Landwirt Kopp erneut Opfer von Viehdieben 

Rinder von Koppel geklaut

+
Landwirt Hermann Kopp bei seiner Herde auf der Weide an der Brückenstraße, die von Viehdieben dezimiert wird.

Eppertshausen - Wer den wilden Westen in weiter Ferne wähnt, kennt Eppertshausen nicht. Dort existiert jedenfalls heute noch eine Unart, die man hierzulande sonst nur aus Filmen mit John Wayne oder Pierre Brice kennt: Viehdiebstahl. Von Thomas Meier

Zum wiederholten Male stahlen böswillige „Cowboys“ von einer Koppel an der Brückenstraße wertvolle Rinder. Sie gehören Bauer Hermann Kopp, gelernter Bäcker und Landwirt aus Leidenschaft. Er erstattete am Sonntag Anzeige gegen Unbekannt. Die Polizei sucht nun händeringend nach Zeugen (Telefon 06071 9656303).

Sechs wertvolle Charolaiskühe trieben die Kriminellen im Laufe des vergangenen Jahres von der eingezäunten Weide, die dicht am Radweg nahe der L3095 und kurz hinter dem Ortsausgang Eppertshausens Richtung Münster liegt. Offenbart hatte sich Kopp der Diebstahl am Sonntagnachmittag bei einer jährlich anberaumten Blutentnahme der Kühe.

Erheblicher finanzieller Schaden

Der Landwirt, der den Hof von seinem Schwiegervater vor 16 Jahren übernahm, hat auf fünf Weiden Rinder stehen. Auf seiner größten an der Brückenstraße grasen zwischen zwei und drei Dutzend der hellbraunen, aus Frankreich stammenden sehr stabilen Mastrinder. „Letztes Jahr waren es 30 Kühe, ein Bulle und etliche Kälbchen. Weil die Herde so groß ist, zähle ich nicht täglich genau nach.

Das funktionierte auch gar nicht, weil die Viecher ja ständig in Bewegung sind“, sagt Kopp. Nun, bei der Blutkontrolle mit den abgezählten Spritzen, bemerkte er das Fehlen von sechs ausgewachsenen Kühen. Nicht mehr da die Steakträger, was einen finanziellen Schaden von rund 7 500 Euro für den Landwirt ausmacht. Ein herber Verlust, denn für die Herde gibt es zwar eine Haftpflicht-, aber keine Diebstahlversicherung. „Das bleibt allein an mir hängen“, sagt Kopp.

Vor einem Jahr klauten Gangster ein Kälbchen von der Weide (wir berichteten). Damals wiesen Spuren auf einen Wagen mit Hänger hin, bis heute sucht die Polizei jedoch vergeblich nach den Viehdieben.

Übers Jahr geschahen die weiteren Rinder-Entführungen. Wohl peu á peu, denn sonst wäre es dem täglich mehrfach nach seinen Rindern schauenden Bauern schon aufgefallen. Deshalb auch die Suche der Polizei nach Zeugen, die verdächtige Fahrzeuge mit Hängern an der Koppel ausgemacht haben, womöglich zur Dämmerung oder nachtschlafender Zeit.

Tiere leben selbst im Winter draußen

Seit 16 Jahren leben die Charolaiskühe ganzjährig im Freien. Zwar haben sie auch einen großen Unterstand an der Brückenstraße, doch sind die Tiere dort fast nie zu beobachten. Sommers wie winters fressen sie gemütlich Gras oder beigebrachtes Futter, ziehen ihre ohne Veterinär ganz natürlich zur Welt gebrachten Kälber auf (ein Bulle lebt zwischen den Muttertieren) und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein. „Selbst im Winter bei minus 15 Grad kalben die Kühe. Sie stammen aus der rauen Normandie.

Unser Wetter kann denen gar nichts“, sagt Kopp. Teilweise stehen Kühe auf seinen Weiden, die 1998 geboren sind. Solange sie kalben, bringen sie Geld, haben sie ihre Existenzberechtigung. Der Erlös kommt zumeist über den Nachwuchs, der mit 300 Kilogramm Lebendgewicht für rund 400 Euro an Metzger oder Schlachter aus der Region verkauft wird. Ein ausgewachsenen Rind bringt es mit 600 bis 800 Kilogramm Gewicht auf 1000 bis 1200 Euro.

20 kuriose Tier-Urteile

20 kuriose Tier-Urteile

Neben seinen Weiden unterhält Bauer Kopp deshalb auch 120 Hektar Grünflächen im Umland. Rund 600 Ballen Stroh holt er von seinen Wiesen in Eppertshausen und Urberach pro Jahr zusammen, um über die Runden zu kommen.

Viel Arbeit und hohe Kosten stecken in der Rinderhaltung. Da müsse man schon genau kalkulieren, sagt der von Viehdieben nun gebeutelte Landwirt. Solche Einnahmeausfälle sind freilich im Etat des Rinderbauern nicht vorgesehen.

Quelle: op-online.de

Kommentare