Nützlich bei Skatabend und Bankensoftware

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Seit einer Woche ist "Zauberlehrlinge und Zahlen" von Günter Fanghänel zu haben. Er hat sich über Jahre mit Mathematik beschäftigt.

Eppertshausen - „Ohne Zahlen ist unser Leben undenkbar“ – mit diesen Worten beginnt das Buch von Günter Fanghänel. Mit Hilfe der Kinder Susi und Peter bringt er seinen Lesern „von zwölf bis 92 Jahren“ die weite Welt der Zahlen näher – seit wenigen Tagen ist die Arbeit an seinem Buch „Zauberlehrlinge und Zahlen“ abgeschlossen, es steht in den Regalen der Buchläden. Von Alexander Klug

Dabei führt der 73-Jährige den Zahlennachwuchs behutsam an die Mysterien heran, die die Mathematik bereit hält: Da zählt die kleine Susi die Hühner auf dem Hof und fragt sich, was wohl nach der Zahl Hundert kommt; auch dass es davon – Zahlen, nicht Hühner – unendlich viele gibt, bleibt nicht unerklärt. Ob Schlossherren, Bremer Stadtmusikanten oder zwei Stück Kuchen für drei Kinder; der Eppertshäuser versucht auf den 158 mit Text, Zahlen und Schaubildern gefüllten Seiten, Theorien und Probleme durch Beispiele verständlich zu machen.

Durch derlei Werbung will Fanghänel die Mathematik von ihrem oft wenig schmeichelhaften Ruf befreien. „Sie wird in so gut wie allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft gebraucht“,erläutert er. Ob komplexe Zahlen in der Elektroindustrie, die Darstellung und Vorausberechnung wirtschaftlicher Entwicklungen oder Primzahlen für Verschlüsselungs-Software der Banken.

„Dass wir in Deutschland Probleme mit dem Nachwuchs in naturwissenschaftlichen Berufen haben, liegt auch daran, dass man sich hierzulande damit brüsten kann, schlecht in Mathe gewesen zu sein“,merkt der promovierte Zahlenexperte an. Selbst beim wöchentlichen Treffen des Eppertshäuser Skatclubs „Reizende Buben“ kommt ihm seine Liebe zu den Zahlen zugute: „Es ist schon geschickt, sich mit Kombinatorik auszukennen und ein gutes Zahlengedächtnis zu haben“,meint Fanghänel und lächelt. „Aber ich kenne auch gute Mathematiker, die miserabel Skat spielen und ausgezeichnete Skatspieler, die keine Ahnung von Mathe haben.“

Wegen ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten will er vor allem die Jugend für die Mathematik gewinnen. Bei der Werbung fürs Mathematische und seine Bedeutung würden viele Lehrer keine gute Figur machen, meint der Zahlenforscher im Ruhestand: „Die Kinder werden in der Schule zu sehr darauf trainiert, ein bestimmtes Schema immer wieder anzuwenden, um eine mathematische Behauptung, die scheinbar vom Himmel gefallen ist, zu beweisen“,meint Günter Fanghänel. Dabei seien eher Kreativität und eigenständiges Denken gefragt als monotones „Nachbauen“ von Lösungen. „Dann ist die Chance, dass Neugier und Spaß am Rechnen aufkommen, viel größer“,weiß der Mathematiker. Doch kenne er auch eine Menge Mathelehrer, die das beherzigten und so für Motivation sorgen. „Es gibt ganze Klassen und sogar Schulen, die bessere Noten und mehr Spaß am Rechnen haben als andere“, stellt er fest.

Sie will er mit seinem Buch unterstützen. Auch wenn schon viel geforscht worden ist, gibt es noch reichlich Faszinierendes und unbeantwortete Fragen in der Mathematik“, erzählt der ehemalige Lehrer. Zum Beispiel weiß immer noch niemand, wie die Primzahlen verteilt sind; auch sogenannte vollkommene und befreundete Zahlen geben nach wie vor Rätsel auf – sein Buch gibt einen anschaulichen Vorgeschmack darauf.

Seit 2002 hat der Eppertshäuser an seinem Werk gearbeitet, damals verabschiedete er sich aus einem Frankfurter Wirtschafts- und Steuerberatungsbüro in den Ruhestand. „Die eigentliche Schreibarbeit hat am Ende ungefähr ein Jahr gedauert“, erzählt Fanghänel. Um Kosten zu sparen, hat er sich um vieles selbst gekümmert: Das Layout stammt von ihm, die Illustrationen haben ein Freund und Bruder Hartmut beigesteuert. „Jetzt, wo es fertig ist, habe ich es auch anderen Mathematikern geschickt und bin auf ihre Reaktionen gespannt“,sagt Fanghänel schmunzelnd.

Daten

Das Buch "Zauberlehrlinge und Zahlen" von Günter Fanghänel ist für 11,55 Euro im Buchhandel zu haben (ISBN 9783837083279). Fanghänel wurde 1935 in Thüringen geboren und war bis 1966 Lehrer an einem Gymnasium. Bis 1991 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften Berlin, bevor er 1993 zu einer Frankfurter Wirtschafts- und Steuerberatung wechselte und nach Eppertshausen zog.

Quelle: op-online.de

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