Goldmedaille zum Greifen nah...

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Einmal eine echte Goldmedaille berühren...

Eppertshausen - „Wie kommt man eigentlich zum Trampolinspringen?“, fragt der neunjährige Marvin neugierig, der sich mit seinem FVE-Trikot klar als Junior-Kicker vor dem unerwarteten Stargast auf dem Rasenfeld hinter dem Sportzentrum in Eppertshausen outet. Von Thomas Meier

„Ich bin schon von kleinauf gern umher gesprungen“, erwidert Olympionikin Anna Dogonadze lachend, und ihre 17-jährige Tochter Mariam ergänzt: „Das machst sie auch heute noch, auch außerhalb des Trainings.“

Es ist eine lockere Atmosphäre, als die Olympiasiegerin im Trampolinspringen von 2004 am Montagabend plötzlich beim Training der F1- und E2-Jugend erscheint. Ermöglicht hat dies Trainer Lutz Murmann, der mit Ernes Erko Kalac befreundet ist, dem Chef des Eppertshäuser Sportvereins Lotus. Und der Montenegriner wiederum ist schon lange dicke befreundet mit der aus Georgien stammenden Sportlerin, die seit 1996 in Deutschland lebt. Beide sind sie Integrationsbotschafter beim Deutschen Olympischen Sportbund, und Sport und Integration war freilich auch vor den jungen Kickern großes Thema. Denn auch in deren Reihen ist Migration kein Fremdwort.

Der „lebende Hüpfball“

Klar, dass der Ball in der Ecke liegen blieb, als der „lebende Hüpfball“ kam und zu ihrem Sport und ihrem Leben Rede und Antwort stand. Und etwas Handfestes hatte sie auch dabei, die Olympionikin: Ihre Goldmedaille wanderte schnell von Hand zu Hand, jeder wollte das Edelmetall mit so ganz besonderem Flair einmal berühren. „Wie schafft man das?“, lautete dann auch eine erste Frage. Nur durch viel Training, war unvermeidliche Antwort. Und Disziplin, Disziplin, Disziplin...

Doch Anna Dogonadze trat nicht oberlehrerhaft vor den Kids auf. Sie erzählte vielmehr lange davon, wie es ihr, die 1973 in Mzcheta in Georgien geboren wurde, erging, als sie so zwischen sieben und neun Jahre alt war, so wie nun die ihr gegenüber auf dem Rasen sitzenden Eppertshäuser Bolzbuben.

Mit sechs Jahren kam sie durch eine Tante zum Turnen und auf das Trampolin. Die leitete als Direktorin eine Akrobatenschule in der Ukraine. „Ich habe mit Kunstturnen angefangen. Mein Bruder, der Akrobatik machte, nahm mich mit zu seinem Training. Dort stand ein großes Trampolin“, erinnerte sich die Leistungssportlerin. Und: „Sofort wusste ich, dass das mein Sport sein würde.“

Olympionikin Anna Dogonadze (3. von links neben Erko Kalac und Tochter Miriam) berichtete vor dem Nachwuchs des Fußballvereins Eppertshausen von ihrem sportlichen Werdegang und warb für die Integration durch Sport. Am 4. August will die Leistungssportlerin in London erneut eine Goldmedaille auf dem Trampolin holen.

Nur kurz ging die studierte Diplomsportlehrerin, die heute in Bad Kreuznach lebt und dort beim MTV trainiert, auf die Gründe ein, warum sie ihre Heimat verließ. Bis 1988, zur Unabhängigkeit Georgiens, hätten beste Sportbedingungen in ihrer Heimat geherrscht. Für die Sowjetunion trat die Sportlerin zuvor weltweit an, doch mit der Wende wendete sich auch das sportliche Schicksal. Weil sie sich hier bessere Bedingungen erhoffte und der Liebe wegen kam sie nach Deutschland. Seit 1998 hat sie den deutschen Pass.

„In euerem Alter hab ich ganz viel trainiert“

„In euerem Alter hab ich ganz viel trainiert“, sagt die zierlich-drahtige Sportlerin. Schon zum Aufwärmen jeden Morgen eineinhalb bis zwei Stunden. Und noch heute sei ihr Aufwärmen äußerst wichtig und sie verwende viel Zeit darauf. Dies kommentierte Trainer Lutz Murmann dann auch mit einem vernehmlichen: „Hört, hört!“

Seit 30. April laufen Dogonadzes aktuelle Vorbereitungen auf die Olympiade in London. Sie will es nochmal wissen und rechnet sich durchaus vordere Plätze aus. „Es ist mein Ziel, ins Finale zu kommen“, sagt sie selbstbewusst. Viereinhalb bis fünf Stunden trainiert sie hierfür täglich. Und nur unter Aufsicht professioneller Trainer. Nur keinen dummen Fehler machen, keine Verletzung riskieren. Ganze Arbeit bescheinigt sie dabei auch ihrem Motivationstrainer. Der sei mindestens so gut wie Erko Kalac, der sie auch stets aufbaue.

Die Kinder hängen an ihren Lippen, saugen ihre Worte auf. Dogonadze lebt ihren Sport. Mit jedem Wort, mit jeder Faser ihres durchtrainierten Körpers. Das spüren die Nachwuchssportler, das war am Montag eine Trainingseinheit, die sicherlich auch als Motivation nachhaltig wirkt.

Quelle: op-online.de

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