Vor dem Spiel die Arbeit

+
In freudiger Erwartung: Erst nach den Reden durfte der beflaggte Sandkasten erobert werden. Aber dann im Sturm.

Eppertshausen - Er ist groß und sechseckig mit einer wuchtigen Umrandung aus dicken, gehobelten und geschliffenen Baumstämmen. Und er hat eine magische Anziehungskraft auf Kinder: der neue Sandkasten auf dem Schulhof der Mira-Lobe-Schule. Von Thomas Meier

Dabei hat der Lieblings-Aufenthaltsplatz vor allem der jüngeren Schüler an der Sprachheilschule des Landkreises eine pralle Geschichte. Von ihr kündete zur Einweihungsfeier Schulleiterin Jutta Meier.

Am Anfang stand der Mangel. Die Schule ist zwar neu und in ihr auch (fast) alles top, doch für Auslauf und Bewegung in den Pausen gibt es außer Beton und Asphalt wenig Animierendes. Der Schulhoftristess sollte Einhalt geboten werden, doch wie, in Zeiten monetär knapper Haushaltslage? Eigeninitiative lautete das Zauberwort.

„Ich muss gestehen, als wir vor einem Jahr die Idee hatten, ein Sandkasten wäre schön, da dachte ich: Na, ganz einfach. Du bittest den Förster um Holzstämme, die kommen in ein Viereck und Sand rein. Fertig!“ Doch so einfach wie der Rektorin Gedankengang war die Realisierung freilich nicht. Eine lange Geschichte sollte ihren nicht unbürokratischen Anfang nehmen.

So eine Anlage eines Sandkastens muss zunächst einmal beim Schulträger, das ist der Landkreis Darmstadt-Dieburg, beantragt und genehmigt werden. Erste Hürde hierbei: die „Fachkraft für Arbeitssicherheit“ muss dem Vorhaben zustimmen und dann auch prüfen, ob alle Schüler möglichst gefahrlos dort spielen werden können.

Jutta Meier erinnert sich: „Aber was es am meisten braucht, sind engagierte Menschen. Und davon hatte es bei diesem Projekt viele.“ Als da waren: Revierförster Lothar Seipp, der die Baumstämme aussuchte und sie der Schule kostenlos zur Verfügung stellte; Stephanie Groh, der „Link“ und die Verbindung der Schule nach Eppertshausen, die Kontakte knüpfte und das Ganze in die Hand nahm; Martin Beckmann, Landwirt in Eppertshausen, der mit seinen Geräten und seiner Arbeit dafür sorgte, dass die Baumstämme aus dem Wald an die Waldstraße kamen; die Gemeinde Eppertshausen, an der Spitze Bürgermeister Carsten Helfmann, der unbürokratisch Schotter für den Untergrund zur Verfügung stellte.

Und damit noch nicht genug, denn es fehlte ja noch der Sand. Das Bauunternehmen Krautwurst, zufällig verwandt mit der Vorklassenleiterin Kerstin Krautwurst, spendierte großzügig den Spielsand, um dessen Zertifizierung man sich im Vorfeld allerdings auch seine Gedanken machen und die amtliche Genehmigung zum Aufbringen einholen musste.

Ein dickes Dankeschön gab’s für Elvira Becker, die sich mit der ganzen Familie am Bau des schmucken Sandkastens verdient gemacht hat, von Schulleiterin Jutta Mei er.

„Aber die wichtigsten und engagiertesten Helfer für den Bau dieses Sandkastens kamen ohne Zweifel aus der Familie Becker“, lobte die Schulleiterin. Sohn Timo besucht die 6. Klasse der Lobe-Schule. In der letzten Juliwoche arbeiteten die Eltern Becker und ihr 17-jähriger Sohn Steffen schweißtreibend am Niederfeld, um die Holzstämme auch zum Kasten zusammenzufügen. Elvira Becker hatte einen Konstruktionsplan erstellt und die Schulleiterin ist sich sicher: „Sie könnte einen Teil unseres Geometrieunterrichts übernehmen.“ Kommen hinzu die handwerklichen Fähigkeiten von Vater und Sohn Becker: da wurde gesägt, geschliffen, zusammengefügt, Erde ausgehoben, Stämme angepasst, Nägel im Holz unsichtbar versenkt. Und Elvira Becker, gelernte Einzelhandelskauffrau im Möbelgeschäft, schloss letztlich alle Fugen mit einer speziellen Holzpaste. Dass Beckers dafür auch noch einen Teil ihres Jahresurlaubes opferten, macht den Sandkasten noch wertvoller.

Die große Spielkiste stellt einen ersten Schritt zu einem Schulhof dar, der den Schülern der Stephan-Gruber-Schule und der Mira-Lobe-Schule weitere kindgerechte Spiel- und Bewegungsangebote bieten soll. Denn noch ist der große Freiluft-Pausenraum wenig einladend, sich kreativ oder spielerisch vom Unterricht zu erholen. „Da gibt es noch viel zu tun“, erinnert Jutta Meier an weitere Anstrengungen, dem Schulträger zu verklickern, wie wichtig bewegungsfreundliche Schulhofgestaltung ist.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare