Platten rollen, Würste drehen

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Bei der Würstchen-Technik werden Tonringe aufeinander gelegt.

Eppertshausen - „Es ist ein bisschen wie Knete“, sagt Sarah Otzinger und bringt die weiche Masse mit ihrem Daumen in Form. Zu ihrer Freude hat die 11-Jährige schon einen Igel, einen Zwerg und ein Blatt fertig getöpfert. Von Michael Just

„Am Anfang haben wir einen Zwerg gemacht und dabei für den Körper einen Kegel gerollt, damit wir wissen, wie sich Ton anfühlt“, schickt sie hinterher.

Am Nachbartisch versucht sich die drei Jahre jüngere Marleen Abendroth ebenfalls am Töpfern. „Das gibt ein Türschild für Oma und Opa. Da schreibe ich dann noch Marianne und Herbert drauf“, erzählt sie. Das Mädchen töpfert zum ersten Mal und findet es toll, auch wenn der Ton gar nicht so leicht zu bearbeiten ist.

Drei Tage lang arbeiteten 50 Kinder mit Ton in der evangelischen Friedensgemeinde. Mit der Unterstützung von drei Helferinnen bot Karin Keck-Henzel das Programm für die Ferienspiele an. Mit so vielen Kindern hatten die Frauen keine leichte Verantwortung übernommen. Vor allem für ihr Nervenkostüm war die Herausforderung groß.

Alle Kinder durften mitmachen

„Normalerweise machen wir die Gruppen nicht größer als 20 Kinder. Da wir aber nicht auslosen und damit eventuell Geschwister und Freunde auseinander reißen wollten, durften alle kommen, die sich fürs Töpfern angemeldet hatten“, berichtet Karin Keck-Hensel. Wie die 54-jährige Steuerfachgehilfin weiß, ist der Umgang mit Ton nicht einfach: „Man macht sich schmutzig und im Anfangsstadium verbiegt sich das Material sehr leicht.

Ist es nach drei Stunden etwas härter, im Fachbegriff lederhart genannt, dann brechen wiederum sehr leicht die Ränder ab.“ So ist die Sache erst stabil, wenn der Ton gebrannt ist. Das braucht seine Zeit: Fast zwei Wochen muss ein Werk austrocknen. Bis dahin kann man noch Farbe und Lasur auftragen. Anschließend kommt es in den 1 100 Grad heißen Brennofen. Danach ist die Keramik wasserdicht und frostsicher.

20 Jahre Erfahrung im Töpfern

Den Ferienspielkindern macht das Töpfern sichtlich Spaß.

Mit dem Töpfern hat Karin Keck-Hensel selbst erst vor zwei Jahren begonnen. „Ich probiere viele Sachen ganz spontan aus. Wenn ich weiß, dass es bei mir funktioniert, dann mache ich es auch mit den Kindern“, sagt sie. Den Ferienspiel-Gästen zeigte sie diese Woche die verschiedenen Töpfer-Techniken. Zum Beispiel Platten, die für Schilder mit einem Nudelholz gerollt werden oder die Technik, bei der Wülste beziehungsweise Würstchen aufeinander gesetzt werden und so Schalen, Becher aber auch Figuren ergeben.

Den Einsatz einer Töpferscheibe beobachteten die Kinder in Urberach in einer richtigen Töpferwerkstatt. Auf der rotierenden Platte durfte jeder von ihnen sich ein eigenes Gefäß kreieren.

Feinmotorik der Kinder hat sich verändert

Mittlerweile engagiert sich Karin Keck-Hensel seit 18 Jahren mit ihren Bastel- und Kreativkursen in der Friedensgemeinde. Dabei hat sie festgestellt, dass heutzutage viele Kinder Schwierigkeiten im Umgang mit den verschiedenen Materialien haben. „Die Feinmotorik ist nicht mehr so wie früher und kommt immer mehr abhanden“, gibt sie ihre Beobachtungen wieder. Das lasse sich bereits beim Rollen des Tons beobachten.

Das Computerzeitalter und kaum noch Erfahrungen in und mit der Natur würden sich hier niederschlagen. „Deshalb bieten wir in unserer Gemeinde viele Kurse an, bei denen die Hände intensiv zum Einsatz kommen. Demnächst wird mit Holz und Ytong-Steinen gearbeitet“, kündigt die emsige Eppertshäuserin an und freut sich im nächsten Moment, als die Liederkranz-Frauen zum Essen der selbstgemachten Pizza rufen und sich der Kreis von Kindern um sie herum einmal für kurze Zeit auflöst.

Quelle: op-online.de

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