Vertragswerk mit der Kirche

„Ohne Hort brennt bald die Hütte“

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Hinterm Baugerüst steckt Eppertshausens Pfarrhaus, in trockenen Tüchern ist es als Standort für den Hort noch nicht.

Eppertshausen - Wer dachte, der Vertrag mit der katholischen Kirche als Träger des Hortes für die Gemeinde sei schnell unter Dach und Fach und die Gemeindevertretersitzung – zusammengekommen nur wegen dieses einzigen Tagesordnungspunktes – eben so rasch beendet, sah sich getäuscht. Von Thomas Meier 

Ein Jahr währt das Gezacker um den Betrieb von Kindertagesstätte und Hort mit der katholischen Kirche bereits. Und auch wenn bereits Ende Mai der Vertrag für die Kindertagesstätte in St. Sebastian verlängert wurde und am Dienstagabend nach langer Debatte mit Stimmen von CDU und FDP gegen die SPD der um acht CDU-Antragspunkte ergänzte Vertragsentwurf für den Hort das Gremium passierte, so dürfte das Thema Eppertshausen noch weiter beschäftigen.

Es geht, wie bereits bei der Trägerschaft um die Kita, auch beim Hort hauptsächlich ums Geld. Bislang waren Kita und Hort in St. Sebastian untergebracht. Da die Hort-räume aber für weitere U3-Kinder benötigt werden, muss die Nachmittagsbetreuung ausgelagert werden. Zunächst sollte sie in die Mira-Lobe-Schule umziehen, der Kreis signalisierte bereits seine Zustimmung. Doch waren Elternbeirat und auch Kirche nicht mit den Ersatzräumlichkeiten einverstanden. Das gerade in Sanierung befindliche Pfarrheim wurde ins Spiel gebracht. Ins Jugend- oder ins Pfarrheim selbst sollte der Hort nun unterkommen.

Dies wiederum behagte der SPD und auch einigen Unionspolitikern nicht. Der neue Standort erschien ungeeignet, weil zu weit ab- und an der Babenhäuser Straße gelegen, die von den Hortkindern zu queren sei. Vertagt war die Angelegenheit bis Dienstag. Der Acht-Punkte-Antrag der Union wurde zunächst im Haupt- und Finanzausschuss so lange debattiert, dass die Gemeindevertreter sich erst um 20.45 Uhr (statt 20 Uhr) mit ihm auseinandersetzen durften. Um dem vorliegenden Vertrag mit der Kirche zuzustimmen, solle beispielsweise die katholische Pfarrgemeinde die gefahrlose und ungehinderte Nutzung des Eingangstores in der Babenhäuser Straße für den Zugang zum Hort sicherstellen. Für die derzeit im Jugendheim stattfindenden Angebote sollen anderweitig Räume bereit gestellt werden. Und die Pfarrgemeinde soll bis 15. Juli eine Aufstellung über die notwendigen Umbaukosten vorlegen, die für die Umgestaltung vom Jugendheim zum Hortbetrieb notwendig sind. Aus Gesprächen mit dem Architekten standen 60.000 Euro bereits im Raum, die CDU will in ihrem Antrag den Zuschuss allerdings auf maximal 4 000 Euro gedeckelt wissen. Beim Kreis soll Kostenbeteiligung beantragt werden. Ferner geht es im Antrag um ein Verkehrssicherheitskonzept, Brandschutz und Folgekosten.

Hort muss am 1. September seine Arbeit aufnehmen

Für die SPD beantragte Fraktionsvorsitzender Hans-Joachim Larem etwas ganz anderes. Weil ihnen der Standort ungeeignet erscheine, aber die Zeit dränge (der neue Hort muss am 1. September seine Arbeit aufnehmen), solle man mit dem Kreis als Schulträger in Verbindung treten, um für eine vorübergehende Betreuung der betroffenen Kinder in Räumlichkeiten der Mira-Lobe- oder der Stephan-Gruber-Schule zu sorgen. Um nicht vor großen pädagogischen Hürden zu stehen, solle dies nicht als Hort, sondern unter „Betreuende Grundschule“ firmieren, an die geringere Anforderungen gestellt würden. Außerdem solle die Verwaltung darauf hinwirken, dass die vom Kreis als Schulträger zugesicherte Herrichtung zweier Betreuungsräume in der alten Mehrzweckhalle in der Prioritätenliste des Kreises zum Schulbau- und Schulsanierungsprogramm nach vorne rücke und nicht erst 2016/17 zum Tragen komme.

Der Liberale Thorsten Weber, der seinen Optimismus, die Kuh Hort schnell vom Eis zu bekommen, zurückschraubte, erklärte: „Es geht hier nicht um eine Aufbewahrung von Kindern, sondern um qualitativ hochwertige Betreuung.“ Er stimme dem Vertrag mit der Kirche zu. Ewald Gillner befand für die CDU, der SPD-Antrag sei der Sache nicht dienlich. So passierte schließlich der Unionsantrag mit CDU/FDP-Mehrheit gegen die Stimmen der SPD, deren Antrag zuvor abgelehnt worden war. Jetzt darf man gespannt sein, ob die Kirche solchem Vertragswerk zustimmt. Wenn nicht, „brennt die Hütte wirklich bald“, wie es einer der 15 Zuschauer aus Elterbeirats- und Pfarrgemeinderatsmitgliedern im Publikum kommentierte. Denn die Zeit läuft allen davon – vor allem den Eltern der Hortkinder.

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Quelle: op-online.de

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