„Nichts ist intimer als Sterben“

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Hospizhelferinnen in Eppertshausen agieren auf kurzem Weg und völlig

Eppertshausen - Die Menschen werden immer älter, das zeigen auch die Einwohnerstatistiken aus Eppertshausen und Münster. So schön es ist, ein langes Leben genießen zu dürfen, so treten mit zunehmendem Alter doch bisweilen Probleme auf, die auch Angehörige stark belasten können. Von Jasmin Frank

 Häufig sind ältere Menschen auf Hilfe und Pflege angewiesen, die von den zum Teil selbst schon älteren Verwandten nicht immer gestemmt werden können. Kommen dann noch schwerwiegende Krankheiten hinzu, sind die Angehörigen schnell überfordert, insbesondere wenn deutlich wird, dass das Lebensende des betreuten Familienmitglieds naht.

In solchen Fällen greifen Hospizhelfer ein, so können sich Betroffene an den ökumenischen Hospizverein Groß-Umstadt wenden, der in der gesamten Region mit ehrenamtlichen Helfern vor Ort ist. Eine Ausnahme bildet Eppertshausen, wo darüber hinaus noch zwei Frauen unabhängig aktiv sind. „Selbst in dieser Hinsicht sind wir ein kleines gallisches Dorf“, lacht Sueli Küpper-Tetzel und fügt erklärend hinzu: „Wir wollen unbürokratisch und auf kurzen Wegen helfen. Wenn wir angesprochen werden, kommen wir sofort und müssen uns nicht abstimmen. Zudem haben die Betroffenen es bei uns stets mit den selben Personen zu tun und müssen sich nicht auf wechselnde Besucher einstellen.“

Sowohl Küpper-Tetzel als auch ihre Kollegin Christa Wagener arbeiten in Eppertshausen im Bereich der Ökumene und haben Kontakt mit den Seniorenkreisen ihrer jeweiligen Gemeinden. Die beiden engagierten Frauen haben vor neun Jahren eine mehrmonatige Ausbildung absolviert, in der sie die verschiedenen Facetten der Hospizarbeit kennenlernten.

„Neben der Begleitung der Kranken ist auch die Trauerarbeit mit den Angehörigen ein Aspekt. Besonders der Umgang mit den Betroffenen selbst ist nicht immer einfach, denn jeder Mensch ist natürlich anders und braucht eine individuelle Betreuung“, erzählen die beiden. Während einige Personen gerne Körperkontakt haben und es genießen, wenn man ihnen die Hand hält, gibt es auch andere Beispiele: „Ein alter Herr sagte einmal zu mir: ‚Mädchen, du kannst bleiben, aber setz dich da hinten hin.’ Er wollte zwar nicht alleine sein, aber es sollte ihm auch niemand zu nahe kommen“, erinnert sich Wagener und Küpper-Tetzel meint: „Es gibt nichts Intimeres als das Sterben.“

Beide Frauen stehen ganz offen zu ihren Gefühlen für ihre Mitmenschen und lassen diese auch zu. „Natürlich vermissen wir die Patienten, gerade wenn wir sie über einen längeren Zeitraum betreut haben. Und wenn wir traurig sind, dann weinen wir eben, warum auch nicht“, sagt Küpper-Tetzel. Die Helferinnen haben schon sehr intensive Erlebnisse gehabt, so lachen und weinen sie mit den Betroffenen, reden mit ihnen und lassen erzählen. Oder sie beten und singen, je nachdem, was der Patient sich wünscht. „Eine Dame wollte im Hochsommer mit mir das Weihnachtslied ‚Macht hoch die Tür, die Tor macht weit’ singen. Ich fand das ungewöhnlich, aber habe trotzdem mit ihr gesungen. Und während wir gemeinsam sangen, ist sie gestorben“, berichtet Wagener.

Beide sehen sich als Lebensbegleiter und haben gelernt, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Sie wissen auch, dass sie nicht nur den Betroffenen Erleichterung verschaffen, sondern auch den Angehörigen. „Meine Mutter wird von Frau Wagener regelmäßig besucht und ich bin ihr sehr dankbar dafür. Es ist für mich und meine Geschwister eine große Entlastung, dass außer uns noch jemand da ist, der sich um sie kümmert. Sie ist zwar kein wirklicher Hospizfall, aber durch ihre zunehmende Demenz ist der Umgang mit ihr für uns alle sehr schwierig“, erzählt Inge Ende-Seidel ganz offen. Sie freut sich, dass Christa Wagener von selbst Kontakt zu der 92-jährigen Dame gesucht hat, als diese sonntags nicht mehr in der Kirche erschien. Nun weiß sie ihre Mutter in guten Händen. „Für viele Angehörige ist alleine schon das Zuhören sehr schwierig, da sie alle Geschichten schon viele Male gehört haben und zudem gerne korrigieren, wenn eine Erinnerung nicht mehr mit den Tatsachen übereinstimmt. Uns als neutralen Personen fällt es nicht schwer, einfach alles anzunehmen, was die alten Menschen loswerden wollen“, so Wagener. Sie ist sich mit ihrer Kollegin einig: Sie geben nicht nur, sondern bekommen auch viel zurück und lernen aus der Vergangenheit der Menschen.

Wer sich über die Hospizarbeit informieren möchte, kann das bei den Kirchengemeinden oder dem Hospizverein Groß-Umstadt tun:

‹www.hospiz-umstadt.de

‹www.st-sebastian-eppertshausen.de

‹www.kirche-eppertshausen.de.

Quelle: op-online.de

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