Vor dem Richten steht Schlichten

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Sie sind von nun an für Streitigkeiten zuständig - die Schiedsleute Andrea Gruber und Carsten Helfmann.

Eppertshausen - Seit 1827 sind sie in Deutschland als älteste und erfolgreiche Institution der vorgerichtlichen Streitschlichtung in mittlerweile zwölf Bundesländern aktiv: die ehrenamtlich tätigen Schiedsmänner und Schiedsfrauen. Von Jasmin Frank

In Eppertshausen wurde auf der Gemeindevertretersitzung am Dienstagabend turnusgemäß die Schiedsperson und ihr Stellvertreter neu gewählt. Bislang waren die Ämter von Bürgermeister Carsten Helfmann und Anita Hundt ausgeübt worden. Letztere trat aus privaten Gründen nicht mehr zur Wahl an.

Schiedspersonen können bei vielen Unstimmigkeiten von den Bürgern eingesetzt werden, so bei Beleidigung, Hausfriedensbruch oder etwa Sachbeschädigung. „Ich habe diesen Posten fünf Jahre lang inne gehabt und in dieser Zeit zehn offizielle Schiedsverfahren übernommen. Viel häufiger kommt es vor, dass die Einwohner sich ohne Verfahren an mich wenden und ich versuche dann, zu vermitteln“, so Helfmann.

Egal ob offizielles Verfahren oder einfache Vermittlung: Die Schiedsperson kann kein „Urteil“ fällen, sondern nur versuchen, eine gütliche Einigung der Parteien zu erreichen. Bleiben die Schlichtungsbemühungen der Schiedsperson erfolglos, erhält der Antragsteller hierüber in Zivilsachen eine Erfolglosigkeitsbescheinigung, mit der in Hessen erst der Weg für die Klage vor dem Amtsgericht frei ist, denn diese Bescheinigung ist eine notwendige Prozessvoraussetzung und muss mit Einreichen der Klage bei Gericht vorgelegt werden.

„Das Amtsgericht Dieburg ist froh über unseren Einsatz, denn wir nehmen ihm viel Arbeit ab“, so Helfmann, der als Schiedsperson wieder gewählt wurde.

Gruber ist ausgebildete Mediatorin

Seine Stellvertreterin ist nun Andrea Gruber, die sich als Diplom-Verwaltungsfachwirtin im Privat- und Verwaltungsrecht gut auskennt und zudem ausgebildete Mediatorin ist. „Ich habe bereits einige Erfahrung gesammelt und auch Streitschlichter an der Münsterer Schule auf der Aue ausgebildet, deshalb bin ich sehr zuversichtlich, was meine neue Aufgabe betrifft“, so Gruber.

Zum größten Teil werden Nachbarschaftsstreitigkeiten auf die beiden zukommen, dabei spielen vor allem Hecken und Bäume eine gewichtige Rolle, da hier immer wieder nicht eingehaltene Abstände oder Art und Umfang der Gewächse zu Auseinandersetzungen führen. Aber auch Konflikte zwischen Mietern und Vermietern oder sogar innerhalb der Familie sind nicht selten. „Ich musste schon zwischen Brüdern vermitteln, die sich nicht über die Treppenhaus- und Straßenreinigung einigen konnten“, erinnert sich Helfmann schmunzelnd.

In besonderes kniffeligen Fällen können die Schiedspersonen auch Rücksprache mit den Richtern halten, so galt es für Helfmann zu entscheiden, ob mehrere aneinander gepflanzte Bäume tatsächlich noch Bäume sind oder aber als Sträucher gelten, was Auswirkungen auf den Abstand der Pflanzung gehabt hätte.

Schiedspersonen haben also ein umfangreiches Aufgabengebiet, das nicht nur juristische Kenntnisse und Einfühlungsvermögen in die menschliche Psyche beinhaltet, sondern durchaus auch botanische Fragen einbezieht.

Quelle: op-online.de

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