Im Club fehlen junge Senioren und Männer

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40 Jahre Seniorenclub hieß es diese Woche. Adam Knöpp unterhielt die Gäste musikalisch.

Eppertshausen (mj) - Ein ganz besonderes Jubiläum sollte in Eppertshausen begangen werden: Der Ökumenische Seniorenclub feierte in gemütlicher Runde seine Gründung vor 40 Jahren.

Die Feier begann mit einem Gottesdienst, danach gab’s ein Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen im Gasthaus Valentins. Der Harpertshäuser Alleinunterhalter Adam Knöpp griff in die Tasten seines Akkordeons und sorgte für Lieder zum Mitsingen und Schunkeln.

Rund 35 bis 40 Personen bringt der Club, bei dem jeder willkommen ist, wöchentlich zusammen. Dann werden Neuigkeiten ausgetauscht, Karten und Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt oder es werden die Eppertshäuser Veranstaltungsfilme von Günter Maier geschaut. Dreimal im Monat ist die Gaststätte Valentins der Treffpunkt, einmal das evangelische Gemeindehaus. Große Vorfreude ruft stets auch der Tagesausflug mit dem Bus hervor, der einmal im Jahr ansteht. Elisabeth Seibel und Claudia Schöning fungieren in der Runde als eine Art Vorsitzende. Die älteste Teilnehmerin heißt Katharina Körner und ist 94 Jahre alt.

Der Gründung des Clubs lag vor vier Jahrzehnten ein edles Ziel zugrunde: „Wir wollten vor allem der Kriegsgeneration etwas bieten. Damals gab es in Eppertshausen Frauen, die den Ort noch nie verlassen hatten“, erzählt Brigitta Schneider. Die ehemalige katholische Gemeindereferentin zählt zu den Gründungsmitgliedern.

Fotos dokumentieren Geschichte des Ökumenischen Treffs

Der erste Treffpunkt war das örtliche Jugendheim. Bald schnellte die Resonanz auf 70 Personen nach oben und es wurde eng. 1975 folgte der Umzug ins Haus Valentin. Als der Club entstand, war Schneider 31 Jahre alt, heute ist sie 71. Über die Jahre hat sie vieles schriftlich dokumentiert und fotografiert. Vier dicke Fotoalben sprechen Bände. Es braucht einige Minuten, bis sie die vielen Ausflugsziele aufgezählt hat, die unter anderem in den Frankfurter Palmengarten, den Zoo, zum Flughafen, das Kloster Münster-Schwarzach, zum Opel-Werk, in Kurorte wie Bad Orb und Bad Nauheim oder in die Würzburger Gegend, etwa zu einer Greifvogelschau, führten. Jahrelang machte sie den ausgewählten Gaststätten und Cafés einen Vorbesuch, damit die Senioren beim Ausflug keine unliebsamen Überraschungen erlebten.

Zu Beginn wurde mit zwei Bussen gefahren, heute reicht einer. Die Resonanz ist nicht mehr ganz so stark wie früher. „Uns fehlen die jungen Alten. Viele Rentner sind heutzutage noch fit, fahren Auto und fühlen sich zu jung für den Club“, weiß Seibel. So sind stets „Personen über 70 Jahre und jünger“ willkommen. Das klingt komisch, signalisiert aber, dass man flexibel mit der Altersgrenze nach unten umgeht.

Wünschenswert wären auch mehr Männer. Existierte früher mal einen Stammtisch, sind die Herren der Schöpfung derzeit komplett Fehlanzeige. Die meisten Männer starben im Lauf der Zeit, dann kam niemand mehr nach. Nur August Seibel ergänzt manchmal die Frauenrunden. Als Chauffeur holt er im Gemeindebus jene ab, die eine Fahrgelegenheit brauchen. „Der Pfarrer sagt dann immer, dass ich mich dazusetzen soll“, erzählt er lachend. Auch wenn der Zustrom ein bisschen weniger geworden ist und die Männer fehlen, ist der Seniorenclub eine Erfolgsgeschichte. Neben dem jährlichen Busausflug gibt es noch eine Weihnachtsfeier, zu Beginn des Jahres ein Sektempfang, ein Faschingsnachmittag, Seniorenkino in Münster. Und am letzten Mittwoch des Monats werden als ganz besonderes Schmankerl die Geburtstagskinder des Monats gefeiert. Die 86-jährige Martha Gillner spielt dazu Akkordeon. Hat Pfarrer Harald Christian Röper Zeit, schaut er ebenfalls vorbei. Die Bedeutung des Club sieht er in einem beispielhaften Miteinander: „Die Leute nehmen sich Zeit füreinander und werden dabei gemeinsam alt.“

Quelle: op-online.de

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