Eppertshausen

Nicht nur alle zehn Jahre wie in Bayern

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Passionsspiele gehen in die zweite Rund.

Nach dem großen Erfolg vor drei Jahren gehen die Eppertshäuser Passionsspiele am Karfreitag in die zweite Runde. Bei den Passionsspielen in Oberammergau liegen zwischen jeder Aufführung zehn Jahre. In Eppertshausen muss man nicht ganz so lange warten.

Eppertshausen - Nach der Premiere 2006 ist es seit wenigen Wochen offiziell, dass es dieses Jahr am Karfreitag eine Neuauflage gibt. Für ihre Entscheidung waren den Regisseurinnen um Gisela und Sigrid Belzer gleich zwei Gründe wichtig: Zum einen fällt Ostern Mitte April dieses Jahr sehr spät, so dass man wetterbedingt auf milde anstatt kühle Temperaturen für die Freiluftaufführung hofft. „Die nächste, ähnlich späte, Möglichkeit wäre erst wieder 2012“, führt Gisela Belzer an. Zum anderen sei es der Wunsch von Schauspielern gewesen, mit einer Neuauflage nicht über Jahre zu warten: „Wir werden doch immer älter“, zitiert sie schmunzelnd die Befürchtung einiger Akteure.

Für Mutter und Tochter kommt noch ein dritter, persönlicher Grund hinzu: Nach drei Jahren haben die beiden wieder Lust, sich der großen Herausforderung zu stellen, die 2006 nach vorsichtigen Schätzungen der Feuerwehr rund 3 000 Besucher und sogar TV-Teams nach Eppertshausen zog. Alles habe sich nun ein wenig gesetzt. Bei einigen Beteiligten seien die Nachwirkungen noch Monate danach spürbar gewesen. Dazu hat in der Folge auch ein Stammtisch beigetragen, der sich bis heute trifft und sogar Ausflüge unternimmt.

Wie Sigrid Belzer sagt, sei der Organisationsaufwand diesmal nicht ganz so groß: „Der gesamte Kleiderfundus ist noch erhalten und auch die Kulissen lagern noch in einer Scheune.“ Auch bei den Schauspielern kann man auf den Großteil der bewährten Akteure zurückgreifen. Selbst die wichtigste Person, Jesus von Nazareth alias Wolfgang Lüddicke, der vor drei Jahren seine Rolle als einmalige Sache ansah und eigentlich das Feld - oder besser gesagt das Kreuz - einem anderen überlassen wollte, hat nach einiger Bedenkzeit vor wenigen Tagen wieder zugesagt. Mit seinen natürlichen, langen Haaren und dem Bart verkörperte er damals optisch für viele das perfekte Jesusabbild. „Beim letzten Friseurtermin hat sein Barbier zu stark die Schere angesetzt, aber bis Ostern passt das wieder“, lachen die beiden Frauen.

Auch diesmal werden die Passionsspiele durch ein Großaufgebot an Schauspielern bestimmt: 80 Akteure stehen auf der Liste, dazu 150 Sänger von fünf Eppertshäuser Chören. Hinzu kommen die Orchestermusiker des OWK. Laut Gisela Belzer solle es in diesem Jahr zudem auch etwas weniger Text geben. Trotzdem rechne man mit einer Aufführung von zweieinhalb bis drei Stunden. Die Handlung umfasse erneut verschiedene Stationen wie den Einzug Jesu in Jerusalem, die Tempelreinigung samt -predigt oder das letzte Abendmahl.

Verändern soll sich die Beschallung: Sie war vor drei Jahren das einzige Manko einer ansonsten beeindruckenden Aufführung. Viele der 3 000 Besucher hörten nichts, da Verstärker zu schwach waren oder einige Akteure ohne Mikrofon agierten. Das soll jetzt mit einer professionellen Übertragungstechnik anders werden. Um die einzelnen Herausforderungen zu meistern, wurden erneut diverse Arbeitsgruppen gebildet, die sich um Bühnenbau, Technik, Kostüme, Absperrung oder die Finanzierung kümmern. „Den Gruppen stehen kompetente Leute vor, die freie Hand haben. Bei allen kann ich mich absolut darauf verlassen, dass das gut wird“, so Gisela Belzer. Zum Anfang des Jahres sind nun auch die Proben angelaufen, die zuerst in kleinen Gruppen stattfinden.

Die Inspiration für Passionsspiele holte sich die 61-Jährige einst bei einem Sizilienurlaub, wo man den Leidensweg Christi äußerst emotional umsetzte. Dass man an den Erfolg von 2006 anschließen kann, davon sind Mutter und Tochter überzeugt - nicht zuletzt, weil Eppertshausen inklusive dem Bürgermeister, der erneut einen Hohepriester spielt, hinter ihnen stehen. So wurde der jüngste Aufruf, dass es jetzt Zeit wird, sich Bärte wachsen zu lassen, gleich umgesetzt. Wenn die nächsten Tagen der eine oder andere Eppertshäuser etwas ungepflegt daher kommt, hat dies einen einfachen Grund: Der Karfreitag und die zweiten Eppertshäuser Passionsspiele sind nicht mehr allzu fern.

(Michael Just)

Quelle: op-online.de

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