Pesl schmeißt FDP-Vorsitz hin

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FDP-Vorsitzender Heinz Pesl gibt enttäuscht sein Amt auf und tritt aus der Partei aus.

Eppertshausen - Er ist aus dem Eppertshäuser Leben nicht mehr wegzudenken, denn wo immer er gebraucht wird, packt er mit an: Karl-Heinz Pesl, Vorsitzender der örtlichen Freien Demokraten. Doch jetzt schmeißt er seinen Vorsitz hin, gibt das Amt kurz nach der Kommunalwahl auf. Von Jasmin Frank

„Mein Anliegen war immer, ein Ansprechpartner für alle Bürger zu sein und so stand es ja auch in unserem Wahlprogramm“, erläutert der engagierte Kommunalpolitiker. Doch nun haben sich erhebliche Zweifel bei ihm eingestellt, ob er diese Bürgernähe mit seiner Partei vor Ort umsetzen kann, sieht er sich unter seinen Kollegen doch zunehmend in die Position des Einzelkämpfers gerückt.

„Ich habe immer kooperativ gearbeitet und habe zu allen Parteien ein gutes Verhältnis. Natürlich besteht über meine Frau Brigitte, die Vorsitzende der Frauenunion ist, ein besonders guter Draht zu den Christdemokraten“, erinnert sich Pesl. Doch dieses Verhältnis ist seit der Podiumsdiskussion der Kolpingfamilie im Zuge des Wahlkampfes zur Kommunalwahl erheblich gestört: Seine Parteikollegen Thorsten Weber und Dr. Werner Gemsjäger hatten dort scharfe Kritik an Bürgermeister Carsten Helfmann geübt, der sich, wie andere bekannte Amtsinhaber auch, auf die Kandidatenliste zur Gemeindevertretung hatte aufstellen lassen, obwohl klar war, dass er dort nicht antreten würde.

„Egal wie man zu dieser Sache steht, die Wortwahl und der aggressive Ton haben einfach nicht gepasst. Ich habe lange Jahre mit Helfmann gearbeitet und weiß, dass man ihm weder ‚Arroganz der Macht’ noch ‚Betrug am Wähler’ vorwerfen kann“, verteidigt Pesl den Rathauschef. Er hat die harschen Worte, die auch beim Publikum der Diskussionsrunde wenig Beifall gefunden hatten, auch auf dem jüngsten Parteitreffen der FDP angesprochen, doch niemand wollte seiner Meinung folgen. „Gerade Herr Weber fühlt sich ganz im Recht und findet auch den Ton, den er gegenüber Helfmann angeschlagen hat, vollkommen in Ordnung. Diese Haltung kann ich nicht teilen“, argumentiert Pesl, der nunmehr seinen Posten als Parteivorsitzender aufgeben wird. „Ich kann nicht ein Amt innehaben, bei dem ich mit Menschen arbeiten muss, die eine völlig andere Richtung einschlagen, als ich es tue“, sagt der gesellige Eppertshäuser, der als einer der wenigen seiner Partei zahlreiche öffentliche Verpflichtung wahrnimmt, was von den Kollegen nicht honoriert werde. „Hätte sich Thorsten Weber bei unserem Bürgermeister entschuldigt und Ingo Berner nicht ausgerechnet mir vorgeworfen, dass ich mich im Ort mehr sehen lassen müsse, dann hätte ich diesen Schritt nicht tun müssen“, findet Pesl. Auch seine Frau sei von seinen Parteikollegen enttäuscht: „Wir hatten ja gerade von Thorsten Weber immer eine hohe Meinung, da er sehr sachbezogen arbeitet und viele gute Ideen und Beiträge hat. Aber dass er nun so aufgetreten ist, finde ich nicht nur unsachlich, sondern auch unverschämt“, so die Vorsitzende der Frauenunion.

Vor allen Dingen bringe der Disput für die Liberalen einen großen Nachteil mit sich: Wie bisher werden sie zwar auch in der kommenden Gemeindevertretung einen Sitz innehaben, doch der Zugang zum Haupt- und Finanzausschuss wird Weber nunmehr verwehrt. „Dass wir dort einen Sitz hatten, war reine Freundlichkeit der CDU, die uns wegen der Kompetenz Webers freiwillig in den Ausschuss aufgenommen und uns einen ihrer Plätze überlassen hatte. Das war ein Symbol der guten Zusammenarbeit. Doch nun ist es damit natürlich vorbei, denn warum sollte die Union einen ihrer Sitze an ihren schärfsten Kritiker abgeben?“, meint Pesl traurig.

Auch wenn Weber in einer Pressemitteilung selbst eingeräumt habe, dass der Sitz aufgrund „unserer Tiraden im Wahlkampf, insbesondere bei der Podiumsdiskussion“ verloren gegangen sei, sehe er laut Pesl keinen Grund, einen Schritt auf die Union zuzugehen.

Pesl ist jedoch nicht nur von der Eppertshäuser Partei enttäuscht, auch die Berliner Politik hat ihm zugesetzt. „Der Atomausstieg wird doch von der FDP nur als Thema propagiert, um Stimmen zu gewinnen. Meiner Meinung nach sollte wesentlich mehr für Forschung getan werden“, fordert Pesl, der deshalb nicht nur seinen Parteivorsitz niederlegt, sondern gleich ganz aus der Partei austritt. Engagieren will er sich aber weiter für Eppertshausen, denn das Leben der Menschen vor Ort bleibt ihm ein wichtiges Anliegen.

Quelle: op-online.de

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