Platz für Natur im Wirtschaftsforst

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1,20 Meter Unterschied haben die Stämmer von Lother Seipp zu denen von Thomas Schmalenberg, und das aus gutem Grund.

Eppertshausen - Wanderer, Fahrradfahrer und Jogger zieht es bei dem derzeitigen schönen Frühlingswetter vermehrt in den Wald und sie alle stellen fest: Dort tut sich einiges! Nicht nur, dass es überall grünt und sprießt. Von Jasmin Frank

Auch die Förster und Waldarbeiter haben nunmehr alle Hände voll zu tun. „Bei uns stehen im Frühling vor allen Dingen zwei Arbeiten an: Die Holzentnahme wird abgeschlossen und neue Bäume werden gepflanzt“, erläutert Revierförster Lothar Seipp. Doch so kurz und knapp ist die vielfältige Arbeit nicht erklärt. Thomas Schmalenberg vom Forstamt informiert, dass nicht jedes Jahr alles gleich abläuft: „Der vergangene Winter war sehr nass, vor allem durch den vielen Schnee. Noch jetzt steht überall das Wasser. Dadurch sind die Böden, die hier im Eppertshäuser Wald ohnehin recht feucht sind, kaum zu befahren. Deshalb haben wir nur etwa zwei Drittel der sonstigen Holzmenge geerntet.“

Entnommen wird vordringlich, was der Waldpflege dient, vor allen Dingen Selbstanpflanzer, die bestehende gepflanzte Bäume bedrängen.

Nur wenige Bäume für lange Bretter geeignet

Dieses Holz wird bereits für die Weiterverarbeitung zugeschnitten und nur wenige dieser Bäume eignen sich für lange Bretter, erklären die beiden Fachmänner. Lothar Seipp zeigt auf zwei Holzstapel, die den Weg entlang aufgeschichtet wurden. Einer hat Balken von 3,60 Metern Länge für Kanthölzer und Bohlen, ein anderer kommt nur auf 2,40 Meter. „Das ist das Palettenmaß, denn die haben eine Größe von 1,20 Meter auf 80 Zentimeter und die Stämme können somit ideal weiterverarbeitet werden“, erläutert Schmalenberg.

Die Holzentnahme wird stets so gestaltet, dass Wege und Waldboden geschont werden, so dass kaum ein Schaden entsteht. Das ist auch wichtig für die FSC-Zertifizierung des Waldes, bei der verschiedene Kriterien wie Nachhaltigkeit eine Rolle spielen. Das wird nicht nur bei der Holzentnahme deutlich, sondern auch bei der Neubepflanzung.

„Hier ging es nicht anders“

Vor allem in dem Gebiet zwischen Eppertshausen und den Hergershäuser Wiesen wird derzeit ein großes Areal neu angelegt. „In diesem Bereich haben hauptsächlich Fichten gestanden, denen durch Windwurf und den Borkenkäfer stark zugesetzt wurde. Wir vermeiden solche großen Kahlschläge, aber hier ging es nicht anders. Nun geht es darum, eine natürliche Waldgesellschaft aufzubauen“, erläutert Seipp.

Fichten wurden nach dem Krieg gerne gepflanzt, da sie schnell und gerade wachsen und vielfach eingesetzt wurden, doch wegen der großen Nachfrage wurden sie häufig in Gebieten eingesetzt, die dafür nicht geeignet waren. Zudem wird ihr Holz heute nicht mehr in diesem großen Ausmaß gebraucht, erläutert der Revierförster:

„Früher wurden sogar Tomaten- oder Bohnenstäbe aus Fichtenholz gefertigt, das wird heute alles aus Kunststoff gemacht. Zudem ist es hier viel zu feucht für diese Pflanzen.“ Deshalb wurden auf dem neuen Areal vor allen Dingen Stieleichen und Hainbuchen gepflanzt, die nasse Böden bevorzugen. „Gerade die Eichen haben eine hohe Qualität, wir haben auch nur Bäume mit zertifizierter Herkunft gepflanzt. Geerntet werden sie dann erst in 200 Jahren“, sagt Schmalenberg. Zudem wurden auch einige weitere heimische Bäume wie Linden oder am Rand der Pflanzung Kirschen, Ahorn und Ulmen gesetzt.

Bäume säen sich selbst aus

„Wichtig ist, dass wir die natürliche Vermehrung der Bäume nicht verdrängen: Kiefern, Birken und Eschen säen sich hier selbst aus und bleiben auch stehen“, so Seipp. Ein Anliegen hat der Revierförster noch: Spaziergänger, die an den neu gepflanzten Gebieten entlangkommen, sollen diese nicht für chaotisch und ungeplant halten, denn gepflegt werden von den Forstleuten ganz gezielt die in Reihen gepflanzten Einzelbäume, dazwischen ist Platz für Natur, die in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald nicht fehlen darf.

Quelle: op-online.de

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