Neue Schöffen auf Empfehlung

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Die neuen Schöffen Michael Kramer und Rita Filipp kennen jeden Winkel in Eppertshausen.

Eppertshausen ‐ Eine Kommune hat viele Aufgaben zu bewältigen und einige davon können nur erledigt werden, wenn ehrenamtlich mit angepackt wird. So ist es auch mit dem Amt der Schöffen. Von Jasmin Frank

„Wir kommen immer dann, wenn jemand den Wert seines Hauses oder Grundstücks ermitteln lassen will“, informiert Rita Filipp, und ihr Kollege Michael Kramer fügt hinzu: „Viele denken ja, dass wir Schöffen auch bei Streitigkeiten vor Ort schlichten. Das ist aber eine andere Funktion, nämlich die des Schiedsamtes, das in Eppertshausen von Bürgermeister Carsten Helfmann ausgeübt wird.“

Die beiden engagierten Eppertshäuser sind neu in ihrem Amt, Rita Filip übt es seit September aus, Michael Kramer erst seit wenigen Wochen. Doch wie kommt man dazu, Schöffe zu werden? „Das ist ganz einfach“, lacht Rita Filipp, die seit 38 Jahren in der Verwaltung einer Baufirma arbeitet und deshalb über gute Fachkenntnisse verfügt, „man wird von der Gemeindevertretung empfohlen und das Amtsgericht Dieburg bestätigt diesen Vorschlag dann in aller Regel.“

Beide haben als ehrenamtliche Richter Erfahrung

Beide haben schon Erfahrung in ähnlichen Ämtern: Während Filip seit vier Jahren als Schöffin am Amtsgericht zu tun hat, füllt Kramer das gleiche Amt am Landgericht aus. „Dort haben wir aber andere Fälle, wir sind als ehrenamtliche Richter im Einsatz und müssen durchaus auch bei Geld- und Haftstrafen mitentscheiden“, berichten die beiden. Drogendelikte und Vergewaltigungen zählen dabei zu den erschreckenden Fällen, von denen sich die Schöffen im Alltag mental distanzieren müssen.

Architekt Kramer kann sich an einen besonders heiteren Fall erinnern: Ein Mann wollte gegen das Tragen bauchfreier Oberteile von jungen Mädchen protestieren und zwar nicht aus moralischen Aspekten, sondern um die Teenager gesundheitlich zu schützen. Um seinen Warnungen Nachdruck zu verleihen, warf er Fensterscheiben von öffentlichen Gebäuden mit Steinen ein, die er in Zeitungspapier einpackte und mit seiner Adresse versah, damit er sicher sein konnte, sich Gehör verschaffen zu können. „Der Mann war Wiederholungstäter und ließ nicht von seinem Vorgehen ab, auch wenn er saftige Geldstrafen kassierte, bis er schließlich mit einem Bein im Gefängnis stand“, erinnert sich Kramer schmunzelnd.

„Wir bewerten immer neutral“

Er ist auch in Sachen Gebäudeschätzungen für den Gutachterausschuss des Landkreises im Einsatz und hat dabei schon das ein oder andere steinerne Kleinod unter die Lupe genommen. „Herausragend war natürlich die Mietwert-Ermittlung der Eigentumswohnungen im Schloss Lichtenberg, aber auch eine schmucke historische Villa an der Bergstraße fand ich sehr faszinierend“, erzählt Kramer. In Eppertshausen sind zwar keine Schlösser und Jugendstilvillen zu finden, aber das Vorgehen der Schöffen, zu denen auch Carsten Helfmann und Günter Schmitt gehören, ist immer ähnlich: Wenn sie gerufen werden, kommt immer ein Team aus drei Personen, das sich Haus und Grundstück ganz genau ansieht und auch Fotos für die detaillierte Bewertung machen.

„Manch ein Auftraggeber versucht natürlich schon mal, ein wenig Einfluss auf unsere Beurteilung zu nehmen, aber wir bewerten selbstverständlich immer neutral“, versichern die beiden Fachleute. Direkt nach der Besichtigung setzen sich die Gutachter dann zusammen und ermitteln zunächst an Hand einer Liste mit Vergleichswerten eine Art Basiswert. Dann werden Zu- oder Abschläge angerechnet, je nachdem, ob das Haus gut saniert ist oder vieles alt und marode ist. „Zur Sicherheit werden verschiedene Bemessungskategorien angewandt, so das Mietwertverfahren, das den aktuellen Mietpreis festlegt, oder das Sachwertverfahren, das sich am derzeitigen Herstellungs- und Grundstückswert orientiert“, erläutert Filip. Gerade weil die Thematik so komplex ist, ist das Amt der Schöffen entsprechend wichtig. „Wir freuen uns über unsere neue Aufgabe und sehen sie nicht als Belastung an. Letztlich ist es doch etwas Schönes, wenn man seinen Mitbürgern bei solchen Sachfragen helfen und Auskunft geben kann“, sind sich die beiden einig und warten schon gespannt, welche abwechslungsreichen Aufgaben sie im neuen Jahr erwarten.

Quelle: op-online.de

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