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OFC-Fanclub Eppertshausen: Die Treuesten der Treuen

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Hatten am allen Grund zur Freude: Die Eppertshäuser OFC-Fans, die einen 1:0 Sieg ihrer Mannschaft im Stadion erlebten.

Eppertshausen/offenbach - Pokalspiele werden im Fußball wegen ihrer Überraschungen geliebt. Ein Außenseiter kann über sich hinauswachsen und einer höherklassigen Mannschaften ein Bein stellen. Von Michael Just 

Dementsprechend groß war am Dienstagabend die Spannung beim Eppertshäuser OFC-Fanclub, als dieser sich zum Pokalspiel gegen den Karlsruher SC ins Sparda-Bank-Hessen-Stadion aufmachte. Unsere Zeitung begleitete sie dabei. Der Weg ins Stadion ist für den harten Kern des Fanclub immer gleich: Gunni Ebert, Michael Hug, Hubert Lambert und Willi Trux treffen sich bei Bruno Ries und fahren dann gemeinsam los. Auf der Ost-Tribüne sitzen sie in mittlerer Höhe hinter dem Tor. Als um 19.15 Uhr der Anpfiff von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus erfolgt, ist die Truppe begeistert. „Heute sind 16.000 im Stadion, sonst sind es um die 5 000“, sagt Vorsitzender Willi Trux. Wie er hinterherschickt, könne sich der OFC auf eine treue Fanschar verlassen, die so manches Auswärts- zum Heimspiel macht, wenn mal wieder die Farben Rot-Weiß überwiegen. Dazu tragen auch regelmäßig die Eppertshäuser Fans bei.

Auf ihren Schalensitzen sind im OFC-Stadion zum Teil sogar die Namen von Trux und Co zu lesen. Das kommt aus dem Jahr 2011, als ihr Lieblingsverein bei der Fertigstellung des Stadions die Kampagne „Be First - Sei Erster“ startete. Damals wurden alle Dauerkarten-Käufer mit freier Platzwahl, samt Namensetikett, belohnt. „Ich weiß noch, wie der Startschuss auf der Haupttribüne fiel und einige von uns auf ihre Wunschplätze losstürmten“, erinnert sich Trux lachend. Seine nahen und fernen Sitznachbarn kennt er alle, auch die, die nicht aus Eppertshausen sind. „Größtenteils haben wir schon im alten Stadion zusammengesessen. Wenn einer fehlt, dann fällt das sofort auf“, sagt der 67-Jährige.

1968 gegründet

Unten auf dem Rasen haben in der ersten Halbzeit die Gäste aus Karlsruhe die Oberhand. Als sie einmal zwei Meter vor dem Tor eine „Hundertprozentige“ verschenken, müssen auch die Eppertshäuser OFC-Fans durchatmen. In der Halbzeit sehen die das torlose Ergebnis positiv: „Wir haben ein 0:0 gehalten“, meint Trux. Der Eppertshäuser OFC-Fanclub ist einer der allerersten in Deutschland. 1968 gegründet, dachte zu dieser Zeit im Rest der Republik noch kaum jemand an organisierte Fankultur. Deshalb geht man sogar davon aus, der älteste Fan-Verbund in der Bundesrepublik zu sein. Bisherige Recherchen haben zumindest noch keine Jahreszahl anderer Fan-Clubs - selbst von Bundesliga-Vereinen - ergeben, die älter sind. „Bei der Eintracht auf keinen Fall“, wirft Trux ein und gönnt sich damit einen kleinen Seitenhieb auf den Erzrivalen vom Main.

Dann relativiert er aber fair die momentanen Verhältnisse: „Mit vierter und erster Liga trennen OFC und Eintracht derzeit Lichtjahre“. Momentan zählt der Fanclub 25 Mitglieder. Der Kontakt nach Bieber und zu OFC-Geschäftsführer David Fischer ist eng. Dieses Jahr kamen die Kickers vor der Saison zu einem Vorbereitungsspiel vorbei. Gegen die erste Mannschaft des FVE gab’s ein deutliches 15:0. Groß ist die Freude, wenn Lizenzspieler zur Weihnachtsfeier kommen. Jan Biggel war im letzten Jahr da. Den 24-Jährigen, einer der jüngsten im Team, schlossen die Eppertshäuser gleich in ihr Herz. „Es ist unser Bub“, sagt Trux und erzählt, dass wenn er gefoult wird, immer besonders laut geschimpft wird.

OFC-Fotoaktion: Die besten Bilder der Kickers-Fans

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Die 63. Minute eröffnet eine Sternstunde für alle OFC-Fans: Benjamin Pintol trifft zum 1:0. Der Berg bebt und alle Rot-Weißen liegen sich in den Armen. Bis auf einen Freistoß, wo es nochmal die Luft anzuhalten gilt, kommt der KSC nicht mehr gefährlich vors Tor. Nach dem Schlusspfiff eilen die Eppertshäuser keinesfalls schnell zum Auto: Sie wollen den Moment samt dem Song „An Tagen wie diesen“, der durch die Lautsprecher tönt, genießen.

Über das Erreichen des Achtelfinales freut sich auch Günter Luckhaus (66), Sitznachbar von Willi Trux. Der eingefleischte OFC-Fan war vor dem Anstoß skeptisch, ob ein Weiterkommen für die Kickers überhaupt sinnvoll ist. „Ich bin der Meinung, wir sollten unsere ganze Kraft in den Aufstieg stecken“, sagte er 90 Minuten zuvor. Im Freudentaumel mit den Eppertshäuser Nachbarn revidiert er das nun: „Das war vernünftig gedacht. Man muss aber nicht immer vernünftig denken.“

Kickers-Fans erstligareif

Kickers-Fans erstligareif

Quelle: op-online.de

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