Überraschendes Urteil

Freispruch im Prozess um Lkw-Verschiebungen

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Einige Lücken klaffen weiter schmerzlich im Fuhrpark der Spedition Hauser Trucks.

Eppertshausen - Der Betrugsprozess um den 28-jährigen Geschäftsführer eines kriminellen Saarländer Logistikbetriebs, der Lastkraftwagen nebst Kühlanhänger einer Eppertshäuser Spedition in großer Zahl gen Osteuropa verschob, endete gestern vor dem Landgericht Darmstadt überraschend mit einem Freispruch. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Die Merziger Firma hatte im Zeitraum Juli bis Oktober letzten Jahres 16 Lkw mit Kühlauflieger angemietet und nach Kasachstan verschwinden lassen – Leidtragender ist das Eppertshäuser Verleihunternehmen HT Hauser Trucks. Der Schaden beträgt zwei Millionen Euro, die Versicherung kommt dafür nicht auf, weil die Verträge korrekt abgewickelt wurden. Einige der Lkw konnten zwar per GPS geortet werden, eine Rückführung ist aufgrund der komplizierten bürokratischen Auflagen in Zentralasien derzeit aber nicht möglich.

Dass die Trucks gerade dorthin geschafft wurden, soll mit der geplanten Autobahn zwischen China und Kasachstan zusammen hängen. Außerdem verfügt der gesondert verfolgte Firmengründer Karakan L. über entsprechende Kontakte in sein Heimatland. L. ist weiter flüchtig, mit großer Wahrscheinlichkeit ist sein Name gefälscht. L. hatte als „Logistikzentrum“ lediglich für 300 Euro Warmmiete ein 20-Quadratmeter-Büro in einem Sozialbau angemietet. Es gab keine Parkplätze für die Laster, die sollten laut Angeklagtem „ständig auf Straßen oder Raststätten sein“. Der Zweck der Firma war eindeutig krimineller Natur.

Konträr zur Staatsanwaltschaft

Das Gericht geht mit dem Freispruch konträr zur Staatsanwaltschaft. Nina Reininger fordert in ihrem Schlussvortrag eine Haftstrafe von drei Jahren für den vierfach vorbestraften Deutsch-Russen Eugen S.. Die Staatsanwältin: „S. ist von einem Kollegen sogar gewarnt worden, dass man Firmengründer L. nicht trauen könne. Trotzdem ließ er sich als Geschäftsführer anwerben. Der entstandene Schaden ist enorm!“

Ob schuldig oder unschuldig im Sinne der Anklage - eins kann man der 15. Strafkammer auf keinen Fall vorwerfen: Sie habe sich nicht genug Zeit für die Beweisaufnahme genommen. In sieben Verhandlungstagen hat die vorsitzende Richterin alle verfügbaren Zeugen geladen und weiterführende Recherchearbeit geleistet. „Die Kammer hat die vorhandenen rudimentären Ermittlungen stark erweitert, die Unterlagen sind von drei auf sechs Aktenordner angewachsen.“ so Bunk in ihrer Urteilsbegründung. Der objektive Sachverhalt des Betrugs sei unstrittig, der entscheidende Knackpunkt sei, dass man dem Angeklagten nicht nachweisen könne, davon Kenntnis gehabt zu haben. „Ein Wendepunkt im Prozess war die Zeugenvernehmung der Ehefrau von S..“ stellte Bunk fest.

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In ihrer sehr glaubwürdigen Aussage schilderte sie die Gespräche innerhalb der Familie und den Glücksfall, dass ihr Mann mit dem neuen Posten nun endlich die Chance auf ein geregeltes Einkommen gehabt hätte - ohne entsprechende Berufsausbildung und ausreichende Deutschkenntnisse. Bislang hatte sie für den Familienunterhalt gesorgt. Als das zweite Kind kam, war dies nicht mehr möglich, S. musste aus dem Minijob-Milieu raus. So hat die Ehefrau nicht nur die gesamte Familie gemanagt, sondern ihrem Mann womöglich auch einen Gefängnisaufenthalt erspart. Für die sechs Monate Untersuchungshaft, die der gebürtige Omsker hinter sich hat, wird er vom Staat entschädigt. Zuhause ist Familie S. im Raum Hannover.

Quelle: op-online.de

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