturschützern. Diese würden in der Vogelwarte Wilhelmshafen/Helgoland, die die Ringe für die den Eppertshäuser Storchennachwuchs ausgestellt hat, zusammenlaufen. Die Markierung der Altstörche konnte der OWK beim Stehen im Nest mit einem Teleskop ablesen. Sie besagen, dass der eine Storch in Nidderau/Eichen im Main-Kinzig-Kreis und der zweite in Bechhofen im Landkreis Ansbach zur Welt kam. In diesem Jahr sind die Naturschützer des OWK überglücklich, dass es nach zehn Jahren – inklusive zweier Nesterneuerungen – endlich mit dem Nachwuchs geklappt hat. „Fast hatten wir die Hoffnung schon aufgegeben. Aber nur fast“, sagt Reinecke schmunzelnd. So wird 2013 in Erinnerung bleiben als das Jahr, in dem Eppertshausen sein Wappentier, den Storch, leibhaftig zurück bekam.

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Quelle: op-online.de

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