„Klitzekleines Zeichen“ fürs Ehrenamt

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250 Besucher lauschen in der Bürgerhalle den Vorträgen.

Eppertshausen - „Zu viele Leute sitzen derzeit in der Loge und schauen nur zu. Die sollen zumindest als passives Mitglied einen Beitrag zahlen und den Ehrenamtlichen ab und zu auf die Schulter klopfen.“ Von Michael Just

Deutliche Worte fand Norbert Kartmann (CDU) in einigen seiner Sätze beim Neujahrsempfang der Gemeinde Eppertshausen. Der Präsident des hessischen Landtags war als Festredner geladen. Sein Thema: „Das Ehrenamt – Säule unserer Gesellschaft“.

Bevor Kartmann in der mit 250 Besuchern gefüllten Bürgerhalle zu diesem wichtigen Stützpfeiler der Gesellschaft etwas sagte, standen die musischen Künste im Vordergrund. Werner Utmelleki sang und spielte am Klavier. Es folgte ein Rück- und Ausblick von Bürgermeister Carsten Helfmann. Die guten Nachrichten kamen vorneweg: Die Gewerbesteuer stieg durch die Ansiedlung neuer Firmen im Park 45 von einer auf 1,89 Millionen Euro. „Damit ist sie hoch wie nie zuvor“, berichtete Helfmann. Auch die Schulden der Gemeinde seien weiter abgebaut worden. Und das ganz ohne Konsolidierungsprogramm. „Mit 9,021 Millionen Ausgaben bei 8,874 Millionen Einnahmen sind wir zwar immer noch nicht ausgeglichen, aber mit einem Defizit von 146.000 Euro jammern wir auf hohem Niveau“, sagte der Verwaltungschef.

Zwei Probleme nimmt Eppertshausen trotzdem mit ins neue Jahr: Noch fand sich kein Hausarzt, der sich im Ort niederlassen will. Und eine Einkaufsmöglichkeit für den täglichen Bedarf bleibt auf dem Franz-Gruber-Platz vorerst ebenfalls nur ein Wunsch. Wie Berechnungen ergaben, würde sich ein Geschäft nur rentieren, wenn täglich 200 Personen für mindestens zehn Euro einkaufen.

Für 2013 sind Konzepte geplant für einen Unterstand am Haus Westermann sowie ein Friedwald für Waldbestattungen (Kosten: 100.000 Euro). Dazu soll das WC an der Bürgerhalle verkleidet werden und Lagerplatz für Vereinsutensilien bieten. Weitere Sicherheit zieht auf der Hauptstraße ein: Mit dem Ankauf und Abriss eines Teilgebäudes soll der Gehweg weiter wachsen.

Dann lauschten vor allem die Vereinsvertreter den Worten von Landtagspräsident Kartmann. Der sagte, dass es als Motivation fürs Ehrenamt mehr Lob und Dank bräuchte. Neben dem Ehrenamt gebe es allerdings noch einen anderen „Kitt“, der die Gesellschaft zusammen halte: Der richtige Umgang der Menschen untereinander. Zwar sei produktiver Streit für den Fortschritt nötig, stets müsse aber eine Streitkultur – mit der Betonung auf „Kultur“ – für den respektvollen Umgang gewahrt bleiben. Ehrenamt und Vereine förderten die Persönlichkeitsentwicklung, soziale Kompetenz, Rücksicht und Toleranz. Vor allem Vereine entpuppten sich für die Gesellschaft als wichtiges Erziehungsinstrument.

Bei der anschließenden Fragerunde blieb Kartmann einige Antworten schuldig. Ein Bürger fragte ihn, ob es nicht an der Zeit wäre, Vorstände aus der direkten Haftung gegenüber Finanzamt oder Gericht herauszunehmen. Das halte immer wieder von einer Amtsübernahme ab. Hier musste der Politiker vermelden, dass diesbezüglich wenig in Vorbereitung sei. 2013 würde ohnehin erstmal gewählt. Auch zu steuerlichen Vorteilen zeigte er sich reserviert.

Die Kritik des Feuerwehrvereinsvorsitzenden Jürgen Müller, dass die Ehrenamtscard nur an wenigen Stellen akzeptiert wird, und deshalb die Frage aufkommt, wie ernst und tiefgreifend diese gemeint ist, wies Hartmann zurück. Unter tiefgreifend verstehe er nicht, dass die Politik viel Geld in die Hand nimmt, um Privilegien zu erarbeiten. Eher gehe es um ein „klitzekleines Zeichen“, mit dem man zufrieden sein kann oder auch nicht: „Es gab Zeiten, da hat es die Card noch nicht gegeben.“ Die abschließende Botschaft: Für das Ehrenamt sollte auch weiterhin die persönliche Überzeugung im Vordergrund stehen.

Quelle: op-online.de

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