Carola Kärcher überzeugt 

Eppertshausen: Pariser Schatten in Altheimer Nacht

Carola Kärcher formt ihre Schattenfiguren im Licht von Taschenlampen. 
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Carola Kärcher formt ihre Schattenfiguren im Licht von Taschenlampen.

Die Zuschauer jüngster, endlich wieder einmal sichtbarer Kreativität an und in Altheims Arthaus mussten lange warten, bis es losgehen konnte. 

Eppertshausen - Die kürzeste Nacht des Jahres stand an und die Sonne wollte und wollte nicht untergehen, um einem sinnlich-heiteren Schattenspiel die Freiluft-Vorführung erst zu ermöglichen. Unangekündigt und nur für Freunde probten die Betreiber des Arthauses ein erstes, zaghaftes Comeback mit Carola Kärcher und ihrem Handschattentheater. Zu sehr bestimmen immer noch die Corona-Pandemie und die Kontakbeschränkungen einen auch nur halbwegs normalen Betrieb in der Kreativschmiede.

Doch Kärchers Geschichte von „Jean Philip – Ein Schatten aus Paris“ sollte wieder ein wenig Licht – wenn auch nur aus zwei Taschenlampen – in die auferlegte Verdunkelung des Kulturbetriebs bringen. Roger Rigorth vom Arthaus-Team hatte Carla Kärcher, die in einer Künstlerformation in Darmstadt mitwirkt, mit ihren Handschattentheater erlebt und die Idee einer coronakonformen Vorstellung in Altheim entwickelt. Denn eine Vorführung, wie sie die studierte Musikwissenschaftlerin und Pädagogin sonst in geschlossenen Räumen und Sälen gibt, wären im zwar größten, doch für die noch bestehenden Beschränkungen viel zu kleinen ehemaligen Sitzungssaal des alten Rathauses unmöglich gewesen. Nicht einmal eine Handvoll Zuschauer hätten dort dem Ereignis folgen dürfen.

Doch was, wenn die Handschattenspielerin nicht neben ihrer speziellen Leinwand, sondern hinter den Fenstern des Sitzungssaales ihre Story inszeniert? Dann könnte sich das Publikum vor dem Haus verteilt coronagerecht an Jean-Philips Pariser Abenteuer delektieren.

Rigorths Idee kam an, doch vor einer öffentlichen Aufführung mit Einladung und den damit verbundenen bürokratischen Hemmnissen sollte eine Generalprobe einzig im Freundeskreis sein. Die gut drei Dutzend Zuschauer genossen die lange Programmunterbrechung vor dem Arthaus, belohnten das Spiel der Schattentheater-Intendantin mit lang anhaltendem Applaus, in den auch zahlreiche Nachbarn einfielen, die zu Zaungästen ohne Beschränkung wurden.

Die Kunst der Einfachheit war es, die auf den „billigen Plätzen uff de Gass“ überzeugten. Zwei Fenster, zwei Leinwände, zwei Hände: Kärcher sorgte für ein magisches Schattenspiel ihrer zehn Finger. Gemischt mit einer Prise Humor und viel Poesie ließ sie ihren kleinen Franzosen mit Knubbelnase durchs Pariser Schattenreich in Altheimer Nacht streichen und Bekanntschaft mit Häschen, Schildkröten und vielen Vögeln machen. Die alte Kunst des Schattenspiels – Kärcher belebt sie in neuer, moderner Art und berührt durch ihre nur von Handstellungen erzeugten Bilder und feinsinnige Szenen das Publikum.

Von Thomas Meier

Quelle: op-online.de

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