Raub in Pizzeria bleibt ungeklärt

Mehrfach-Angeklagter muss knapp fünf Jahre in Haft

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Eppertshausen/Darmstadt - Auch wenn man den Ort des Vergehens gar nicht betreten hat, können bei einer Mittäterschaft schwerwiegende juristische Sanktionen folgen. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Zu vier Jahren und sieben Monaten Haft wurde gestern der 32-jährige Miroslav J. am Landgericht Darmstadt verurteilt, der bei vier Raubüberfällen im Sommer 2011 stets „nur“ im Fluchtfahrzeug gewartet hat. Er muss sich wegen Beihilfe zu schwerem Raub und räuberischer Erpressung verantworten.

Eine fünfte vorgeworfene Tat, die eine wesentlich höhere Haftstrafe zur Folge gehabt hätte, konnte dem Kroaten bis zum Schluss nicht nachgewiesen werden, davon sprach ihn der Vorsitzende der 19. Strafkammer frei. Bei dieser Tat handelt es sich um den Pizzeria-Raub in der Eppertshäuser Ortsmitte am 22. Oktober 2010. Die zwei jungen Männer, die diesen Überfall damals verüben, stürmen nicht wie gewohnt mit Mützen oder Kapuzenpullis den Laden, sondern genehmigen sich zunächst einen Tee. Dann stehen sie auf, der 29-jährige R. zieht eine Pistole und entwendet dem Kellner die Geldbörse mit 430 Euro. Der bis heute nun weiterhin unbekannte Mittäter fesselt den Inhaber mit Handschellen an den Barhocker und stiehlt die mit rund 1000 Euro gefüllte Kellnerbörse. Bevor sie die Flucht antreten, schlägt R. nochmal beiden Opfern mit der Pistole brutal ins Genick, bis das Blut fließt. Diese Tat ist Teil einer ganzen Raubserie, für die R. – ebenfalls Kroate – bereits 2013 zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.

Im Prozess gegen J. wird R. an beiden Verhandlungstagen aus der JVA Frankfurt als Zeuge vorgeführt, einmal mit dem von ihm geforderten anwaltlichen Beistand. Das Ergebnis ist ein einziges Desaster: Mit drei verschiedenen Versionen zum Tatablauf und der Beteiligung J.´s spielt er der Strafkammer ein kurioses Theaterstück vor, Richter Martin Rößler muss sich sogar sagen lassen: „Sie fragen zu viel!“. Der Angeklagte selbst streitet seinen Tatbeitrag in der Pizzeria vehement ab: „Ich war während dieser Zeit für einige Tage in Zagreb.“ Weitere Zeugenaussagen erhärten diese Aussage.

Voll geständig ist er dagegen bei den vier anderen angeklagten Fällen. Ja, er habe im Fluchtfahrzeug gewartet, während Häftling R. hinein gegangen sei. Mit immer gleicher Masche erbeutet R. bei diesen vier Raubüberfällen im Rhein-Main-Gebiet insgesamt 5000 Euro, der Fluchthelfer bekommt als „Lohn“ knapp die Hälfte.

Quelle: op-online.de

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