Viel Beifall für die „harte Kost“

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Zum 40-jährigen Bestehen des Evangelischen Kirchenchors Eppertshausen/ Ober-Roden wird ein Oratorium aufgeführt. Das Festkonzert in der Waldkapelle in Eppertshausen kam bei den Zuhörern seh gut an.

Eppertshausen - Zum 40-jährigen Bestehen des Evangelischen Kirchenchors Eppertshausen/Ober-Roden wird ein Oratorium aufgeführt.

„Kunst will nicht gefallen. Sie will uns anregen, sie will etwas in uns berühren, was auch immer das sein mag. Nicht Antworten geben, sondern Fragen aufwerfen, zum Nachdenken auffordern.“ Diese Worte sind ein Zitat von Rochus Paul, der sich über seine Komposition in der Festschrift zum Konzert äußert. Auch dem Oratorium „Die Auferweckung des Lazarus“, das er zum Festtagskonzert des Evangelischen Kirchenchores Eppertshausen/ Ober-Roden schrieb, lag der Wunsch zugrunde, zum Nachdenken anzuregen.

Gleichzeitig erhoffte und wünschte sich der Komponist, dass es den Sängerinnen und Sängern Freude macht. Durch die monatelange Beschäftigung mit den Texten und der Musik bei den Chorproben wollte er es nicht nur bei einer „schönen Geschichte“ stehen lassen. „Für die meisten unserer Sängerinnen und Sänger war es sehr ungewohnt, um nicht zu sagen eine harte Kost“, erklärte Willi Böllert, Ansprechpartner des Kirchenchores. Die meisten singen Choräle und die Vorbereitungen für dieses inhaltsstarke Oratorium nahm fast ein Jahr in Anspruch“, so Böllert.

Auf 40 Jahre Chorgeschichte können die Männer und Frauen des Kirchenchores dieses Jahr voller Stolz zurückblicken. 1973 hatten Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde in Ober-Roden die Idee, einen Kirchenchor ins Leben zu rufen. Georg Gey, Cellist an der Frankfurter Oper, erklärte sich bereit, die Leitung des Chores zu übernehmen.

Zusammenschluss wegen geringer Mitgliederzahlen

1980 stand das erste große Projekt, eine geistliche Abendmusik zum Volkstrauertag auf dem Programm. Nach der Amtsniederlegung von Gey fand im Laufe der Zeit eine Umwandlung statt. 1983, im Jubiläumsjahr des Ober-Rodener Chores wurde in Eppertshausen ein Kirchenchor unter der Leitung von Annette Hoffmann gegründet. Durch geringe Mitgliederzahlen beider Chöre und die Amtsniederlegungen von Hoffmann kam im Januar 1992 der Zusammenschluss beider Chöre zum jetzigen Evangelischen Kirchenchor Eppertshausen/Ober-Roden zustande. Dem Musikstudenten Jürgen Pöschl gelang es damals, die beiden Chöre zusammenzuschmieden. Seitdem werden die Gottesdienste in beiden Gemeinden vom Chor mitgestaltet. Es folgten im Laufe der Jahre verschiedene Chorleiter, bis im Herbst 2007 der jetzige Dirigent und Pianist Rochus Paul die Leitung übernahm. Er führte die Chortraditionen fort, fordert aber auch viel Neues.

So wie jetzt, anlässlich des 40-jährigen Chorbestehens, zu dem der Evangelische Kirchenchor zwei besondere Festkonzerte geplant und zur Aufführung gebracht. Das Oratorium „Die Auferweckung des Lazarus“ aus der Feder und unter der Chorleitung von Rochus Paul stand auf dem Programm. Beginn war am Samstag in der Kapelle des Waldfriedhofs in Eppertshausen, die fast voll besetzt war. Das zweite Konzert fand am Sonntag in der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche in Ober-Roden statt. 32 Sängerinnen und Sänger des Chores standen gemeinsam mit zwei Solisten auf der Bühne. Als Sprecher des Oratoriums fungierte Pfarrer Johannes Opfermann.

„Es war nicht leicht“

Neben der schlichten Erzählung der Begebenheit übernahmen sowohl Sprecher als auch Chor doppelte Aufgaben, die auf der Meta-Ebene eine wesentliche Rolle spielten. Der Sprecher hatte in einer distanzieren Position, ähnlich einem Lehrer, den Überblick und wusste immer die Bedeutung der Handlungen und Aussagen, gelegentlich nutze er dieses Wissen, um zu belehren. Der Chor hingegen hatte die Position der persönlich Betroffenen, er repräsentierte die Menschenmengen in der Geschichte, andererseits die eigenen Gedanken und Zweifel beim Blick auf die Erzählung. So beschrieb es der Komponist Rochus Paul.

„Es war nicht immer leicht, dem Stück zu folgen“, lautete mehrfach die Feststellung der Besucher, die sich jedoch sehr beeindruckt bis überwältigt von dem Oratorium zeigten und dem Chor und dem Komponisten ihren Beifall zollten. Anschließend fanden sich die Gäste zum Sektempfang im Gemeindehaus ein, um zu fachsimpeln und den Abend Revue passieren zu lassen.

völ

Quelle: op-online.de

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