Das realisierte Traumhaus

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Zimmermannmeister Roger Giesecke verkündete beim Richtfest den Richtspruch.

Eppertshausen - (jas) „Es ist toll, dass so etwas hier in Eppertshausen überhaupt möglich ist. In anderen Neubaugebieten hätte es das nicht gegeben“, schwärmt Michael Kramer, ortsansässiger Architekt und bei diesem speziellen Bauvorhaben als Bauleiter engagiert.

Wo in machen Orten ein tristes Einerlei zu sehen ist, ermöglicht die Gemeinde sowohl in den Arealen „Auf der Bayerswiese“ als auch „Im Eichstumpf“ eine erstaunliche Vielfalt an Gebäuden.

Darunter ist auch ein für unsere Region bislang eher untypisches Bauwerk: „Der Spieker“ ist ein Haus, das sich an historischen Vorbildern der norddeutschen Guts- und Herrenhäuser von vor etwa 100 bis 150 Jahren orientiert. Es ist ein regelrechtes Unikat, denn es besticht durch viele kleine, aufwändige Details. So ist die Regenrinne nicht wie bei den meisten herkömmlichen Gebäuden aus Zinn, sondern aus Kupfer, es werden sogar kleine Wasserspeier, hier in Form eines Drachenkopfes angebracht. Die Dachziegel sind aus Ton und nicht wie sonst aus Beton, die Fenster haben Stichbögen mit sogenannten Augenbrauen darüber, zudem sind an den Hauswänden Zierleisten mit abgesetzten Steinen angebracht, Friese genannt.

Für Maurermeister Klaus Gumprecht eine Herausforderung: „So ein Haus ist schon etwas anderes als eine einfache Verklinkerung. Überall sind Besonderheiten, die es zu beachten gilt. Aber wir hatten ja eine gute Vorlage.“ Während er mit leuchtenden Augen auf die verschiedenen Arbeitstechniken rund um das Haus verweist, tritt der „Vorlagengeber“ Albin Homeyer hinzu.

Die Nachfrage wächst

Er ist einer der beiden in Norddeutschland beheimateten Architekten, die sich auf Landhäuser aus Backstein oder aus Fachwerk spezialisiert haben. „Rund um Hannover und Hamburg werden die Häuser stark nachgefragt. Mittlerweile entstehen ganze Fachwerkhausdörfer“, berichtet er. Und schon gerät auch der erfahrene Hausplaner ins Schwärmen, denn auch von innen hat das Gebäude viel zu bieten: „Bei einer Deckenhöhe von fast drei Metern und Türen, die 2,11 Meter hoch sind, ergibt sich ein besonderes Raumgefühl.“

Doch trotz der Übernahme alter Bauweisen ist das neue Domizil der Eppertshäuser Familie Steffes technisch auf dem neuesten Stand, vor allem die Klimabilanz kann sich sehen lassen, denn es handelt sich um ein KfW-Effizienzhaus. Geheizt wird beispielsweise mittels einer Wärmepumpe, die Erdwärme aus einer Tiefenbohrung nutzt, zudem dämmen es die natürlichen Baumaterialien.

So sind die Außenwände durch die Backsteinwand, die Dämmmaterialien und den Innenputz knapp 50 cm dick. Gerade der Lehmputz an den Innenwänden sorgt zudem für ein gutes Raumklima, wozu aber auch die Optik beiträgt: Eine Holzbalkendecke rundet das Ambiente ab.

Kein Traumhaus - es ist ja realisierbar

Die Decke war mein größter Wunsch“, erzählt Sabine Steffes, die selbst immer noch überrascht ist, wenn sie wieder ein neues Detail am Haus entdeckt. Doch wie kommt so ein norddeutsches Landhaus überhaupt in unsere fast südlichen Gefilde? Das weiß Bauherr Frank Steffes ganz genau: „Wir haben oft Urlaub im Norden gemacht und uns in die dortigen Bauten verliebt. Uns war klar: Entweder wir müssen zu den Häusern, oder ein solches Gebäude kommt zu uns. Nach einiger Recherche wollten wir unbedingt einen ‚Spieker‘. Es ist unser Traumhaus.“

Doch da kontert Albin Hohmeyer schnell: „Ein Traumhaus ist es eben nicht, denn es ist ja realisierbar und bleibt gerade kein Traum.“ Doch träumen ist dennoch erlaubt, vor allem für die drei Söhne der Familie Steffes, die alle schon ihre Schlafzimmer ausgesucht haben.

Der jüngste Spross, Eric, weiß mit seinen zehn Jahren schon genau, was er will: „Ein Tote-Hosen-Plakat muss auf jeden Fall in mein Zimmer.“ Das Landhaus findet er „einfach toll“. Genau wie seine beiden Brüder.

Quelle: op-online.de

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