Familiendrama in Eppertshausen

Tötung im Drogenrausch

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Darmstadt/Eppertshausen - Lebenslange Haft oder Psychiatrie: Das ist die einzige Frage, die sich nach dem ersten Verhandlungstag im Eppertshäuser Mordprozess für die Darmstädter Schwurgerichtskammer noch stellt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Für den 46-jährigen Angeklagten Ahmed A. wiegt diese Auswahl natürlich ungleich schwerer. Er sitzt seit sechs Monaten in der forensischen Klinik Haina und bereut bitter, am 5. Dezember 2012 seine Ehefrau in ihrer damaligen Wohnung in der Hüttenstraße mit elf Messerstichen erdolcht zu haben. In Lebensgefahr befand sich auch der 17-jährige Sohn J., der den Vater bremsen wollte und dabei selbst sieben Stiche davon trug, die operativ versorgt werden mussten. Ihm gelang es aber trotz seiner schweren Verletzungen, dem Vater das große Campingmesser zu entreißen und das Unheil zu stoppen.

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Oft schieben angeklagte Beziehungstäter der Frau die Schuld zu, sehen sich selbst als Opfer, wollen provoziert worden sein. Nicht so der gebürtige Marokkaner. A. will zunächst nicht einmal zugeben, dass es Streit gab. „Ich sage nichts Böses über meine Frau!“, betont der Hartz-IV-Empfänger immer wieder unter Tränen.

Erst nach einer Verhandlungspause gibt er über Verteidiger Andreas Sander eine kurze Erklärung des Tatgeschehens ab. Demnach habe sich die 40-jährige gegen 23 Uhr im Wohnzimmer auf die Couch gelegt und ihn dann beschimpft: Er sei ein fauler Hund, er solle abhauen, er habe schon viel zu lange zu Hause rum gehangen. Das ihn diese Worte erzürnten, will A. dennoch nicht wahr haben. Lediglich seinen Satz: „Dann kam diese Scheiße!“ konnte die diagnostizierende Sachverständige als Mordmotiv zu Protokoll geben.

Ankeklagter war in psychiatrischer Behandlung

„Er kann nicht sagen, warum er es gemacht hat“, so Dr. Petra Bauer aus Haina. Eine Erklärung für die Tat könnte A.´s jahrzehntelanger Cannabismissbrauch bis zu seiner Festsetzung sein. Bereits 1998 und 2000 war er in stationärer psychiatrischer Behandlung wegen paranoider psychotischer Episoden – womöglich ausgelöst durch hohe Dosen THC. Auch 2012 stand er unter hausärztlicher Beobachtung, nahm Medikamente gegen die Symptome, welche er jedoch sechs Wochen vor der Tat eigenmächtig absetzte.

Ob eine Fortsetzung der Medikation der Ehefrau das Leben gerettet hätte, ist dennoch fraglich – bei einem Tatmotiv „Streit“ wohl eher nicht. Dann bliebe die Anklage bei heimtückischem Mord und versuchtem Totschlag –die verminderte Schuldfähigkeit würde dann sogleich gestrichen. Abklärung soll am kommenden Montag das vollständige Gutachten der Psychiaterin bringen, am gleichen Tag wird auch bereits das Urteil erwartet.

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Quelle: op-online.de

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