Orientieren am Pendelschlag

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Bei der Ortsbegehung mit den Behinderten Helga Langer und Frank Schäfer wurden viele Probleme in Eppertshausen thematisiert.

Eppertshausen - Sollte sich jemand schon immer mal gewundert haben, wozu die weißen Gehwegstreifen an Bahnhöfen oder Bushaltestellen gut sind, dem wird diese Frage nun auch in Eppertshausen beantwortet: Es handelt sich um Leitstreifen für Blinde oder Sehbehinderte, an Hand derer sie sich orientieren können. Von Jasmin Frank

Bisher waren solche Hilfen in Eppertshausen nicht üblich, was sich aber bald schon ändern soll, so Bürgermeister Carsten Helfmann: „Die Gemeinde möchte, dass zentrale Punkte für Behinderte besser erreichbar sind. Deshalb werden einerseits mehr Blindenleitstreifen angelegt, zum anderen werden aber auch aufwändige Gehwegabsenkungen vorgenommen, damit Rollstuhlfahrer und Rollatorbenutzer besser vorankommen. Dies nicht nur dort, wo solche Einrichtungen vorgeschrieben sind.

Test der vorhandenen Leitstreifen

Damit das Angebot optimal auf die Bedürfnissen der Betroffenen zugeschnitten werden kann, wurde eine Ortsbegehung mit Helga Langer und Frank Schäfer realisiert. Langer ist Eppertshäuserin und seit 1992 durch einen Unfall fast vollständig erblindet. Schäfer ist nicht nur Vorsitzender des hessischen Blinden- und Sehbehindertenbundes, sondern auch Behindertenbeauftragter des Landkreises. Beide testeten zunächst einmal mit Carsten Helfmann und Jürgen Geist vom Bauamt den bereits vorhandenen Leitstreifen am Bahnhof.

Für die Blinden gibt es zwei Möglichkeiten, eine solche Vorrichtung zu gebrauchen, wie Schäfer erläutert: „Man kann sich mit seinem Blindenstock in eine Rille der taktilen Steine einklinken und dann daran entlanggehen, während man den Stock vorwärts schiebt. Das hat aber den Nachteil, dass Gegenstände, die neben dem Leitstreifen stehen, nicht erkannt werden können. Deshalb nutzen die meisten Betroffenen den Pendelschlag, um über Gehör und Gefühl zu wissen, wo es lang geht.“

Mehr Sitzgelegenheiten moniert

Nach diesem Versuch ging es weiter zur Baustelle an der Hüttenstraße, wo der neue Leitstreifen eingerichtet werden soll. Hier brachte Helga Langer ein wichtiges Anliegen, nicht nur für Behinderte, vor: „Wir brauchen dringend mehr Sitzgelegenheiten im Ort. Auch ältere Leute haben häufig Probleme, die langen Strecken zu überwinden. Man kann sich nirgendwo ausruhen“, kritisierte die rüstige Dame.

Das Problem ist bei der Gemeindeverwaltung zwar schon bekannt, bislang aber noch nicht umfassend gelöst worden und wurde deshalb gleich in den Maßnahmenkatalog aufgenommen.

Herausfinden, wo Anfangs- und Endpunkte sinnvoll sind

An der Baustelle fanden sich auch Mitarbeiter des Planungsbüros und der Baufirma ein. Alle gingen den Gehweg mehrmals ab und erwogen genau, wo der Leitstreifen konkret entlang führen soll, wo Anfangs- und Endpunkte gesetzt werden sollten.

Wir Blinde orientieren uns ja an mehreren Merkmalen, zum Beispiel auch an Hauswänden. Außerdem muss die Straßenquerung an einer Stelle sein, an der man gut von den Autos gesehen werden kann“, informierte Langer. Nach einigem Ausprobieren waren die Punkte abgesteckt und in den nächsten Tagen kann die Anbringung erfolgen. So dauert es nicht mehr lange, bis der erste Eppertshäuser Blindenleitstreifen genutzt werden kann.

Quelle: op-online.de

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