Ranzentour ohne Landrat

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Der Rad- und landwirtschaftliche Nutzfahrtweg zwischen Eppertshausen und Münster ist auch Schulweg für Eppertshäuser Kinder. Gefährlich oder nicht - so lautet jetzt die Frage.

Eppertshausen ‐ Es soll eine wahrlich frühmorgendliche Wanderung geben: Eine „Elterninitiative Eppertshausen“ hat Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) zu einer Schulwegbegehung am Dienstag, 1. Juni, geladen; Start um 6.45 Uhr ab Rathaus Eppertshausen, Ziel: die Schule auf der Aue. Von Thomas Meier

Als Marschgepäck vorgesehen für den hohen Gast ist ein voll gepackter Rucksack, vom Gewicht her angepasst der Schwere des Verwaltungschefs im direkten Vergleich zum Ranzen eines Schülers, der im Mittel acht Kilogramm mit sich rumschleppe, wie die Initiative errechnet hat. Grund der Sonnenaufgangs-Exkursion: die Streichung der Erstattung der Fahrtkosten für einige Eppertshäuser Schüler, da deren Schulweg unter drei Kilometern liege und damit zu kurz sei. Gleich vorab: Der Landrat wird der Einladung, zu der er im Vorfeld auch nicht gefragt wurde, nicht folgen, auch nicht Schuldezernent Christel Fleischmann, wie von der Pressestelle des Landkreises auf Nachfrage zu erfahren war. „Beide präsentieren zur nächsten Kreisausschusssitzung eine Lösung für das Problem, der wir noch nicht vorgreifen möchten, weil erst die Parlamentarier davon Kenntnis bekommen sollen“, heißt es.

Über die Empörung der Eltern berichteten wir Anfang April. Bisher bezahlte der Landkreis Eppertshäuser Schülern der Münsterer Schule auf der Aue das sogenannte „MobiTick“, da die Strecke (der Rad- und Fußweg zwischen den beiden Gemeinden) als gefährlich eingestuft wurde. Das Ticket für den öffentlichen Personen-Nahverkehr gilt für ein ganzes Jahr und kostet 268 Euro. Nun, in kassenklammen Zeiten, gilt der landwirtschaftliche Nutzweg nicht mehr als gefährlich, weswegen eine Kostenerstattung nicht mehr notwendig sei, so der Schulservice des Kreises.

30.000 Euro könne man nicht stemmen

Dem widersprachen Eltern und Bürgermeister Carsten Helfmann (CDU). Am Weg habe sich nichts geändert, man sehe ihn weiterhin, weil unbeleuchtet und auch von Treckern und Mofas befahren, als gefährlich an.

Laut hessischem Schulgesetz müssen Beförderungkosten übernommen werden, wenn die Strecke zur Schule mehr als drei Kilometer beträgt oder aber eben eine Gefährdung der Schüler bedeuten kann. Nur Eppertshäuser Pennäler, die außerhalb des Radius von drei Kilometern wohnen, bekommen also weiterhin das Ticket gestellt.

Elternbeirätin und Initiativ-Sprecherin Petra Herd mahnt aber auch eine soziale Komponente an: Es könne nicht angehen, dass einige Eppertshäuser Familien die Kosten für den Bustransfer erstattet bekämen, andere nicht. Außerdem sei der Feldweg auch denen unzumutbar, die unter drei Kilometer von der Schule entfernt wohnten. Kein Kind laufe die Strecke, und auch nur diejenigen mit vernünftigem Fahrrad könnten sie derart „auch nur im Sommer“ sicher bewältigen.

Für die Gemeinde Eppertshausen musste Bürgermeister Helfmann eine Kostenübernahme ablehnen. Rund 30.000 Euro könne man bei der defizitären Haushaltslage nicht stemmen.

Doch werde Helfmann sich an der frühen Tour der Schulranzen beteiligen, sagte er gestern. Er habe ein zielorientiertes Gespräch mit dem Landrat geführt und hoffe auf dessen noch vorzustellende Lösung. Er stelle sich vor, dass „für einen gewissen Zeitraum“ den betroffenen Schülern geholfen werden könne. Zwar nicht mit teurem MobiTick, das den gesamten Kreis per Bus erschließt, aber eben mit einer zeitweisen Buskarte für die Strecke Eppertshausen-Münster; etwa während der Winterszeit, wenn es zu dunkel auf dem nun als ungefährlich eingestuften Nutzweg wird.

Man darf gespannt sein.

Quelle: op-online.de

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