Theatergruppe veranschaulicht „Enkeltrick“

„Weißt du, wer hier spricht?“

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Fataler Moment, dargestellt vom Roßdörfer Laientheater „Spätlese“: Die gutgläubige Rentnerin übergibt dem Boten des angeblichen Verwandten den Umschlag mit Bargeld.

Eppertshausen - Er ist neben „Wasserglas-Trick“, „Geldwechsel-Trick“, „Stromableser-Trick“ oder dem „falschen Polizisten“ nur eine miese Finte in einem ganzen Reigen von Betrügereien, mit denen Kriminelle besonders ältere Menschen um ihr Geld bringen wollen: der in den Medien oft erwähnte „Enkeltrick“. Von Jens Dörr 

Im Mai starteten das Polizeipräsidium Südhessen und die Sparkasse Dieburg gemeinsam die Initiative „Hand in Hand gegen den Enkeltrick“, um den Bauernfängern in die Suppe zu spucken und dem etwas gutgläubigeren Teil der Bevölkerung zu helfen, sein Erspartes zu behalten. Eine Maßnahme unter mehreren: Die Veranschaulichung des Betrugs durch das Roßdörfer Laientheater „Spätlese“, das in der Eppertshäuser Bürgerhalle gastierte. .

Mehr als 150 Senioren hatten sich bei Kaffee und Kuchen nicht nur auf Einladung von Polizei und Sparkasse, sondern auch der Gemeinde versammelt. Sie sahen unter anderem Spielszenen der selbst recht rüstigen Theatergruppe. Die hatte sich beim Verfassen ihres Texts auch auf Erfahrungen der Polizeilichen Beratungsstelle des Südhessen-Präsidiums gestützt, die dem „Enkeltrick“ in ihrer Aufklärungsarbeit nicht grundlos große Aufmerksamkeit widmet. Zwar scheinen elf erfolgreiche Betrugsdelikte in Südhessen im Jahr 2013 nicht besonders viel, was auch für die erbeutete Gesamtsumme in Höhe von 184.500 Euro gilt. „Die Dunkelziffer ist aber wahrscheinlich hoch, weil sich viele Menschen schämen, wenn sie Opfer wurden“, sagte Wolfgang Herberg von der Beratungsstelle.

In der Folge offenbarten sich viele weder ihren Angehörigen noch Hausbank oder Polizei. Registrierte Versuche gab es 2013 in Südhessen 163. Herberg zufolge riefen manche Kriminelle, die in Banden organisiert aus Callcentern in Osteuropa agierten, am Tag bis zu 400 Nummern in Deutschland an. Dabei greifen sie auf das Telefonbuch zurück, in dem sie Namen aussuchen, hinter denen sie ältere Menschen vermuten. Eine Hannelore oder Helga hat demzufolge eine höhere „Chance“ auf einen Anruf als eine Chantal.

Die „Spätlese“

Die „Spätlese“ – auch in Roßdorf wird bekanntlich Wein angebaut, woher der Name rührt – verdeutlichte die Vorgehensweise in kurzen Szenen: „Weißt Du, wer hier spricht?“, lautete oft der erste Satz des Anrufers, der zunächst nicht weiß, wem sein Opfer am ehesten vertrauensvoll einen größeren Geldbetrag – den dann auch noch ein Bote abholen soll – zur Verfügung stellen würde. Die Gruppe führte auch auf, wie die Betrüger ihre Opfer am Telefon nach und nach von der Dringlichkeit der Geldübergabe zu überzeugen versuchen, gegebenenfalls auch Druck ausüben. Bei den Eppertshäusern, die sich für die Schandtat sensibilisieren ließen, dürften die Missetäter künftig auf taube Ohren stoßen. Der „Spätlese“-Auftritt war der dritte zum Thema im östlichen Landkreis.

Auch in Roßdorf und Groß-Bieberau half die Gruppe durch ihre Kunst bereits in der polizeilichen Präventionsarbeit mit. Neben den Sparkassen sollen in die weiteren Maßnahmen der Initiative – etwa Checklisten für Mitarbeiter, die älteren Personen überraschend große Beträge auszahlen sollen – bald auch die Volksbanken und andere Geldinstitute einbezogen werden.

Quelle: op-online.de

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