Herberge zur Heimat

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Das Eppertshäuser Pfarrhaus. Es geht auf ein ehemaliges Jagdhaus vor über 300 Jahren zurück.

Eppertshausen - Im Eppertshäuser Pfarrhaus spiegeln sich die Jahrhunderte. Die Anfänge des Gebäudes mit den verwitterten Schindeln an der Fassade reichen bis 1690 zurück, als es die Dieburger Adelsfamilie Groschlag als Jagdschloss errichtete. Von Michael Just

Seit nunmehr 37 Jahren wohnt Pfarrer Harald Christian Röper darin. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mal etwas verbessert wurde. Bis auf ein neues Treppenhaus und eine Übergangslösung bei der Heizung neben den Notdürftigkeiten“, sagt der Geistliche.

Das Haus befindet sich in einem desolaten Zustand: In vielen Räumen bröckelt der Putz, zahlreiche Stellen sind von der alten Heizung dunkel gefärbt, der Boden und die alten Holztüren erinnern an die Zeit vor 50 Jahren, Rohrleitungen in der Küche liegen offen und von moderner Isolation fehlt nicht nur beim Dach jede Spur. „Man kann doch keine Immobilie derart verwahrlosen lassen“, mahnt Röper deshalb schon seit längerem.

Bistum packt Sanierung an

In diesem Jahr soll sich alles ändern: Das Bistum packt endlich die Sanierung an. Mit Architekt Hans Hix aus Groß-Zimmern wurde ein Mann gefunden, der im Umkreis schon öfter für die Kirche tätig war. Für seine Arbeit beim Neubau des Pfarrhauses in Babenhausen gab’s reichlich Lob. Dass die Planung nicht in Eppertshausen blieb, kann Röper erklären: „Das will Mainz so. Denn kommt es zu Differenzen, bleibt der Friede im Ort gewahrt.“

Für die Sanierung kündigt Hix eine Radikalkur an: „Alles wird total entkernt. Dabei wird weniger als ein Rohbau übrig bleiben.“

Zu seinen Plänen kann er nicht mehr vorhersagen, da sich die alten Baustrukturen als auch die Statik zum Teil erst nach der Freilegung beurteilen lassen. Der Experte geht nach den vorläufigen Eindrücken aber von zahlreichen Mängeln bei der Funktionstüchtigkeit aus. Die Gesamtkosten dürften damit deutlich jenseits der 200.000 Euro liegen. „Billig wird es nicht. Aber in dem Fall lohnt es sich nicht, in ein paar Jahren ein zweites Mal anzufangen“, meint Hix. Im Februar will er die ersten Ausarbeitungen und Vorschläge präsentieren. Segnet Mainz die Pläne ab, wird ausgeschrieben und die rund achtmonatige Sanierung kann im Frühjahr beginnen.

Das Pfarrhaus verfügt über drei Etagen. Als ehemaliges Einfamilienhaus gibt es so gut wie keine Abtrennungen. Wie in einer WG lebt Röper derzeit mit vier Mitbewohnern und einem Hund. Am Ende sollen drei selbstständige Wohneinheiten mit eigenen Zugängen samt Bädern entstehen. Bisher teilen sich fünf Menschen mit vielen Einschränkungen eine Küche und zwei Bäder. Mit der Sanierung wird Lebensqualität ins Pfarrhaus einziehen.

Wohl das Ende des Zufluchtsortes für Bedürftige

Die zwei Wohnungen neben der Bleibe des Pfarrers werden nach jetzigem Stand „sozialverträglich“ vermietet. Damit endet wohl die Geschichte der Babenhäuser Straße 1 als Zufluchtsort für sozial Bedürftige. Um die christliche Nächstenliebe von Röper wissend, standen in den vergangenen 25 Jahren immer wieder Menschen vor seiner Tür und suchten ein Dach über dem Kopf. Das waren manchmal ganze Familien, wie vor wenigen Jahren Christen aus dem Irak.

Pfarrer Röper in einem der Räume. Auch das Foto offenbart es kaum: Die Substanz ist seit Jahren sanierungsbedürftig.

Momentan ist das Haus wieder gut belegt: Unter dem Dach wohnt ein älterer Mann, zwei junge Mitbewohner im Erdgeschoss. In seiner Wohnung hat der Pfarrer einen weiteren Raum für einen problembeladenen Heranwachsenden bereit gestellt. Die jungen Gäste kommen allesamt aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Einer wird von Röper jeden morgen um 5 Uhr geweckt, dass er seine Lehre zu Ende bringt. Mit Beginn der Sanierung müssen erstmal alle raus. Für Leute, die künftig vor dem neuen Pfarrhaus mit Sack und Pack um Herberge bitten, wird die Aufnahme schwieriger. Der Geistliche will aber auch dann eine Lösung finden. Untätig bleibt er auf keinen Fall. „Sonst sind wir ja wie die Gastwirte bei Christi Geburt in Betlehem“, sagt Röper und beweist damit ein weiteres Mal, dass er Nächstenliebe nicht nur predigt sondern vorlebt.

Quelle: op-online.de

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