Kreativangebot als Mutmacher

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Individuelle Maßnahmen, aber auch Gruppenprojekte sollen ältere Arbeitsuchende motivieren: Bei dieser Unternehmung entstand beispielsweise ein selbst geschriebenes Theaterstück.

Eppertshausen - Klaus Brand resigniert nicht. Gerade die Kreativangebote haben ihm neuen Mut gemacht. „Ich bin Augenoptikermeister und seit vier Jahren arbeitslos“, sagt er. „Obwohl ich gerne arbeiten würde, wurde ich abgelehnt. Von Jasmin Frank

Offenbar bin ich mit meinen mittlerweile 60 Jahren zu alt. Jetzt habe er aber gesehen, was noch alles in ihm steckt und welche Fähigkeiten er hat, ergänzt er. Dann dreht er sich wieder um und erklärt den Besuchern der Ausstellung die Bilder, die er bei einer Unterstützungsmaßnahme gefertigt hatte.

Brand gehört zu den Teilnehmern von „Impuls 50 Plus“ – einer gemeinsamen Initiative des Landkreises Darmstadt-Dieburg und des Kreises Offenbach. Das Projekt wurde nun in der neuen Eppertshäuser Bürgerhalle präsentiert. „Impuls 50 Plus“ ist in ein Impuls-Cafe und kreative Angebote unterteilt. Ziel ist es, älteren Arbeitslosen eine nachhaltige Perspektive im beruflichen Leben und an der gesellschaftlichen Teilhabe zu vermitteln.

Das Motto des abwechslungsreichen und vielseitigen Nachmittags ist: „Theater trifft Kunst, Erfahrung trifft Begeisterung – Integration älterer Bürgerinnen und Bürger in den regionalen Arbeitsmarkt.“ Auch Bürgermeister Carsten Helfmann ist zugegen. Auf der Bühne herrscht reges Treiben. Und nachdem Helfmann auf das Engagement Eppertshausens hingewiesen hat, durch das regelmäßig sogenannte Ein-Euro-Jobs bereitgestellt werden, führt Karl-Heinz Stier, Moderator beim Hessichen Rundfunk, in eine Podiumsdiskussion ein, bei der sich die Kreisbeigeordneten Rosemarie Lück (SPD), Carsten Müller (SPD), die Bundestagsabgeordnete und Jobbotschafterin von „Perspektive 50Plus“, Brigitte Zypries (SPD), sowie Brunhilde Link und Joerg Halama von der Kreisagentur für Beschäftigung den Fragen rund um das Thema Arbeit stellen, die für diese ältere Zielgruppe von Belang ist.

Enge Zusammenarbeit mit den Hilfeempfängern und Unternehmen

Einigkeit herrscht darüber, dass vor allen Dingen individuelle Maßnahmen gute Ergebnisse erzielten und dass eine enge Zusammenarbeit nicht nur mit den Hilfeempfängern, sondern auch mit den Unternehmen notwendig sei. Die vorgestellten Projekte werden gelobt, da sie die Menschen aus ihrer Hoffnungslosigkeit reißen und neue Perspektiven aufzeigen. „Gerade unser Theaterprojekt verdeutlicht, dass ein verloren gegangenes Selbstwertgefühl wieder hergestellt werden kann. Nicht alle wollen gleich mitmachen, aber häufig finden sich gerade die größten Skeptiker zu guter Letzt in einer Hauptrolle wieder“, erzählt Link schmunzelnd. Im Anschluss an das dreimonatige Theaterprojekt fange die eigentliche Arbeit erst an, führt die Fachfrau aus: „Die Hilfeempfänger sind dann voller Energie und Enthusiasmus und finden dadurch zurück in strukturierte Abläufe und systematische Schritte, hin zu einem neuen beruflichen Wirkungsfeld.“

Auch Brigitte Zypries stellt sich hinter die Projekte und erläutert, augenzwinkernd von Stier gefragt, was sie tun würde, wenn sie Sozialministern wäre, dass sie umgehend die Kürzungen von zwei Milliarden Euro pro Jahr, die von der aktuellen Bundesregierung beschlossen worden seien, rückgängig machen würde. Bevor die Theatergruppe dann endgültig das Zepter übernimmt und ihr selbst geschriebenes Theaterstück „Geschichten, die das Leben schreibt“ aufführt, das von Menschen handelt, die sich auf einer Zugfahrt in die Schweiz begegnen, und denen Zufall und Schicksal eine Wende im Leben bescheren, gibt es noch einen Ohrenschmaus: Die Band „The Midlife Specials“, die sich aus 50Plus-Musikern rekrutiert hatte, zeigt ihr Können und sorgt für musikalische Abwechslung.

Quelle: op-online.de

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