„Neue Gebühr trifft die Witfrauen“

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Etwa zweihundert Einwohner waren in die Mehrzweckhalle geströmt, um sich über die gesplittete Abwassergebühr zu informieren.

Eppertshausen - „Das wird vermutlich die letzte Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle sein“, eröffnete am Mittwochabend Bürgermeister Carsten Helfmann die Informationsveranstaltung zur Einführung der gesplitteten Abwassergebühr. Von Jasmin Frank

Etwa 200 Einwohner waren gekommen, um sich über die Neuregelung zu informieren, die nun die Wassergebühren nicht mehr nur an Hand des bezogenen Frischwassers berechnet, sondern auch das über versiegelte Flächen in die Kanalisation fließende Niederschlagswasser berücksichtigt.

Gleich zu Beginn wies Helfmann darauf hin, dass sich für die meisten Bürger nicht viel ändern wird, gerade bei Einfamilienhäusern sei lediglich eine Abweichung von plus oder minus zehn Prozent zu den vorherigen Kosten zu erwarten. Teurer wird es für Gewerbetreibende, die viel versiegelte Fläche in Form von Dächern oder Parkplätzen haben: „Stellen Sie sich einen Baumarkt vor, der nur über eine Mitarbeitertoilette verfügt, aber hohe Kosten durch das Schmutzwasser verursacht, das von seinen Parkplätzen in die Kanalisation fließt. Er musste bislang weitaus weniger bezahlen, als eine Familie in ihrem Eigenheim.“

Vor allem ging es um die Kosten

Trotz der von der Rechtsprechung angestrebten größeren Gerechtigkeit hatte diese bei den Anwesenden offenbar keine sonderlich hohe Priorität, ihnen ging es bei ihren Fragen in erster Linie um eines: die für sie entstehenden Kosten. Informationen dazu gab Norbert Leistner, der als freier Berater Kommunen zur Seite steht und deren Anliegen gut kennt, war er doch zwölf Jahre lang selbst Bürgermeister: „Für Mieter in Mehrfamilienhäusern wird die Regelung von Vorteil sein, denn hier ist in der Regel pro Bewohner nur ein kleiner Anteil von versiegelter Fläche zu berechnen.“

Ein Bürger wies darauf hin, dass enorme Verwaltungskosten auf die Gemeinde zukämen, die dann auf irgendeine Weise an die Bürger weitergegeben würden. Leistner hierzu: „ Die Kommunen wollen die Umstellung nicht, sie müssen sie durchführen. Zunächst entstehen in Eppertshausen 50 000 Euro Kosten für die Änderung und es wird auch Folgekosten geben. Diese dürfen aber nicht direkt über die Gebühr umgelegt werden. Es kann aber sein, dass sie auf anderem Weg, beispielsweise der Grundsteuer, wieder hereingeholt werden.“

Den Hinweis, dass die neu angesiedelten Unternehmen im Park 45 mit ihren enormen Flächen von der Gebühr ausgenommen seien, beschwichtigte Bürgermeister Helfmann: Sie hätten eine Sonderstellung durch ein Grabensystem. Dieses wurde aber nicht näher erläutert.

Neubürger seien im Vorteil, moniert eine Zuhörerin

Ungerecht fand eine Zuhörerin auch die Situation für die bäuerlichen Witfrauen im alten Ortskern. „Sie leben seit jeher in ihren Häuschen mit Höfen und hatten vor Jahrzehnten keine Ahnung davon, dass dadurch höhere Kosten entstehen würden. Sie haben wenig Rente und können nicht kostenintensiv entsiegeln. Die Neubürger, die derzeit bauen, sind ihnen gegenüber im Vorteil“, monierte sie. Doch auch hier sprang Helfmann für die Neubaugebiete in die Bresche und informierte: „Wer im Eichstumpf oder auf der Bayerswiese gebaut hat, war verpflichtet, eine Zisterne anzubringen, die Kosten in Höhe von etwa 4 000 Euro verursacht hat. Diese Summe muss sich erst einmal amortisieren, und daher kann nicht von einer Ungerechtigkeit gesprochen werden.“

Fachmann Leistner ging in seinem Vortrag auch detailliert auf die Einzelheiten der Zisternennutzung sowie auf unterschiedliche Dach- und Bodenbeläge und ihre Abrechnung ein. Er erläuterte: „Nur für die Flächen, die an die Kanalisation angeschlossen sind, muss auch bezahlt werden. Überall, wo Versickerung gewährleistet ist, entstehen keine Kosten.“ Nun werden in den nächsten Wochen Fragebögen an die Hauseigentümer verteilt, auf denen an Hand der Luftaufnahmen Bewertungen vorgenommen wurden, die von den Bürgern bestätigt oder korrigiert werden müssen. Zudem wird unter s 06071 300961 eine Hotline geschaltet, unter der die Einwohner detaillierte Informationen erhalten können. Dabei dürfte auch die Frage geklärt werden, ob eine große Anzahl von Regentonnen einer Zisterne gleichzusetzen ist, was auf der Bürgerversammlung nicht abschließend beantwortet wurde.

Quelle: op-online.de

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