Prof. Hans Helmut Schetter beim Empfang der Gemeinde Eppertshausen zu Gast / Soziale Marktwirtschaft

Neue Wege in schweren Zeiten

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85 Besucher verfolgten den Vortrag von Prof. Hans Helmut Schetter, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates, beim Empfang der Gemeinde. Für die musikalische Untermalung sorgte das Beginner-Orchester des Musikvereins Victoria Ober-Roden.

Eppertshausen ‐ Zwar ist 2010 schon ein paar Tage alt, aber dennoch würdig auf ein neues Jahr anzustoßen. Von Christina Schäfer

So hatte die Gemeinde Eppertshausen zum Empfang ins Rathaus geladen – zum dritten Neujahrsempfang, der aufgrund seines späten Termins eher ein Jahresempfang sei, wie Bürgermeister Carsten Helfmann in seiner Ansprache betonte. Dabei erlebten die mehr als 80 geladenen Gäste aus Wirtschaft, Politik und Vereinen eine Welturaufführung: Das Beginner-Orchester des Musikvereins Victoria 08 Ober-Roden spielte am Sonntag zur Eröffnung. Als Ehrengast begrüßte der Rathauschef den Vorsitzenden des hessischen Wirtschaftsrates, Prof. Hans Helmut Schetter. Er referierte zu dem Thema „Soziale Marktwirtschaft – Erfolgschancen für alle“.

„Es geht aufwärts“ lautete der Titel des ersten Musikstückes, welches die Jungen und Mädchen der Eppertshäuser Gruppe des Musikvereins Victoria Ober-Roden zu Gehör brachten. Und damit formulierten die Kinder damit gleichfalls einen Wunsch fürs neue Jahr. Die Nervosität war den jungen Musikern deutlich anzumerken, so hatten sich auch Eltern und Geschwister zu den Zuhörern gesellt und blickten auch von der Empore herab. Das Beginner-Orchester, das erst im November 2009 gegründet wurde, steht unter der Leitung von Kristina Hensel. Mit kindlichem Charme sagten die Nachwuchsmusiker ihre Stücke an. Mit viel Applaus bedankte sich das Publikum für die Darbietungen.

Auf das rege Vereinsleben in Eppertshausen ist Bürgermeister Carsten Helfmann stolz. So nutzte der Rathauschef den festlichen Rahmen, um an Feste und Veranstaltungen in 2009 wie die Eppertshäuser Kerb zu erinnern. Auch das Winterwaldfest, das die Gewerbetreibenden auf die Beine gestellt haben, ist ihm in guter Erinnerung geblieben. In der Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen geht man seit dem vergangenen Jahr neue Wege: Die Standesämter Dieburg, Münster, Messel und Eppertshausen wurden zusammengeführt. Mit der Gemeinde Münster organisiert Eppertshausen am 29. und 30. Mai die Gewerbemeile.

„Ein ereignisreiches, anstrengendes und besonderes Jahr liegt hinter uns“, so Carsten Helfmann. Die Gemeinde hat die 650 000 Euro teure Sanierung der Sporthalle mit Unterstützung des Landes Hessen (419 000 Euro) auf den Weg gebracht, die Hüttenstraße für 600 000 Euro grundhaft saniert und mit dem Erweiterungsbau der Kindertagesstätte St. Sebastian mit Gesamtkosten von 600 000 Euro begonnen. 2010 wolle man die Baustelle mit Erstellung eines Kreisverkehrsplatzes vor der katholischen Kirche und Erneuerung der Dieburger-, Haupt-, und Babenhäuser Straße abschließen. Im Sommer steht der Bau der Bürgerhalle für 4,5 Millionen Euro an. Positiv entwickelte sich das Baugebiet „Im Eichstumpf“ – 38 der 53 gemeindeeigenen Bauplätze sind bereits verkauft.

2009 flossen 1,1 Millionen Euro an Gewerbesteuern in die Gemeindekasse. „Für das kommende Jahr gehen wir von einer Reduzierung dieser Einnahmen aus.“ Bürgermeister Carsten Helfmann bleibt dennoch optimistisch: „Wir starten in das neue Jahr mit einem Rekordfinanzmittelbestand von vier Millionen Euro und einem Stand an Verbindlichkeiten von nur 1,4 Millionen Euro. Aufgabe bleibt es für uns alle, dass die Gemeinde Eppertshausen weiter zahlungsfähig für die kommenden Großprojekte bleibt.“

Mit Fachkompetenz blickte Prof. Hans Helmut Schetter, Vorsitzender des Landesverband des Wirtschaftsrats und Vorstandsmitglied der Bilfinger Berger AG, in einer schweren wirtschaftlichen Zeit auf das neue Jahr. Und setzte dabei auf das von Ludwig Erhard geprägte Modell der sozialen Marktwirtschaft – auch wenn, wie er weiß, nur 31 Prozent guter Meinung darüber sind. Schetter berichtete aus der Wirtschaftswunderzeit, als in den 50er, 60er und 70er Jahren sich Ortsmitten prächtig entwickelten. Ganz anders hingegen das Jahr 2010. „Die Welle von Kündigungen ist noch nicht überwunden“, so Schetter. Man müsse von „der Bruchlinie wieder wegkommen, dass Mitarbeiter nur auf Kosten drücken“. Vielmehr müsse man seine Mitarbeiter motivieren, sich wieder in der täglichen Arbeit mit einzubringen. „Ich werbe nicht für die Gießkanne – alles an alle zu verteilen, bis nichts mehr da ist“, so Schetter. Doch wenn Erfolg da sei, solle man alle Mitarbeiter auch daran teilhaben lassen. So zeigte er verschiedene neuere Modelle wie Zeitwertkonten oder Bonuszahlungen in guten Zeiten auf.

Kritisch reflektierten die Gäste den Vortrag von Prof. Hans Helmut Schetter und fühlten gleichfalls dem Vorstandsmitglied der Bilfinger Berger AG auf den Zahn.

Quelle: op-online.de

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