Vortragsabend des OFC-Fanclubs Eppertshausen

Ein Plakat fürs Kickers-Museum

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OFC-Trikots aus einer anderen Epoche waren beim Vortragsabend zu sehen: Fanclub-Vorsitzender Willi Trux (von links), Fußball-Historiker Harald Spoerl, stellvertretender Fanclub-Vorsitzender Kersten Grimm sowie Thorsten Franke, Geschäftsführer des Kickers-Fanmuseums, präsentierten diese. Das Plakat (links) aus dem Jahr 1970 kommt ins Museum.

Eppertshausen - Im nächsten Jahr feiert der OFC-Fanclub Eppertshausen sein 50-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „Manchmal werden Träume wahr“ fand nun schon ein Vortragsabend statt. Von Michael Just

Es war 1970, als Kickers Offenbach in der Aufstiegsrunde zur 1. Fußball-Bundesliga beim VfL Bochum antrat. Der Eppertshäuser Willi Trux war damals im Ruhrstadion dabei und erlebte den 2:1-Sieg der Hessen hautnah mit. Als Erinnerung an den wunderbaren Tag nahm er sich ein Ankündigungsplakat des Spiels als Souvenir mit nach Hause.

„Jahrelang hing es bei mir unterm Dach“, erzählt der 70-Jährige, der seit Kindesbeinen an OFC-Fan ist. Nun entschloss er sich zu einem besonderen Schritt: Das geschichtsträchtige Stück soll zukünftig im Kickers-Fan-Museum die Besucher erfreuen. Die Gelegenheit zur Übergabe ergab sich vor wenigen Tagen im TAV-Heim. Dorthin hatte der Eppertshäuser OFC-Fanclub, dessen Vorsitzender Trux ist, zum Vortrag „Manchmal werden Träume wahr“ geladen. In ihm thematisiert der Offenbacher Fußballhistoriker Harald Spoerl die spannenden und unvergessenen Aufstiegsspiele des Traditionsvereins von 1968 bis 1972 in die erste Fußball-Bundesliga. Bei seinen Ausführungen hing das Plakat von Trux an der Wand und schuf einen Hintergrund, der nicht besser hätte passen können.

Seinen Rückblick begann Spoerl mit der Gründung der Bundesliga 1963. Der haftete ein Beigeschmack an: Denn welche Vereine zukünftig in der höchsten deutschen Liga kickt, errechnete der DFB anhand einer zweifelhaften Arithmetik aus Platzierungen der Vergangenheit. „13 Vereine klagten danach aufgrund ihrer Nichtberücksichtigung“, berichtete Spoerl. In den sauren Apfel biss auch der OFC. Da es bis dahin noch keine zweite Liga gab (die wurde erst 1974 mit der Einteilung in Nord und Süd eingeführt), musste der Weg über die schwierigen Aufstiegsspiele der Erst- und Zweitplatzierten aus den unterschiedlichen Regionalligen erfolgen. ,,So gelang erst 1968 im dritten Anlauf der Sprung ins Fußball-Oberhaus“, erläuterte Spoerl. Danach arbeiteten die Kickers an ihrem Ruf als Fahrstuhlmannschaft: 1969 stieg das Team gleich wieder ab, 1970 erneut auf, 1971 wieder ab und 1972 zum dritten Mal auf. Danach hielt sich man sich mit teilweise beeindruckenden Partien, darunter einem 6:0 gegen Bayern München, bis 1976 in der Bundesliga. 1983/84 wurde zum letzten Mal für ein Jahr „erstklassig“ agiert.

Kickers-Fans erstligareif

Der Vortrag im TAV-Heim fiel auf ein großes Interesse: Knapp 40 Eppertshäuser lauschten der OFC-Geschichte, die schon erfolgreichere Tage als die derzeitige Präsenz in der Regionalliga kannte. So weckte Spoerl gerade bei den älteren Fanclub-Mitgliedern Reminiszenz und Wehmut zugleich. Den sensationellen Gewinn des DFB-Pokals 1970 baute der Referent ergänzend in den Abend mit ein.

Spoerl engagiert sich neben seinen Forschungen in der OFC-Historie auch als ehrenamtlicher Archivar im Kickers-Fanmuseum. Dem steht Thorsten Franke als Geschäftsführer vor. Spoerl und Franke kamen zusammen nach Eppertshausen und sorgten für eine Überraschung: Im Gepäck hatten sie mehrere OFC-Trikots aus den Anfangsjahren der Bundesliga. So stammte ein Trikot von einem Balljungen, das dieser von Fußball-Ikone Siggi Held nach dem Spiel geschenkt bekam. Die Leibchen waren damals noch recht schlicht und ohne Werbung versehen. Im Verlauf der Zeit änderte sich die Verbindung von Kommerz und Fußball grundlegend. Festmachen lässt sich das auch an der kaum noch vorhandenen Vereinstreue der Spieler. So fand Spoerl anhand alter Mannschaftsaufstellungen heraus, dass von 1901 bis 1945 weniger OFC-Spieler den Verein wechselten, als das heute in nur fünf Jahren der Fall ist. „Mittlerweile wird ja für jede Saison eine zu weiten Teilen neue Mannschaft präsentiert“, führte er an. Interessant ist für ihn die aktuelle OFC-Kampagne „Kult sind wir“. „Wie lange sind wohl jene Leute noch da, die diesen Satz erfunden haben?“, fragte er. Für Spoerl repräsentieren vor allem die Fans das wahre Bild des OFC. „Uns kriegen sie nicht los“, brachte es der Fußball-Historiker auf den Punkt. Das trifft auch auf Willi Trux zu. Seine Kickers-Verbundenheit über Jahrzehnte samt dem Plakat von 1970 sind dafür ganz geschichtsträchtige Beweise.

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Quelle: op-online.de

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